Aufgetischt: Die kleine Vorfreude auf die Badesaison
Stichworte
Die Rechnung, bitte
Karte: Fisch (Bachsaibling, Bouillabaisse), Fleisch (Rippli, Rehschnitzel, Entenbrust, Ossobucco etc.) oder Vegetarisches (Lattichroulade, Brie im Filoteig) in kreativen Gerichten, diverse Snacks für den kleinen Hunger.
Preise: Moderat bei A-la-carte-Gerichten und offenen Weinen.
Kundschaft: Im Winter Quartierbewohner und Geniesser, im Sommer Marzili-Badegäste.
Öffnungszeiten: Mo–Fr 11–23.30 Uhr, Sa 10–23.20 Uhr, So 10–22.30 Uhr .
Adresse: Marcels Marcili AG, Restaurant/Bar/Take away, Marzilistr. 35, 3005 Bern, Telefon 031 311 58 02, Internet: info@marcels-marcili.ch
Noch deutet fast gar nichts auf einen baldigen Frühling hin, doch der nächste Sommer kommt bestimmt – und mit ihm auch die Völkerwanderung ins Marzili. Gut, gibt es clevere Köpfe, die frühzeitig an unser sommerliches Wohl denken – etwa Marcel Winkelmann. Letzten Mai hat der ehemalige Geschäftsführer des unweit gelegenen Restaurants Marzilibrücke unter dem Namen «Marcels Marcili» gegenüber der Bäckerei Fürst ein neues Lokal im Marziliquartier eröffnet. Die Baustelle auf der Terrasse verrät, dass er bereits jetzt erste Vorkehrungen trifft, um dem sommerlichen Ansturm gerecht zu werden.
Derzeit ist es ruhig in der Quartierbeiz. Gerade einmal zwei Tische sind besetzt, als wir dort eintreffen. Die Gaststube gleicht einem Wohnzimmer. Beim Eingang steht ein grosser Holztisch mit Eckbank, an der Fensterfront reihen sich kleine Tischchen aneinander, und zuhinterst lädt ein Sofa mit bunten Kissen zum Entspannen ein. Ein Regal wartet mit Lesestoff auf. Kerzen in orientalisch dekorierten Ständern erzeugen eine heimelige Stimmung.
So abwechslungsreich wie die Einrichtung ist auch die Speisekarte. Sie besteht aus einem breiten Angebot an warmen und kalten Vorspeisen sowie diversen Fleisch-, Fisch- und Pastagerichten, wobei auch Vegetarier nicht zu kurz kommen. Serviert werden neben Schweizer Spezialitäten wie Käseschnitte mit Zwiebeln, Tomaten und Spiegelei (Fr. 18.50) oder Cordon bleu mit Schinken und Greyerzerkäse samt Beilage (Fr. 29.–) auch mediterrane Speisen wie belegte Fladenbrote (Fr. 19.50). Wir entscheiden uns für Marcels Marzili-Salat mit Apfel, Nuss und Emmentaler Rauchfleisch (Fr. 14.50) und den Blattsalat mit Sprossen-Garnitur (Fr. 10.50). Als Hauptgang bestellen wir die Moules marinières mit Pommes Allumettes (Fr. 22.50) und das Lamm Korma mit Reis aus dem Tagesangebot (Fr. 19.50).
Zur Vorspeise wünschen wir ein Glas Weisswein. Winkelmann empfiehlt uns den Petit Arvine, eine autochthone Sorte aus dem Wallis (Fr. 7.–/dl). Ein guter Tipp. Der erfrischende, leicht salzige Tropfen passt ausgezeichnet zu den Salaten, die wir bereits vor uns haben. Sie sehen aus, als kämen sie direkt aus dem Garten, und sie wurden von einem kreativen Händchen angerichtet. Minuspunkte gibt einzig der Preis. Gemessen an der Grösse, finden wir insbesondere den Marzili-Salat zu teuer. Bei den Hauptgängen stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie sind nicht allzu gross, aber preiswert. Das indische Lamm Korma ist – wie uns Winkelmann zuvor versichert hat – frei von Schärfe, abwechslungsreich und hübsch angerichtet. Besonders gut schmeckt das dazu gereichte Papadam, ein dünner frittierter Fladen aus Linsenmehl. Auch die Muscheln sehen auf den ersten Blick verlockend aus. Leider erweist sich das Gericht als etwas langweilig. Salz und Pfeffer stehen zwar auf dem Tisch, dennoch vermissen wir den Pep einer würzigen Weissweinsauce.
Später entdecken wir auf dem Nachbartisch einen prächtigen Apfelkuchen mit Zimt, Zucker und Vanilleeis (Fr. 10.50). Keine Frage: Diese Sünde muss her. Da wir im Vergleich zu den anderen Gängen recht lange auf das Dessert warten, vermuten wir, dass der Kuchen à la minute gebacken wird. Traditionell und ganz ohne Schnickschnack zubereitet, schmeckt er köstlich. Und wir wissen bereits jetzt, was wir im Sommer nach dem Aareschwumm unternehmen werden. (Der Bund)
Erstellt: 15.03.2010, 10:45 Uhr
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