Belegärzte steigen auf die Barrikaden
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«Die Berner Belegärzte warnen», heisst es in Inseraten, welche in den vergangenen Tagen in Berner Zeitungen erschienen sind. Die Anzeigen der Berner Belegärzte-Vereinigung BBV plus sind ein Frontalangriff auf die Spitalpolitik des Gesundheitsdirektors Philippe Perrenoud (SP). Es drohe eine «planwirtschaftlich und willkürlich verfügte Spitalliste», heisst es. Im auf der Internetseite veröffentlichten Argumentarium zerpflückt die BBV plus die Spitalplanung der Gesundheitsdirektion regelrecht.
Klare Worte findet auf Anfrage auch ihr Generalsekretär Walter Annasohn: «Aus medizinischer Sicht ist die vorgeschlagene Spitalliste ein Pfuschwerk.» Die Kritik, die am schwersten wiegt: Die Spitalplanung widerspreche dem medizinischen Alltag und sei unpraktikabel. Selbst Tätigkeiten, welche für gewisse Notfälle nötig seien, dürften manche Spitäler nicht mehr abrechnen. Die Folge: Viele Patienten würden für eine Behandlung von Spital zu Spital geschickt.
Uneinigkeit über Wettbewerb
Die Belegärzte sitzen mit ihren Arbeitgebern, den Privatspitälern, im selben Boot. Darum ist deren Kritik praktisch deckungsgleich. «Öffentliche Spitäler werden bei einer solchen Spitalplanung bevorzugt», sagt Annasohn. «Darum betrifft sie die Belegärzte sehr direkt.» Vorrangig gehe es aber um die Patienten, für deren medizinisches Schicksal letztlich die Ärzte die Verantwortung übernehmen müssten. Die rund 410 der BBV plus angeschlossenen Ärztinnen und Ärzte möchten einen möglichst uneingeschränkten Wettbewerb unter den Spitälern.
Auch Ärzte der öffentlichen Spitäler üben Kritik, wenn auch nicht so laute. «Es gibt keine einheitliche Meinung», sagt Heinz Schaad, Präsident der Vereinigung der Spitalärzte des Kantons Bern (VSKB). Die Spitalärzte hätten unterschiedliche Bedenken und Interessen, je nachdem, wo sie arbeiteten. Die Kritik der BBV plus gehe wohl etwas zu weit, meint Schaad. Doch in einigen Teilen teilt er sie auch. Er vermisst in der kantonalen Planung unter anderem ein klares Bekenntnis zum Wettbewerb. Der Verband der Schweizerischen Assistenz- und Oberärzte (VSAO) findet sich eher auf der Linie der Gesundheitsdirektion. Er setze nicht auf den Wettbewerb allein, sagt Rosmarie Glauser, Geschäftsführerin der Sektion Bern des VSAO. «Die Entwicklung hat gezeigt, dass der freie Markt eben nicht überall funktioniert.» Darum gebe es heute unzählige Notfallstationen bei Spitälern, nur, um die Behandlungszahlen zu steigern. Die Gesundheitsversorgung sei eine öffentliche Aufgabe, was eine Planung bedinge. So wolle es auch das Gesetz.
Das Spitalamt versteht die Kritik an seiner Planungsarbeit nicht. «Die Spitalliste schafft für Patienten, Krankenkassen und Spitäler keine Behinderungen, sondern Transparenz», sagt Thomas Spuhler, Leiter der Abteilung Planung und Aufsicht. Die Berner Belegärzte planen derweil schon weitere Anzeigen. «Es ist ein ganzer Aktionsplan im Gange», so Walter Annasohn. (Der Bund)
Erstellt: 01.11.2011, 07:24 Uhr
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