Einst Rebell, heute König
«Wir verkaufen ein Lebensgefühl»
Wir sprachen mit Martin Schmied, CEO von Harley-Davidson Schweiz, über die Zukunft der Marke.
Martin Schmied, im Sektor der grossen Motorräder ist Harley-Davidson die klare Nummer 1 der Schweiz. Was ist das Erfolgsrezept?
Wir bauen qualitativ hochwertige Motorräder mit Charakter und Authentizität. Harley-Davidson verkauft ein einmaliges Lebensgefühl. Dazu geht der Trend zum «Cruisen» statt zu rasanten Passfahrten, allein schon aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Wie soll dieser Erfolg weiter ausgebaut werden??
Das Customizing, also die Individualisierung, wird bei uns noch stärker in den Vordergrund rücken. Getreu dem Moto: «Every Customer a Custom». Und wir organisieren lokale Events wie die kostenlosen Riding Days für Neulenker und Frauen. Oder wir bieten Demo-Rides bei den Händlern an und organisieren die Swiss Harley Days in Lugano.
Kaum ein Land dieser Welt ausser?den USA selbst besitzt eine derart hohe «Harley-Dichte» wie die Schweiz. Warum?
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Vor allem aber pflegen wir eine intensive Zusammenarbeit mit unseren 18 offiziellen Händlern – das zahlt sich aus. Selbstverständlich haben auch die Erweiterung der Modellpalette mit leichteren Bikes sowie eine moderate Preispolitik zum Erfolg beigetragen.
Wie hat der Schweizer Importeur?auf die Entwicklung des Franken-?und Dollarkurses reagiert?
?Wir haben das «Swiss Premium Package» lanciert. Jeder Käufer eines Neufahrzeugs erhält einen Gutschein, den er in Form von Serviceleistungen, Bekleidung, Zubehör oder Accessoires bei jedem offiziellen Harley-Davidson-Händler in der Schweiz einlösen kann. Je nach Modell sind das zwischen 1250 und 4250 Franken, was einem Wert von 7,5 bis 11,1 Prozent des Kaufpreises entspricht. Die diese Woche erfolgte Festlegung des Mindestkurses des Frankens gegenüber dem Euro schafft eine neue Ausgangslage, die wir in die Gestaltung unserer mittelund langfristigen Preispolitik einbeziehen werden. (ml)
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Seit mehr als zehn Jahren sind die goldenen Zeiten der immerwährend steigenden Motorradverkäufe in Amerika und in Europa aus und vorbei. Die einstige Goldgrube ist heute zu einem Verdrängungsmarkt mutiert, in dem um jede noch so kleine Nische gekämpft wird. Mit harten Bandagen. Der Absatz von teuren – und unterhaltsintensiven – Hightech-Sportmaschinen, den einstigen Goldeseln der Branche, ist dramatisch gesunken. Für Fachleute ist die Lage klar: Die immer höhere Verkehrs- und Radardichte, die europaweit verschärfte Bussenpraxis und grundlegende Veränderungen beim Freizeitverhalten der jungen Facebook-Generation haben im Zweiradmarkt voll durchgeschlagen.
Seit 2007 die Nummer 1
Aber es gibt eine Ausnahme: die amerikanische Kultmarke Harley-Davidson. In den vergangenen zehn Jahren ist der Absatz von Harley-Davidson-Bikes in der Schweiz um das Dreifache (!) gestiegen. Im Juni 2007 hat der amerikanische Hersteller in der Schweiz die Nummer-1-Position bei den schweren Motorrädern ab 500 cm3 Hubraum übernommen und die Vormachtstellung bis heute kontinuierlich ausgebaut. Damit endete eine mehr als dreissig Jahre andauernde Vorherrschaft der japanischen Hersteller Yamaha und Honda.
