Atom-Ausstieg bis 2019?

Von Daniel Vonlanthen. Aktualisiert am 01.05.2009 2 Kommentare

Der Berner Stadtrat hat gestern Abend seinen Fahrplan für den Atom-Ausstieg festgelegt. Die Zielvorgabe bis 2019, wie vom GB gefordert, unterstützte der Rat nur in der unverbindlichen Postulatsform.

Das Atomkraftwerk Mühleberg. (Franziska Scheidegger)

Das Atomkraftwerk Mühleberg. (Franziska Scheidegger)

Die Ausgangslage ist nicht vorteilhaft: Fürs letzte Jahr vermeldete Energie Wasser Bern (EWB) eine Zunahme des Stromverbrauchs um fast drei Prozent auf 1054 Gigawattstunden. Kaum ein Drittel der städtischen Elektrizität stammt aus erneuerbarer Energie, zum Beispiel aus Wasserkraft. Die GB/JA-Fraktion macht seit einiger Zeit mit Vorstössen Druck für die Energiewende; zudem ist eine Volksinitiative hängig.

«In Deutschland entstehen derzeit mehr Arbeitsplätze im Energiebereich als in der Autoindustrie», gab Natalie Imboden (gb) zu Bedenken. Alle grösseren Städte in der Schweiz investierten in Anlagen für erneuerbare Energie. Imboden warnte: «Die Atomkraft ist ein Klumpenrisiko.»

Auch der Chef der Grünliberalen, Michael Köpfli, befürwortet die Abkehr von der Atomkraft: «Sie ist weder wirtschaftlich noch klimaneutral.» Allerdings erachtete Köpfli den GB-Fahrplan als zu forsch: Bis 2019, zum Ablauf der Lebensdauer des Kernkraftwerks Gösgen, schaffe Bern den Ausstieg nicht. Der vom EWB vorgegebene Termin bis zum Jahr 2039 sei realistischer. Auch die SP/Juso-Fraktion unterstützte die Zielvorgabe bis 2019 lediglich in Postulatsform.

Namens GFL/EVP äusserte Peter Künzler Zweifel am Vorgehen, befinde sich doch die EWB-Eigentumsstrategie derzeit in Arbeit. «Es ist nicht sinnvoll, in diesen Prozess mit verbindlichen Vorgaben einzugreifen.»

Bürgerliche ablehnend

Die Bürgerlichen lehnten den Vorstoss ab. Peter Bernasconi (svp plus) sagte es kurz und bündig: «Alternative Energien ja, aber Ausstieg aus der Atomenergie nein.» Die gesamte Biomasse der Schweiz würde nicht ausreichen, um die Energielücke zu schliessen. Pascal Rub (fdp) fragte: «Weshalb soll EWB teuren Solarstrom kaufen, den die Mehrheit der Verbraucher gar nicht will?» Der Vorstoss sei unnötig. Die BDP/CVP-Fraktion sieht durch den schnellen Ausstieg die Versorgungssicherheit in Gefahr.

EWB werde im Besitz der Stadt bleiben, sagte Gemeinderat Reto Nause (cvp); also werde die Stadt bei der Stromproduktion mitreden. Im Vergleich zu andern Werken stehe EWB beim Strommix gut da. Mit der Stossrichtung zeigte sich Nause einverstanden, allerdings nicht mit dem vorgegebenen Ausstiegstermin: «EWB kann sich keinen Knall-auf-Fall-Ausstieg und Sololauf leisten.» (Der Bund)

Erstellt: 01.05.2009, 08:38 Uhr

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2 Kommentare

Sophie Clerc

01.05.2009, 10:31 Uhr
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Wieso verlangt man nicht systematisch von der Atomindustrie, dass sie die Abfälle bis auf Null wiederverwertet? Die Technologie dazu existiert anno 2009. Sie enthalten noch SEHR viel Energie. Wer verschweigt das, und wieso ? Antworten


Markus Alder

02.05.2009, 08:46 Uhr
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Wachsennder Stromverbrauch, steigende Energiepreise und verschlechterte Wirtschaftslage erzwingen europaweit eine Abkehr von Atomausstieg und Alternativenergien. Subventionen können Naturgesetze nicht ändern, das Geld ist einfach weg. Eine funktionierende öffentliche Stromversorgung lässt sich weder mit Windmühlen noch mit Solarzellen machen, diese taugen nur für Nischenanwendungen wie Berghütten. Antworten



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