Aufgetischt: Der Padrone macht alles selbst
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 25.01.2010
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Die Rechnung, bitte
Karte: Authentische italienische Kost wie bei Mamma – mit Schwergewicht Pasta, alles «fatto in casa», auch Tiramisu.
Preise: moderat, erstaunlich preiswert.
Kundschaft: Altstadtbewohner, Eltern mit Kindern, Grossräte und Journalisten, die eine Pause im Rathaus für eine Stärkung nützen.
Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-23 Uhr, So ca. 15-23 Uhr («Wir sind flexibel und werfen abends sicher niemanden raus»).
Adresse: Lo Stuzzichino da Bellino, Ristorantino e Take Away, Rathausgasse 23, 3011 Bern, Telefon 031 311 00 40, (noch) nicht im Internet.
An der Rathausgasse 23, wo «La Soupe» eingemietet war, steht nun «Lo Stuzzichino da Bellino» auf der stechend grün bemalten Fassade. Familie Bellino nennt ihr Lokal Ristorantino («Restauräntchen»). Auf der Schiefertafel in der Laube ist das kleine Angebot beinahe abschliessend aufgezählt.
Wir betreten das Lokal und schliessen die Türe, damit kein kalter Wind über die Tische streicht. Beim Padrone bestellen wir Stuzzichini pugliesi, Häppchen nach apulischer Art: einen Teller mit grillierten Auberginen, Zucchini, Peperoni und Blumenkohl mit Essig und Öl (gross Fr. 10.50, klein Fr. 6.50). Das gibts in Italien in Beizchen in Seitengässchen abseits touristischer Ballungsgebiete.
Mit der Begleiterin naschen wir den Teller leer: einfache, authentische bäuerliche, gute Kost. Der Sohn von Padrone Bellino ist in der Küche nicht untätig. Die Tochter bringt uns zwei grosszügige Portionen Pasta. Der Testesser hat Öhrchen-Teigwaren mit Blumenkohl und Ziegenkäse gewählt (Orecchiette al cavolfiore e Peccorino Fr. 14.50) gewählt, sie hat sich für Penne mit Gorgonzolasauce und Baumnüssen entschieden
(Fr. 13.50). Die Speisen dürften heisser sein, doch die Saucen schmecken wunderbar. Der gemütlichen Serviererin, die nicht zu Geheimniskrämertum neigt, glauben wir aufs Wort, dass die Saucen alle «fatto in casa» sind, im Haus täglich frisch zubereitet werden.
Der Padrone kam als 16-jähriger Bub in die Schweiz und arbeitete in der Gastronomie. Dann wechselte er in die Reinigungsbranche und soll laut Anwohnern lange Schaufenster in der Altstadt geputzt haben. Jetzt, über 60-jährig, hat er sich den Traum eines eigenen Lokals erfüllt, das er seinen Kindern weitergeben will. Kochen könnten alle in der Familie, sagt die Tochter, die in der Schweiz geboren wurde. Im «Stuzzichino» ist die gute Kost Trumpf, mit der italienische Mammas ihre Kinder und Enkel verwöhnen: Spaghetti Amatriciana (mit Speck-Tomaten-Sauce Fr. 14.50), Teigtaschen mit Birne und Käsefüllung (Fiocchetti di Pera Fr. 17.50), Tortellini mit Rahm und Schinken (Tortellini alla Panna e Prosciutto Fr. 14.50) oder Krawättli auf Napoletaner Art (Farfalle alla Napoletana Fr. 12.50). Auch Entrecôte (Fr. 20.50) ist zu haben.
Mit der Vorspeise und der grosszügigen Portion fühlen wir uns satt. Dennoch bedauern wir, dass das Dessert Tiramisu ausgegangen ist. Hätten wir bloss angerufen, dann hätte die Wirtin extra für uns ein neues zubereitet, obwohl sie dafür eigentlich erst am Nachmittag Zeit findet, wenn es ruhiger wird, wie sie uns anvertraut. Zu spät entdecken wir die Panettone, die auf einem Regal lagern. Die sind aber nicht hausgemacht, sodass wir darauf verzichten. Das Dessertvergnügen sparen wir uns für den nächsten Besuch auf. Immerhin: Ganz ohne Süssigkeiten entlässt uns die Tochter des Hauses nicht. Zum Espresso
(Fr. 3.20) gibt es ein hausgemachtes Praliné: geröstete Mandelsplitter in dunkler oder in Milchschokolade. Eigentlich hat dieses Gratis-«Dessert» nach dem heutigen Mahl genau die richtige Grösse.
(Der Bund)
Erstellt: 25.01.2010, 09:15 Uhr
Bern
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