Bern

Antiquariat Hegnauer geht, Bank kommt

Von Christian Brönnimann. Aktualisiert am 05.08.2010 2 Kommentare

Das bekannte Berner Buchantiquariat Hegnauer gibt den Standort an der Kramgasse 16 auf. In das Lokal einziehen wird die Banca Popolare di Sondrio.

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Die Kramgasse in der Berner Altstadt verliert eines ihrer traditionsreichsten Ladenlokale – das Buchantiquariat Hegnauer. 55 Jahre lang waren Parterre und Keller der Hausnummer 16 ein Paradies für Sammler, Stöberer und Leseratten. Nun zieht das Antiquariat an die Münstergasse 28 in ein kleineres Lokal. Der Umzug sei bereits seit längerem beschlossene Sache und eine Reaktion auf die veränderten Marktbedingungen, sagt Geschäftsinhaber Christoph Schwarzenbach. «Der Handel mit gebrauchten Büchern hat stark unter dem Internet und dem veränderten Leseverhalten der Leute gelitten. Das Buch verliert kontinuierlich an Stellenwert.» Die Umwälzungen seien nicht reversibel, das Geschäft im platz- und arbeitsintensiven Billigsegment rentiere nicht mehr. Mit dieser Feststellung stehe er bei weitem nicht alleine da, so Schwarzenbach: «Fast alle zentral gelegenen Grossantiquariate in Europa mussten in den letzten Jahren umziehen oder schliessen.»

Zehntausende Bücher

Das dreistöckige Lokal an der Münstergasse wird vom Antiquariat bereits heute als Zweitfiliale genutzt. Bislang sei diese aber bloss zwei Stunden pro Wochen geöffnet gewesen, erklärt Schwarzenbach. Wie viele Bücher gezügelt werden müssen, kann der Nachfolger des vor fünf Jahren verstorbenen Geschäftsgründers Eduard Hegnauer nicht genau beziffern. «Ich habe sie nie gezählt. Sicher ist nur, dass es Zehntausende sind.» Bücher, die in der Münstergasse keinen Platz haben, würden in ein Aussenlager gebracht oder liquidiert. Sich von Büchern zu trennen, bereite ihm keine Mühe, sagt Schwarzenbach. «Liquidieren gehört für einen Antiquar zum Alltag.» Der anvisierte Auszugstermin ist der kommende 31. Oktober.

Gemäss einem gestern publizierten Baugesuch plant die Banca Popolare di Sondrio (Suisse), Parterre und Keller der Kramgasse 16 zu einer Bankfiliale umzubauen. Die Fläche der zur Rathausgasse hin durchgängigen Liegenschaft wird in den Baugesuchsunterlagen mit gut 600 Quadratmetern angegeben, die Kosten des Umbaus mit 1,5 Millionen Franken. Vorgesehen sind eine Schalterhalle, Beratungs- und Sitzungszimmer, Büros und ein Bancomat, eine typische Universalbank-Niederlassung also. Neben der Postfiliale schräg vis-à-vis in der Kramgasse gibt es in der unteren Berner Altstadt derzeit lediglich eine Filiale der Berner Kantonalbank.

Alles hat ein Ende

Dass das traditionsreiche Antiquariat an der Kramgasse ausgerechnet durch eine Bankfiliale ersetzt wird, bringt Schwarzenbach nicht ins Grübeln. «Es ist halt einfach ein Nachmieter», sagt er. Die Liegenschaftsbesitzer, eine Erbengemeinschaft, setzten auf einen sicheren Wert, das liege in der Natur der Sache. Sowieso falle ihm der Abschied nicht schwer, so Schwarzenbach. Er halte sich an die asiatische Gedankenlehre, wonach alles ein Ende habe. «Auch das Römische Reich ist untergegangen, und unsere Sonne wird wahrscheinlich in vier Milliarden Jahren verglüht sein», sagt der Antiquar. «Schmerzhaft wäre es nur, wenn ich meinen Beruf aufgeben müsste, was ja nicht der Fall ist.» Auch für die Mitarbeiterinnen sei gesorgt. Entlassungen gebe es keine.

In Zukunft wird sich Schwarzenbach vermehrt auf den Handel mit wertvolleren Sammelstücken konzentrieren. Das Geschäft mit solchen Büchern sei von den Marktveränderungen nicht tangiert. Unter Zugzwang, das Geschäft an der Kramgasse aufzuheben, habe er nicht gestanden. Bis zum heutigen Tage schreibe das Unternehmen schwarze Zahlen. «Es ist aber witzlos, mit den kostbaren Büchern die Billigbücher querzusubventionieren», sagt Schwarzenbach. (Der Bund)

Erstellt: 05.08.2010, 08:41 Uhr

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2 Kommentare

Christoph Urwyler

30.09.2010, 16:04 Uhr
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Danke für den Artikel - schön, dass dieses Reich nicht unkommentiert untergeht bzw. wegzieht. So kann man sich darauf vorbereiten... und vielleicht von jedem Buch je 2 Exemplare retten! Antworten


Liechti Werner

07.01.2011, 23:04 Uhr
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3mal mindestens pro Jahr fuhr ich von Biel nach Bern zum "Hegnauer". Ich wusste, dass in seinen Regalen ein älteres Buch über die Aviatik auf meinen Besuch wartete. Ich suchte nie was Bestimmtes, sondern liess mich von den Büchern überraschen. Heute bin ich traurig von Bern zurückgekommen, denn was in diesem Laden angeboten worden ist, wird eine Internetseite nie und nimmer ersetzen können. Merci. Antworten



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