Bärenpark: Gemeinderat beschliesst Untersuchung

Aktualisiert am 15.10.2009 34 Kommentare

Der Berner Gemeinderat will mit einer administrativen Untersuchung klären, wer für das finanzielle Debakel beim Bau des Bärenparks verantwortlich ist.

Der Bärenpark gibt weiter zu reden. (Adrian Moser)

Der Bärenpark gibt weiter zu reden. (Adrian Moser)

Artikel zum Thema

Stichworte

Die in corpore angerückte Stadtregierung zeigte sich am Donnerstag vor den Medien erzürnt über die Mehrkosten.

«Wir sind irritiert und befremdet - um es einmal höflich auszudrücken», sagte Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). «Es ist unseriös und inakzeptabel, in welchem Ausmass die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind. «Hier wurde zu wenig hingeschaut oder gar weggeschaut».

Statt der ursprünglichen 9,7 oder der später budgetierten 14,5 Millionen Franken kostet der neue Bärenpark nun bis zu rund 24 Millionen Franken.

Es sei völlig unverständlich, warum der Gemeinderat erst wenige Tage vor der Eröffnung des neuen Parks von der Bauherrin, den Stadtbauten Bern, über eine derartige Kostenexplosion informiert worden sei, wetterte Stadtpräsident Alexander Tschäppät.

Selbstverständlich werde eine Administrativuntersuchung eröffnet. Diejenigen, die Fehler gemacht hätten, würden Konsequenzen zu tragen haben.

Schon im Mai geahnt

Dafür, dass der Park möglicherweise erneut teurer würde, gab es allerdings schon im Mai Anzeichen, wie FDP-Gemeinderätin Barbara Hayoz einräumte. Grund dafür waren neuerliche Probleme mit dem instabilen Aarehang.

Im Mai seien verschiedene diffuse und ungenaue Zahlen zu den Mehrkosten von bis zu 20 Millionen Franken herumgegeistert. Sie habe deshalb von der Projektleitung und der Bauherrin eine Konkretisierung verlangt - ohne Erfolg.

Warum Hayoz damals nicht Alarm schlug begründete die Gemeinderätin mit den zu diffusen und widersprüchlichen Zahlen. Im Nachhinein bedaure sie es aber, nicht schon früher informiert zu haben.

Stadtbauten im Zentrum der Kritik

Im Zentrum der Kritik stehen indessen die Stadtbauten Bern, ein öffentlich-rechtliches Unternehmen, das zu 100 Prozent der Stadt gehört und in dessen Verwaltungsrat die beiden Gemeinderätinnen Barbara Hayoz und Edith Olibet sitzen. Die Stadtbauten wurden vor einigen Jahren aus der Stadtverwaltung ausgegliedert.

Anfang Woche informierten die Stadtbauten die Öffentlichkeit über die Kostenexplosion und schlugen vor, die Mehrkosten selber zu tragen. Ein Vorschlag, dem der Gemeinderat im Grundsatz zustimmt.

Damit sei allerdings das Ziel, den Bärenpark ohne Gelder der öffentlichen Hand zu finanzieren, deutlich verfehlt, betonte Tschäppät.

Wieder in den Schoss der Verwaltung?

Tschäppät liess keinen Zweifel aufkommen, dass der Gemeinderat grosse Sympathie für die Forderung der Wiedereingliederung der Stadtbauten Bern in die Verwaltung hat. «Ein Zurück zur Tagesordnung wird es bei den Stadtbauten nicht geben», sagte er.

Der Stadtpräsident stellte allerdings auch klar, dass der Gemeinderat keine Kompetenzen habe, sich in die Belange der öffentlich-rechtlichen Unternehmung einzumischen, etwa in personeller Hinsicht.

Schon nach Bekanntwerden des finanziellen Debakels Anfang Woche erhoben verschiedene politische Parteien Forderungen nach neuen Köpfen bei den Stadtbauten. Insbesondere CEO Rudolf Lanzrein müsse abtreten, hiess es. Dieser betonte, ein Rücktritt sei kein Thema.

Allerdings stellte der Verwaltungsrat der Stadtbauten Lanzrein bis auf Weiteres einen baufachlichen Begleiter zur Seite. Für ihn sei fraglich, ob diese Massnahme als Konsequenz genüge, liess Tschäppät durchblicken.

Der Bärenpark wird am 25. Oktober eröffnet. Stolz und Freude dürften sich unter diesen Vorzeichen allerdings in Grenzen halten. (bs/ap)

Erstellt: 15.10.2009, 13:45 Uhr

34

Kommentar schreiben







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

34 Kommentare

Manuel C. Widmer

13.10.2009, 15:18 Uhr
Melden

Ist irgendjemand darüber erstaunt? Ich wäre es, wenn es jemand wäre... Denn das ist heute doch normal: Ein Bauprojekt wird im Ursprung viel zu tief angesetzt, dafür kann das Objekt so nicht gebaut und benutzt werden – dann wird nachgebessert bis man das Niveau erreicht, von dem man von Anfang an wusste, dass es realistisch ist… Kommunikation à la StaBe. Antworten


hans meier

13.10.2009, 15:54 Uhr
Melden

Wen Wunderts. Ist doch bei jedem Bauvorhaben so. Tief rein mit den Kosten damit man den Auftrag kriegt. Wenn man angefangen hat, kann der Auftraggeber ja gar nicht mehr zurück und muss die Mehrkosten übernehmen. Die "Offerte" sollte verbindlich sein, und die Mehrkosten das BAuunternehmen übernehmen! Mafia diese Bauunternehmer!!!! Antworten



Bern

Populär auf Facebook – Privatsphäre

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Zimmermann Bellini Personal AG, BE

SpezialreinigerIn Bellini Personal AG, AI TG GL ...

Storenmonteur Collardi, BE

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

Entwickler / Konstrukteur Spritzgusswerkzeuge Engineering Management Selection E.M.S. AG, SO

Dozent/in Internationaler Handel und Supply Chain Management STF, Zürich

Produktionsleiter/in PetroplastVinora AG, Andwil SG

Telefonbuch

Marktplatz