BLS-Pannenzug auf Kurs
Von Tobias Gafafer. Aktualisiert am 20.04.2009 2 Kommentare
Bis Ende März wollte die BLS ihren Pannenzug, den neuen Regionalexpress Lötschberger, in Fahrt bringen. Wie ein Augenschein im Oberland zeigt, hat sich der Verkehr mit den neuen Zügen von Bern nach Zweisimmen und Brig inzwischen tatsächlich stabilisiert. «Der Betrieb läuft gut, wir haben 12 der 13 bestellten Lötschberger erhalten», sagt BLS-Chef Bernard Guillelmon. Täglich stünden 10 bis 11 Stück im Einsatz. Ganz zufrieden sei die Bahn damit aber noch nicht: Neben Problemen mit der Fahrgastinformation bereiteten auch die automatischen Kupplungen gewisse Sorgen. Diese sind für das sogenannte Flügelzugkonzept notwendig: Die Züge nach Brig und Zweisimmen fahren zusammen von Bern nach Spiez, wo sie getrennt werden – der vordere Zug fährt in Richtung Lötschberg, der hintere ins Simmental. Die Fehlerquellen seien aber erkannt und die Sanierung laufe. Seit der Inbetriebnahme im Dezember sorgte der Lötschberger wiederholt für Negativschlagzeilen – gar bis hin zum Schweizer Fernsehen. Hersteller Bombardier habe alles unternommen, um die Probleme zu beheben, sagt der BLS-Chef.
Fünf Prozent mehr Passagiere
Inzwischen hat die BLS erste Zahlen zum neuen Angebot vorgelegt: Demnach haben die Frequenzen seit der Aufnahme des neuen Konzepts um fünf Prozent zugenommen, wie Guillelmon sagt. Neu ist die Direktverbindung von Bern ins Simmental. Am Material gibt es diverse Mängel: So verfügt der Zug etwa über zu wenig Stauraum für die Winterhochsaison. Ende Jahr wolle die BLS deshalb prüfen, ob nachträglich fehlende Gepäckträger eingebaut werden sollen, sagt Guillelmon. Bei der schnellen Fahrt durch das Aaretal zwischen Gümligen und Münsingen holpert der neue Zug dermassen stark, dass Passagieren schon schlecht geworden ist. «Die Vibration ist nicht stärker als bei den Nina-S-Bahn-Zügen», so Guillelmon. Fachleute führen das Holpern im Aaretal derweil auch auf die besonders stark durch den Güter- und Personenverkehr belastete SBB-Infrastruktur zurück.
Herstellerfirma zahlt Strafe
Die BLS hat bereits 8 weitere Lötschberger-Züge bestellt, welche etwa zwischen Bern und Neuenburg zum Einsatz kommen sollen. Guillelmon führt die Probleme des Herstellers Bombardier vor allem auf das Werk in Villeneuve in der Waadt zurück. Dieses sollte neben den BLS-Zügen innert kurzer Frist gleichzeitig auch Trams für die Stadt Zürich und Wagen für die SBB produzieren – und kam damit massiv in Verzug. BLS-Cargo wiederum ist laut Guillelmon mit den Bombardier-Lokomotiven sehr zufrieden.
Wegen den Pannen und Verspätungen musste die BLS Züge von der Berner S-Bahn abziehen und setzte unter anderem einen Doppelstockzug der Deutschen Bahn zwischen Thun und Freiburg ein. Dazu mietete sie Lokomotiven von BLS Cargo. Für deren Miete muss Bombardier aufkommen. Wegen der Verspätung muss die Firma auch eine Konventionalstrafe bezahlen, deren Höhe Guillelmon aber nicht nennen will. Bei einem durchschnittlichen Mietpreis von 3000 Franken für eine Hochleistungslokomotive pro Tag dürfte seit Dezember 2008 allerdings ein stattlicher Betrag alleine für die Miete der Cargo-Maschinen zusammengekommen sein. (Der Bund)
Erstellt: 20.04.2009, 08:53 Uhr
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2 Kommentare
Schön und gut wenn es Richtung Lötschberg endlich gute Züge gibt. Dies kann aber nicht drüber hinweg täuschen, dass die BLS Richtung Interlaken völlig veraltetes Material einsetzt. So z.B. sog. Golden Pass Züge, deren Fronten total verschmiert , durch die Gegend fahren und wahrlich keine Aushängeschild für die BLS sind. Scheinbar wird aber die Seelinie von der BLS immer mehr links liegen gelasse Antworten
a) oder dank dem vielen Schnee? b) das Holpern der Nina's ist auch unzumutbar! c) langsam in Fahrt, ganz ganz langsam! zB. Lötschberger am Gründonnerstag-Nachmittag knapp von Brig bis Goppenstein statt Bern wegen «technischen Problemen». Ob der Lötschberger wohl dazu prädestiniert ist den Zugpassagieren die Fahrt über die Bergstrecke zu verleiden, damit diese umso eher stillgelegt werden kann? Antworten
Bern
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