Benteli-Weber-CEO Brawand nimmt Stellung
Stellungnahme zum Konkurs der Weber Benteli AG
Aufgrund verschiedener Berichterstattungen in den Medien sowie sich häufenden Angriffen auf meine Person, sehe ich mich veranlasst, die Vorkommnisse, die zum Konkurs der Weber Benteli AG geführt haben, aus meiner Sicht darzustellen.
Wie bereits in den Medien zu lesen war, hatte sich die damalige Weber Farbendruck AG im Rahmen eines Sanierungsprogramms durch die Erneuerung des Maschinenparks im Jahr 2007 zur Akzidenzdruckerei mit den neusten Maschinen Europas entwickelt. Allerdings war der neue Maschinenpark bereits für das damals bestehende Auftragsvolumen überproportioniert und dies in einem rückläufigen Marktumfeld.
Im Jahr 2008 gelang es mir als Geschäftsführer der Benteli Hallwag AG zusammen mit der damaligen Führung der Weber Farbendruck AG den Zusammenschluss der beiden Unternehmen zur Weber Benteli AG herbeizuführen. Damit konnte der für den Fortbestand des Unternehmens notwendige Auftragsbestand generiert und ein bereits damals drohender Konkurs der Weber Farbendruck AG abgewendet werden.
Im Rahmen dieses Zusammenschlusses trat ich gemeinsam mit Herrn Bernhard Braun, welcher direkt durch die Aktionärin mandatiert wurde, die Geschäftsführung der neuen Weber Benteli AG an. In der zweigeteilten Geschäftsleitung war ich für den Betrieb (Einkauf, Produktion und Vertrieb), Bernhard Braun für die Finanzen zuständig. Von Beginn weg war klar, dass es darum ging, mit einer hochmodernen Firma in einem schwierigen Marktumfeld und einer finanziell schwierigen Ausgangssituation den Turnaround zu schaffen. Hierfür wurden wir letztlich engagiert und dafür haben wir uns auch eingesetzt.
Nebst den bereits getroffenen und umgesetzten Sanierungsmassnahmen der ehemaligen Weber Farbendruck AG (Erneuerung Maschinenpark, Neuaufbau des Managements, Neuausrichtung des Verkaufs, Umsatzausweitung vor allem im Bereich der Periodika durch Übernahme der Benteli Hallwag AG) wurden daher von Beginn weg weitere Massnahmen zur Sanierung in Angriff genommen resp. weitergeführt (Verbesserung der Abläufe, Kostensenkung, Bilanzssanierung).
Obschon die Weber Benteli AG für das Jahr 2008 noch einen hohen Verlust ausgewiesen hat, waren wir in der Geschäftsleitung anfangs 2009 zuversichtlich. Der Verlust des Vorjahres liess sich zum massgeblichen Teil mit Einmaleffekten erklären, massgebliche Sanierungsmassnahmen begannen zu greifen und das Auftragsvolumen im 1. Quartal 2009 lag über Budget.
Im April 2009 wurde das Aktienpaket der Arques durch einen deutschen Finanzinvestor, die ValueNet Capital Partners, übernommen. Diese Übernahme hatte weder auf die Zusammensetzung des Verwaltungsrats noch der Geschäftsleitung Auswirkungen und wurde von uns als positives Signal für die Absicherung der finanziellen Basis und die Kontinuität des Betriebs gewertet.
Auch Mitte 2009 befand sich das Unternehmen weiterhin über Budget und ca. 15 Prozent über der entsprechenden Vorjahresperiode. Zusätzlich wurden zur Bereinigung der Bilanzstruktur resp. zur Beseitigung der Altlasten verschiedene Strategien verfolgt. Einerseits wurde ein Verkauf der Geschäftsliegenschaft geprüft, andererseits der Verkauf des Betriebs an eine andere grosse Schweizer Druckerei. Beide Möglichkeiten wären durch eine Teilentschuldung über den Verzicht der Aktionärin auf ein Aktionärsdarlehen unterstützt worden und die Zukunft des Betriebs, insbesondere aber auch der Arbeitsplätze, hätte so gesichert werden können. Entsprechende Vorverträge waren vorhanden, eine due diligence war bereits durchgeführt worden und die Vertragsentwürfe lagen vor.
Ab August 2009 brach dann der Umsatz aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage, welche die Druckereibranche gegenüber übrigen Wirtschaftszweigen ca. 6 bis 8 Monate zeitverzögert traf, sowie aufgrund des Gerüchts, die Weber Benteli AG stehe zum Verkauf, massiv ein. Die Zahlen dieser letzten Monate lagen ca. 30 – 40 Prozent unter Vorjahr. Mit den bereits bestehenden Altlasten in der Bilanz war dies eine bedrohliche Situation, weshalb die Sanierungsbestrebungen ausgeweitet und intensiviert wurden. Letztlich war aber im aktuellen, schlechten Marktumfeld niemand mehr bereit, die dringend benötigten zusätzlichen Gelder einzuschiessen.
Aufgrund verschiedener Ansichten zum konkret zu wählenden Weg der Sanierung wurde mir schliesslich im Oktober 2009 mitgeteilt, dass man auf diese Art und Weise geschäftlich nicht mehr mit mir verkehren möchte. Aufgrund dieser klaren Aussage meiner übergeordneten Organe begann ich mich nach einer anderen Stelle umzusehen. Ich fand schliesslich eine entsprechende Anstellung und kündigte daher meinen Anstellungsvertrag.
Per Ende November 2009 konnte die Weber Benteli AG aufgrund einer weiteren Verschlechterung der Situation sowie des Scheiterns verschiedener angestrebter Sanierungsmassnahmen die offenen Rechnungen, insbesondere auch die Löhne der Mitarbeiter nicht mehr bezahlen und musste Konkurs anmelden.
Dass dieser Schritt trotz des enormen Einsatzes der Mitarbeiter bis hin zu einem Lohnverzicht auf 5 Prozent des Lohnes notwendig geworden ist, macht mir persönlich grosse Mühe. Ob allenfalls sogar unlautere Geschäftsgebaren der Aktionäre mit im Spiel waren, wie dies in den Medien teils behauptet wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich gehe aber davon aus, dass dies im Interesse der Gläubiger, der Mitarbeiter aber auch der von den Medien angeschuldigten Aktionäre im Detail untersucht werden wird. Ich persönlich habe mich in den 18 Monaten meiner Tätigkeit stets für die Weber Benteli AG und deren Mitarbeiter eingesetzt. Dies mit Elan und der Überzeugung, dass wir den Turnaround letztlich schaffen werden. Dass dies nicht gelungen ist, bedaure ich persönlich sehr.
Wohlen, 4. Dezember 2009
Erstellt: 07.12.2009, 09:16 Uhr
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