Bauland für eine Moschee gibt es in Bern-Brünnen nicht mehr
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 17.01.2012
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Eine Grossmoschee in Bern-Brünnen? Der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) plant auf 2400 Quadratmeter ein 20 Millionen Franken teures Zentrum mit Nebenräumen und einem Gebetsraum mit 444 Plätzen. Wölbt sich also in Berns Westen bald eine Kuppel wie aus 1001 Nacht?
Der IZRS, der sich in der Golfregion auf die Suche nach Geldgebern macht, geht bei der Realisierung von einem Zeitrahmen von zehn Jahren aus. IZRS-Präsident Nicolas Blancho sagte dem «Bund», eine Delegation habe im Frühling 2011 Grundstücke in Berns Westen besichtigt. Die Frage ist aber, wo es dort überhaupt Platz für eine Moschee gibt.
Dienstleistungszone ist schon voll
«In Bern-Brünnen verfügt die Stadt Bern über keine Baufelder mehr in der Dienstleistungszone», sagt Daniel Conca von der städtischen Liegenschaftsverwaltung. Eine Moschee ist aber nur in einer Dienstleistungszone möglich. Stadtbauinspektor Martin Baumann verweist als Beispiel auf das Haus der Religionen, das am Europaplatz entstehen soll: ein religiöses Zentrum mit gewerblicher Mantelnutzung. «Es entspricht der dortigen Dienstleistungszone und ist somit zonenkonform», hält er fest. Ob ein Moscheeprojekt in Brünnen bewilligungsfähig sei, könne er erst konkret sagen, «wenn klar ist, wo der Bau realisiert werden soll». Die Industrie- und Gewerbezone sei für Produktion, Reparatur und Lagernutzungen vorgesehen, erklärt Baumann, allenfalls wäre eine Ausnahmeregelung zu prüfen.
In Brünnen wird vor allem gewohnt. In der Dienstleistungszone befindet sich das Einkaufszentrum Westside. Die Landbesitzerin Neue Brünnen AG sagt auf Anfrage: «Wir haben kein Bauland mehr.» Zu Projekten auf anderen Parzellen nehme man nicht Stellung.
Muslime suchen Gebetsräume
Muslimische Vereinigungen leiden oft unter Platznot. Am Lindenrain im Stadtbachquartier, wo sich überwiegend Muslime aus dem arabischen Raum versammeln, kam es vor, dass Gläubige auf dem Trottoir beten mussten. Auch die Vereinigung an der Hochfeldstrasse, die vor allem von Muslimen aus dem Balkan frequentiert wird, braucht mehr Platz. Sie beteiligt sich am Projekt Haus der Religionen und wird nach Fertigstellung der Überbauung am Europaplatz in Ausserholligen einen Raum beziehen.
Die Umma, eine Vereinigung verschiedener islamischer Vereinigungen, schreckte Bern 2007 auf mit Plänen für ein Islamisches Zentrum im Wankdorf. Der gleiche Architekt, der damals das Haus der Religionen betreute, war auch für die Entwicklung dieses Projektes zuständig. Schnell wurde klar: Das Zentrum ist nur eine Idee. Die Umma fand kurz danach eine Liegenschaft in Ostermundigen, die ehemalige Weinhandlung Barisi. Sie baute diese um, renovierte sie – und zog sich aus dem Projekt Haus der Religionen zurück. Im Gebetsraum, in dem überwiegend türkische Muslime verkehren, haben mehrere Hundert Personen Platz. Der Gebetsraum ist somit von ähnlicher Grösse wie der in Bern-Brünnen geplante. Zum Vergleich: Die 1978 vom saudischen König und Bundesrat Willi Ritschard eröffnete Moschee Petit-Saconnex in Genf bietet 1500 Gläubigen Platz. Sie belegt eine Fläche von 2500 Quadratmeter und kostete damals schon 13 Millionen Franken.
Belp als Religions-Cluster
Nicht nur die Stadt Bern hat sich mit der Zonentauglichkeit von sakralen Bauten zu befassen, auch Belp hat auf diesem Gebiet Erfahrungen gesammelt. So sorgte eine serbisch-orthodoxe Vereinigung, die Land für einen Kirchenbau erwerben wollte, für Unruhe: Bauvisiere wurden beschädigt. Inzwischen steht die Kirche, laut dem stellvertretenden Bauverwalter Jürg Aebersold funktioniert der Betrieb problemlos. Sogar für den Parkplatzengpass habe man eine Lösung gefunden: Wenn die orthodoxen Christen sonntags Gottesdienst feiern, dürfen sie die Autos auf den leeren Gewerbeparkfeldern in der Nähe abstellen.
In einem anderen Fall klappte die Ansiedlung einer Religionsgemeinschaft in Belp nicht: Hindus erkundigten sich nach Land für einen Tempelbau, doch ging die Parzelle an eine ortsansässige Druckerei, die ihren Betrieb erweiterte, was der Gemeinde Wertschöpfung und Steuereinnahmen brachte. (Der Bund)
Erstellt: 17.01.2012, 06:50 Uhr
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