Berner Schüler auf Serbien-Tournee
Von Sebastian Meier. Aktualisiert am 02.08.2010
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«Die Menschen!», antwortet Lukas Buser auf die Frage nach den Höhepunkten seiner Serbien-Reise. Innerhalb zweier Wochen ist der Gymnasiast mit dem Kammerchor Kirchenfeld und dem Jugendorchester Köniz durch das ganze Land gereist, hat sechs Konzerte in sechs Städten gespielt, ist in Mehrzweckhallen, im gut gefüllten Nationaltheater in Belgrad und im serbischen Frühstücksfernsehen aufgetreten. Am stärksten in Erinnerung geblieben seien aber die Freundschaften, die momentan noch in der frisch gegründeten Facebook-Gruppe, hoffentlich aber bald auch wieder persönlich und vor Ort gepflegt würden.
Die Freundschaften haben sich nicht ganz zufällig ergeben, denn im Tourplan war der Kontakt mit den Einheimischen ein fester Bestandteil. Zwei Lieder trugen die Berner Musiker jeweils mit den lokalen Chören vor. «Ich war erstaunt, wie gut das funktionierte», sagt Buser, denn bis auf eine Hauptprobe am Tag des Auftrittes habe man nie zusammen geübt. Dafür lernten sich die Vertreter beider Nationen vor und nach den Konzerten besser kennen.
Freundschaft mit Vorgeschichte
Er habe die Serben als äusserst offene Menschen erlebt, sagt Buser. Auf negative Vorurteile gegenüber den Schweizern sei er nicht gestossen. Auf positive Bilder hingegen schon. «Viele haben Verwandte oder Bekannte in der Schweiz.» Darüber hinaus wird der Austausch zwischen den beiden Kleinstaaten gerade von Bern und Köniz seit Jahren gepflegt. So entsandten die beiden Gemeinden bereits Anfang der 90er-Jahre mit einer Sondererlaubnis der UNO Hilfsgüter in die serbische Stadt Prijepolje. Aus der Hilfeleistung in Krisenzeiten ist längst eine feste Partnerschaft mit diversen Austauschprojekten entstanden. Seit 2006 ist die Freundschaft zwischen Köniz und Prijepolje gar vertraglich festgehalten. Dort – im Grenzgebiet zu Montenegro und Bosnien-Herzegowina – wurden die Berner Musiker denn auch mit einem Volksfest empfangen, konnten die Hände von Lokalpolitikern, Botschaftern und Geistlichen schütteln. Auch sonst habe man viel mit den Einheimischen gefeiert. «Die Festkultur war einer der augenfälligsten Unterschiede zur Schweiz», sagt Buser.
Auftritt auf der Mattscheibe
Der rund 150-köpfige Tross in den Doppeldeckerbussen mit Schweizer Kennzeichen weckte auch das Interesse des serbischen Nationalfernsehens. Dort durften die Chormitglieder das «Tamo Daleko» vortragen – ein eigens für die Tour eingeübtes serbisches Volkslied. Als Übersetzerin zwischen Moderator und Dirigent wirkte in der Livesendung Lijlja Damjanovic, serbisch-schweizerische Doppelbürgerin und Initiantin der Tournee. Zwei Jahre hätten die Planungsarbeiten gedauert, sagt sie. Ziel der Reise sei es gewesen, gängige Klischees abzubauen, Brücken zu schlagen und die jungen Berner in ihren Ferien nicht zu langweilen. Das Unterfangen scheint geglückt zu sein.
Dafür, dass die Reise nach Serbien nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird, ist ebenfalls gesorgt: Zwei serbische Journalisten haben die Tour mit Kamera und Mikrofon begleitet. Rund 30 Stunden Filmmaterial würden gegenwärtig nachbearbeitet und geschnitten, weiss Damjanovic. Entstehen soll ein Souvenir für die Teilnehmer sowie Beiträge für die Sendung «10 vor 10» und das serbische Fernsehen. Die freundschaftliche Beziehung zwischen Bern und Serbien soll schliesslich auch nach Ende der Tournee nicht abbrechen. Im nächsten März werden die Gymnasiasten aus dem Kirchenfeld die Gelegenheit haben, sich zu revanchieren. Eine Tanzgruppe aus Serbien wird dann für drei Auftritte in Bern zu Besuch sein. (Der Bund)
Erstellt: 02.08.2010, 14:40 Uhr
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