Bärchen schnuppern frische Luft – die Bilder
Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 02.03.2010
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Zurzeit entsteht in Bern ein neues Hobby: «Bärchenspotting». Den Trainspottern ähnlich – den Leuten also, die auf Eisenbahnbrücken stehen und die Züge beobachten, die vorbeirauschen – hat sich gestern beim Bärenpark eine Traube von Bärenspottern zusammengefunden, die geduldig warten, um einen Blick auf den Bärenpark-Nachwuchs zu erhaschen. Manche halten die Kamera bereit. Eine Frau hat gar einen Zeichenblock dabei.
Doch das Sujet zeigt sich nur für Sekunden. Morgens um Viertel nach elf lugt eines der Kleinen kurz aus der Höhle. Dann huscht es zurück ins warme Nest, wohl auf Befehl von Björk. Die Bärenmutter scheint den Nachwuchs ungern rauszulassen. Den halben Morgen liegt sie vor dem Höhleneingang und versperrt den Weg nach draussen.
Aber die zwei pelzigen Jungstars zieht es an die frische Luft. Am Samstagnachmittag wagten sich Urs und Berna zum ersten Mal aus der Höhle, nur für wenige Momente. Das Onlineportal von «20 Minuten» verbreitete die frohe Kunde und erste Bilder. Entsprechend viele Leute zieht es derzeit zum Bärenpark. «Für einen Montag haben wir enorm viele Leute», sagt Bärenwärter Walter Bosshard. Nun wolle halt jeder der Erste sein, der die kleinen Bären gesehen habe, das sei verständlich. Schon am Wochenende zogen der Bärennachwuchs und bestimmt auch das schöne Wetter die Leute in Scharen an. Insgesamt habe man circa 15 000 Besucher gezählt, so Bosshard. In den nächsten Tagen wird der Volksauflauf wohl noch zunehmen.
Nun nehmen die Ausflüge zu
Wie oft die Bärchen inzwischen die Höhle verlassen haben, kann Bosshard nicht genau sagen. «Wir können nicht ständig vorne dranstehen und schauen», meint er. Am Sonntag waren Urs und Berna sicher einmal kurz draussen, gestern zeigten sie sich schon mehrmals – aber jeweils nur für ein paar Augenblicke. Die Ausflüge werden nun sukzessive zunehmen, glaubt Bosshard.
Letztlich entscheide Björk, wann und wie oft sie die Kleinen rauslasse. «Wahrscheinlich denkt sie momentan noch: ,Ihr seid mir noch zu klein, es ist noch zu feucht und zu kühl für euch.»
Beobachten lassen sich Björk und ihre Rasselbande auch auf der Webseite des Bärenparks. Wenn die Bärchen auf den Bildern der Web-Kamera nicht zu sehen seien, heisse das aber nicht unbedingt, dass sie sich draussen aufhielten. Die Kamera zeige den vordersten Teil der Höhle nicht – dort aber hielten sich die Jungen oft auf. «Sie kleben an der Mutter», sagt Bosshard.
Was Bärenspottern auch nicht entgeht: Björk hält den Bärenvater Finn gut im Auge. Aus der Ferne verfolgt sie jede Bewegung ihres Partners, der im November von Björk getrennt wurde und nun im kleineren Nebengehege lebt. Auch Finn beobachte genau, was Björk mache, sagt Bärenwärter Bosshard. Das Männchen scheint Sehnsucht nach Björk zu haben: Finn hat beim Trennzaun ein grosses Loch gebuddelt, das kürzlich zubetoniert werden musste.
Nicht nur das Bärenmännchen, auch die Mutter selbst kann für die Jungen eine Gefahr darstellen – wenn sie sich gestresst fühlt. «Es kann sein, dass ein Bärenweibchen lieber die Jungen frisst, als sie einer grösseren Gefahr auszusetzen.» Die Bärenpark-Verantwortlichen bitten die Gäste daher, sich ruhig und besonnen zu verhalten. «Wenn sich die Leute normal verhalten, sollte es schon gut kommen», beruhigt Bosshard. Aus der Zeit des Bärengrabens sei ihm kein Fall bekannt, bei dem die Mutter den eigenen Nachwuchs getötet habe. (Der Bund)
Erstellt: 02.03.2010, 08:03 Uhr
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