Baby-Boom im Tierpark
Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 26.06.2009
Eine junge Schneeeule: Sie ist eines von vielen jungen Tieren im Tierpark Dählhölzli. (Adrian Moser)
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Es ist eine jener Szenen, bei der man als Zuschauer nicht so recht weiss, ob man gerührt oder angeekelt sein soll. Beim Eingang zum Tierpark Dählhölzli füttert eine rosa Flamingo-Mutter ihr Küken mit Erbrochenem aus ihrem Schnabel. Für die am Zaun stehenden Schulklassen ist der Fall klar: Sie finden an der Szenerie grossen Gefallen und kommentieren diese mit lauten «Jöh»-Rufen. «So einen möchte ich auch haben», sagt etwa ein junges Mädchen zu seiner Kollegin.
Auch beim Personal des Tierparks überwiegt die Freude an diesem ungewöhnlichen Anblick. Die sogenannte Kropfmilch sei sehr nahrhaft und stelle für die flauschigen grauen Vögel in ihren ersten Lebenswochen die Hauptnahrungsquelle dar, wie Kurator Marc Rosset gestern an einer Medienveranstaltung erklärte. «Wir halten schon seit 1999 Flamingos.» Aber erst letztes Jahr hätten die ersten Küken das Licht der Welt erblickt. Diesen Juni seien im Dählhölzli somit erst zum zweiten Mal überhaupt Jungtiere geschlüpft, sagt Rosset. Sechs seien es bislang an der Zahl. Weshalb die Tropenvögel plötzlich so vermehrungsfreudig geworden sind, konnte der Kurator nicht genau sagen. «Vielleicht hat es endlich geklappt, weil wir in den letzten vier Jahren das Gehege umgebaut und neue Flamingos dazu gekauft haben.»
Inzucht bei Waldrentieren
Die Flamingos sind nur eine von vielen Tierarten, welche seit Frühlingsbeginn im Dählhölzli Junge zur Welt gebracht haben: Nachwuchs gab es unter anderem bei den Schnee-Eulen, den Uhus, den Bezoar-Ziegen und den Elchen. Dort sind nach Angaben des Tierparks aber nur jeweils zwei Jungtiere geboren worden oder geschlüpft.
Mit den Geburten ist aber auch immer wieder Trauriges verbunden. «Von den drei Waldrentieren, welche diesen Frühling zur Welt kamen, hat nur eines überlebt», sagte Rosset. Mittlerweile seien ausserdem auch zwei der Mütter verstorben. Dies sei umso schmerzlicher, als Waldrentiere in freier Wildbahn nahezu ausgestorben seien, sagte er. «In Nordeuropa gibt es noch gerade mal 2000 Tiere.» Zwar gäbe es mittlerweile in zahlreichen Zoos Zuchtprogramme. Letztlich stammten aber alle Nachkommen von sehr wenigen Tieren ab. Diese schmale Erbmasse verstärke die Gefahr von Fehlgeburten und Erkrankungen, da alle Tiere auf die gleichen Erreger anfällig seien. Vermutlich habe diese Inzucht auch beim Tod der Waldrentiere im Dählhölzli eine Rolle gespielt.
Iltis-Familie auf Ziesel-Jagd
Allerdings ist eine hohe Sterberate nicht bei allen Tieren gleichermassen besorgniserregend – etwa wenn sie durch eine hohe Geburtenrate wieder ausgeglichen werden kann. Im Sommer 2007 sei zum Beispiel eine Iltis-Familie in das Gehege der Ziesel eingebrochen und habe sich an den gut 15 Zentimeter langen, Eichhörnchen-ähnlichen Tieren gütlich getan, sagte Rosset. Zudem habe das nach oben hin offene Habitat zahlreiche Raubvögel angezogen. «Letztlich konnten wir nur etwa 15 Tiere retten.»
Alleine diesen Frühling seien aber 20 Ziesel zur Welt gekommen. «Die Population hat sich also mittlerweile mehr als erholt.» Um die Nagetiere vor neuen Iltis-Angriffen zu schützen, sei mittlerweile die Glaswand um das Gehege erhöht worden, wie der Kurator sagte. Parallel gespannte Drahtseile böten zudem Schutz vor Bussarden und Graureihern.
Acht «Murmeli» für Zürich
Bei manchen Tieren ist die Geburtenrate gar so hoch, dass der Tierpark viele Jungtiere weggeben muss, damit die Population entlastet werden kann. Den diesjährigen Wurf von acht Murmeltieren, sagte Rosset, habe man beispielsweise bereits an einen Zoo in Zürich abgegeben. (Der Bund)
Erstellt: 26.06.2009, 07:59 Uhr
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