Bern

Aus dem Muriger Fähribeizli soll eine «Volks-AG» werden

Von Simona Benovici. Aktualisiert am 03.02.2011

Das Restaurant Fähribeizli in Muri soll nach dem Willen des Gemeinderats in den Besitz der breiten Öffentlichkeit übergehen. Das Interesse an den Zeichnungsscheinen ist in der Bevölkerung gross.

Das Fähribeizli wird an eine «Volks-Aktiengesellschaft» übergeben. (Valérie Chételat)

Das Fähribeizli wird an eine «Volks-Aktiengesellschaft» übergeben. (Valérie Chételat)

Was in Ostermundigen das Restaurant Tell, in Habstetten die Linde und in Münsingen das Schlossgut, ist in Muri das Fähribeizli: ein Restaurant im Besitze der Einwohnergemeinde. Noch zumindest. In Muri möchte der Gemeinderat das beliebte Ausflügler-Restaurant im Auenschutzgebiet an der Aare aus dem Eigentum der Gemeinde herauslösen. Im Sinne einer «Volks-Aktiengesellschaft» soll sich eine breite Öffentlichkeit beteiligen.

Mit seinem Anliegen rennt der Gemeinderat offene Türen ein. In einer Motion forderten FDP/Jungfreisinnige bereits 2009, den Einwohnerinnen und Einwohnern von Muri-Gümligen eine finanzielle Beteiligung am Beizli zu ermöglichen. Betrieb, Unterhalt und Verpachtung des Restaurantbetriebs ist aus Sicht der Fraktion nicht Aufgabe der Verwaltung. Die Motion wurde damals mit 32 Ja- zu 5 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung überwiesen.

Treues Stammpublikum

Drei Monate nach dem ersten Beteiligungsaufruf in den Muriger Lokalnachrichten ist klar: Das Interesse der Bürger ist gross, für das Fähribeizli Zeichnungsscheine auszufüllen. «Die Zeichnung der nötigen Aktien ist auf gutem Weg», sagt der Muriger Gemeindepräsident Hans-Rudolf Saxer (FDP) auf Anfrage. Für Saxer kommt das positive Echo aus der Bevölkerung wenig überraschend: «Die Idee hinter diesem Projekt ist bestechend.» Das Fähribeizli habe aufgrund seiner einmaligen Lage und der umsichtigen Betriebsführung durch die Pächterin Renate Meier ein treues Stammpublikum über die Gemeindegrenzen hinaus gewonnen. Dank der Möglichkeit, sich am Fähribeizli finanziell beteiligen zu können, werde die Verbundenheit der Bevölkerung mit dem Restaurant zusätzlich gestärkt. «Ich bin deshalb zuversichtlich, dass das Fähribeizli auch mittel- und längerfristig eine wichtige Rolle in der‹Gastronomie- und Freizeit-Szene› von Muri spielen wird.»

600'000 Franken Startkapital

Notar Thomas Hanke, der die Zeichnungsscheine für die Aktien sammelt, ist zuversichtlich, dass das benötigte Startkapital der künftigen AG von 600'000 Franken beschafft werden kann. Berücksichtige man nebst den bisher eingelangten Zeichnungsscheinen auch die in den letzten Tagen erfolgten Zusicherungen, dürfe man mit Stolz festhalten, dass das anvisierte Startkapital für die Gründung der Aktiengesellschaft erreicht werde. In den 600'000 Franken eingerechnet sind der Kaufpreis für das Beizli (300'000 Franken) und ein ebenso hoher Betrag für anstehende Sanierungsarbeiten an den Gebäuden.

Damit das Muriger Ausflugsziel weiterhin in Muriger Hand bleibt, wurde die Regelung getroffen, dass nur Personen, die in der Gemeinde Muri leben, einen Geschäftssitz in der Gemeinde haben oder eine starke Verbindung zu Muri pflegen, zeichnungsberechtigt sind. «Das ergibt eine sehr tragfähige Basis für die Zukunft. Ich stehe deshalb voll und ganz hinter diesem Projekt und habe als Privatperson auch ein paar Aktien gezeichnet», sagt Gemeindepräsident Saxer.

Vertragsberatung im Mai

Dadurch, dass das Fähribeizli im Baurecht abgegeben wird, ist der Gemeinde Muri nebst dem Kaufpreis für die Gebäude jährlich ein Baurechtszins von 10 000 Franken in Aussicht gestellt. Die Gemeinde will ausserdem zehn Prozent Aktienanteil am Beizli halten und erhält einen Sitz im siebenköpfigen Verwaltungsrat.

Noch ist die AG allerdings nicht beschlossene Sache. Im Mai befindet das Parlament über den Baurechtsvertrag. Hans-Rudolf Saxer sieht der Beratung relativ entspannt entgegen. «Aufgrund der zweimaligen positiven Beratungen im Grossen Gemeinderat und der bis heute eingegangenen wohlwollenden Reaktionen auf die Idee der‹Volks-AG› gehe ich davon aus, dass das Parlament diesem Geschäft zustimmen wird.» Trifft dies zu, so könnte die Aktiengesellschaft bereits im Juli ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen. Für die Pächterin des Fähribeizli ändert die Gründung der AG nichts. Der Pachtvertrag würde übernommen. (Der Bund)

Erstellt: 03.02.2011, 11:29 Uhr

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