«Wir werden 2011 erstmals mehr als 3000 Maschinen in der Schweiz verkaufen», freut sich CEO Martin Schmied von Harley-Davidson Schweiz. «2010 haben wir bis Ende August 2345 Einheiten verkauft. 2011 sind es bereits 2841, so viel wie letztes Jahr insgesamt. Die Steigerung liegt bei mehr als 20 Prozent.» Damit ist mittlerweile jedes fünfte in der Schweiz verkaufte schwere Motorrad eine Harley-Davidson.
Zubehör auf 834 Seiten
Ein Geheimnis für den kometenhaften Aufstieg Harleys zur Nummer 1 gibt es nicht. Doch der amerikanische Hersteller hat den Zeitgeist-Wandel sehr früh erkannt und sich zu hundert Prozent auf sein Kerngeschäft konzentriert – die Herstellung von gemütlichen, schweren und individuell ausbaubaren Lifestyle-Zweirädern in allen Grössen und Preislagen. Die selbst für Kenner kaum überschaubare Modell-Palette reicht vom Einsteiger-Modell XL 883 N Sportster für 11 200 Franken bis hinauf zum Luxus-Tourer Electra Glide Ultra Classic für 37 800 Franken. Letzterer selbstverständlich mit ABS, vielen Elektronik-Gimmicks und Stereoanlage.
Mitentscheidend für den Erfolg ist das im Zweiradsektor einzigartige Aftersales-Betreuungs-Paket. Der offizielle Bekleidungs- und Accessoires-Katalog umfasst 834 Seiten (mit Frühlings-, Sommer- und Winter-Kleiderkollektion), jeder Käufer eines Neufahrzeugs wird automatisch Mitglied in einem «Chapter» der Harley Owners Group (HOG) und wird von den Händlern und der Schweizer Landesvertretung ständig mit Infos und diversen Events bei Laune gehalten.
Getreu dem Motto «Look, sound & feel» zelebriert Harley mit seinen Kunden den urbanen Lifestyle auf zwei Rädern in allen möglichen und unmöglichen Varianten. Bei schönem Wetter schlüpfen deshalb Tausende Schweizer Börsianer, Bankdirektoren, Führungspersonen und auch viele brave Arbeitnehmer in hochpreisige (Harley-) Lederklamotten und verwandeln sich so zu «bösen Outlaws» auf Zeit. Gemäss Harley-Davidson Schweiz beträgt der Harley-Bestand mittlerweile rund 31 500 Einheiten. Sogar auf dem Bundesplatz sind die Amerikaner präsent: Direkt gegenüber dem Bundeshaus hat der Berner Händler Hess kürzlich einen exklusiven Harley-Lifestyle-Shop eröffnet.
Mit der Forty-Eight in die Stadt
Selbst gegen die drohende Überalterung – die Harley-Kundschaft gehört vorwiegend der Generation 45+ an – gelang den Amerikanern im vergangenen Jahr eine Art Geniestreich. Die neue, 14 400 Franken günstige und extrem urban gestylte XR 1200 X Forty-Eight schlug bei der jungen Generation ein wie eine Bombe und mutierte auf Anhieb zum zweitbesten verkauften Modell des gesamten Schweizer Marktes.
«Das coole, abgespeckte Styling hat enormen Anklang gefunden», bestätigt Christoph Haas, Network Development Manager bei Harley-Davidson Switzerland. «Nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa und in den USA. Wir haben mit diesem Modell vor allem in Amerika in der jungen Skater-Szene Fuss fassen können. Also bei jungen Leuten, die mit offenem Helm, coolen Jeans und ConverseSchuhen durch urbanes Gebiet streifen wollen. Das ist das Beste, was uns passieren konnte. Je früher wir den Leuten einen Lifetime-Value bieten können, desto grösser sind die Chancen, dass sie langfristig bei uns bleiben.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.09.2011, 22:13 Uhr
Auto
- 06:00Malibu zum Entspannen
- 24.05.2012Ein ganz grosser Wurf
- 23.05.2012In 9 Sekunden zum Frischluft-GTI
- 22.05.2012Mini «Blumenkind» brachte 54 000 Euro ein
- 22.05.2012Der Ur-Mini
- 22.05.2012«Leider geil»?
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!




