Bern

Abfuhr für Alterszentrum Viktoria

Von Hanna Jordi. Aktualisiert am 06.04.2011 1 Kommentar

Vorläufig gibt es keine Alterswohnungen auf dem Gelände der Villa Beata in Bern: Die kantonale Baudirektion hat eine Beschwerde von Anrainern gegen das Projekt gutgeheissen.

Die Villa Beata beim Alterszentrum Viktoria in Bern müsste für das Neubauprojekt abgerissen werden. (Adrian Moser)

Die Villa Beata beim Alterszentrum Viktoria in Bern müsste für das Neubauprojekt abgerissen werden. (Adrian Moser)

Die Leitung des Alterszentrums Viktoria Bern muss über die Bücher, bevor sie ihren Plan von zwanzig zusätzlichen Alterswohnungen verwirklichen kann. Vergangene Woche entschied die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion zugunsten der Beschwerdeführer und erteilte dem Projekt den Bauabschlag. Die Leitung hatte beabsichtigt, neuen Raum für betreutes Wohnen zu schaffen. Dazu sollte die über hundert Jahre alte Villa Beata an der Sonnenbergstrasse einem Neubau weichen. Gegen den Abriss und das Bauprojekt gingen mehrere Einsprachen ein, unter anderem vom Altenberg-Rabbental-Leist und von einer Gruppe von Anwohnern. Zuvor hatte die Stadt Bern die Baubewilligung erteilt.

Im Alterszentrum Viktoria bringt man die Enttäuschung über den kantonalen Entscheid unverhohlen zum Ausdruck: «Das ist dicke Post», sagt Irène Minder Ruch, die Direktorin des Alterszentrums. «Bei uns stehen über zwanzig Betagte auf der Dringlichkeitsliste», sagt sie. «Dabei handelt es sich um Menschen, die längst auf eine Alterswohnung mit niederschwelliger Betreuung angewiesen wären.» Die 25 Alterswohnungen, die das Viktoria derzeit unterhält, decken diesen Bedarf nicht.

Bau passt nicht an den Aarehang

Ausschlaggebend für den kantonalen Entscheid waren ästhetische Bedenken. Der geplante Bau werde «der hohen Schutzwürdigkeit der näheren Umgebung des Baugrundstücks (...) und den Anforderungen an Neubauten im Aaretalschutzgebiet nicht gerecht», ist in den Ausführungen zu lesen. Der als schützenswert eingestufte Jugendstilbau, der von Horace Edouard Davinet 1896 erbaut wurde, würde in seiner «eigenständigen Ausstrahlung» am Brückenkopf der Kornhausbrücke bedroht: Zu gross seien die architektonischen Analogien des Neubaus zum Nachbargebäude. Dadurch entstehe eine 95 Meter lange und 17 Meter hohe Abschlussfront, die den strengen Aaretalschutzvorschriften widerspreche. Diese sehen vor, dass die Aarehänge «kleinmassstäblich überbaut und stark durchgrünt» erhalten werden müssen.

Diese Argumentation sorgt bei Carlo Imboden, VR-Präsident der Alterszentrum Viktoria AG, für Ratlosigkeit. «Derselbe Kanton, der das Wohnen im Alter fördern will, stellt ästhetische Bedenken über die Bedürfnisse von Betagten», sagt er auf Anfrage. Um solchen Bedenken den Boden zu entziehen, habe man in der Planungsphase eng mit den städtischen Behörden, etwa der Stadtbildkommission, zusammengearbeitet. «Diese elf ausgewiesenen Architekten waren mit dem Entwurf sehr zufrieden. Wenn nun eine zweite Instanz zu einem entgegengesetzten Schluss kommt, ist das frustrierend.» Der Verwaltungsrat werde das weitere Vorgehen an der heutigen Sitzung besprechen. Die erfolgreichen Beschwerdeführer sind über den Entscheid des Kantons erleichtert. Bernhard Hahnloser, der in unmittelbarer Nähe der Villa Beata wohnt, will sein Engagement aber nicht missverstanden wissen: «Wir sind für den Schutz des Quartiers, nicht gegen das Alterszentrum», sagt er. Die Anrainer erhoffen sich nun ein «besseres Projekt», bei dem das Haus näher am Hang zu stehen kommt und genügend Parkplätze eingeplant werden.

Der Haussegen hängt schief

Auch wenn das letzte Wort in dieser Geschichte noch nicht gesprochen ist – das Alterszentrum Viktoria könnte den Entscheid noch anfechten –, das langwierige Einspracheverfahren hat die Idylle am Sonnenberg bereits merklich gestört. So gab etwa die Viktoria-Leitung vergangenes Jahr ihren Austritt aus dem Altenberg-Rabbental-Leist.

Fast wider Erwarten keine Proteste löste in der Nachbarschaft indes der Entscheid der Heimleitung aus, die Villa Beata bis auf Weiteres als Heim für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen (siehe Kasten). «Asylbewerbern scheint man offener zu begegnen als betagten Menschen», sagt die Viktoria-Direktorin Irène Minder Ruch. (Der Bund)

Erstellt: 06.04.2011, 09:26 Uhr

1

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

1 Kommentar

Werner Kunz

08.04.2011, 10:50 Uhr
Melden

Ich bin zwar nicht unglücklich über den Entscheid, wage mich dennoch mit Verlaub zu fragen, ob der Entscheid gleich ausgefallen wäre, wenn der Kanton der Bauherr gewesen wäre? Antworten



Bern

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate


DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!