Very British: Japaner «pimpen» den Mazda MX-5
Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 14.12.2008 8 Kommentare
Unter dem Blechkleid verbirgt sich keine englische Technik, sondern ein ganz normaler Mazda MX-5.
Wenig stilecht: Das Plastikdach des MX-5 passt schlecht zur Karosserie.
Während Mazda seinen MX-5 mit Samthandschuhen anfasst und pünktlich zum Beginn der Openair-Saison 2009 eine weitere, sehr behutsame Modellpflege des kleinen Roadsters ins Rampenlicht rollt, dreht der japanische Kleinserienhersteller Mitsuoka das Rad der Zeit um ein halbes Jahrhundert zurück und trimmt den Mazda als Himiko auf Morgan.
Für umgerechnet 55'000 Euro gibts dann einen offenen Zweisitzer, der tatsächlich an die britischen Roadster der Nachkriegszeit erinnert: Die Motorhaube ist schlank und gestreckt wie ein englischer Windhund, die Kotflügel sind luftig und schwungvoll wie ein Seidenschal im Herbststurm und das Heck sieht aus, als hätten es die Designer bei der Segeljacht von Prinz Charles abgekupfert.
Plastikhaube statt Lederdach
Auch innen lebt der Mitsuoka Himiko den Geist von gestern: Helles Leder und dunkles Holz bilden einen so schönen Kontrast, dass man die moderne Mittelkonsole mit den üblichen Mazda-Schaltern, das zeitgemässe Cockpit mit den konventionellen Rundinstrumenten und das viel zu neue Multifunktionsrad glatt vergessen könnte.
Zumindest solange der Roadster offen ist, funktioniert er tatsächlich als Zeitmaschine. Nur bei schlechtem Wetter geht der Trick schief: Denn statt einer patinierten Mütze aus Stoff oder besser noch aus Leder stülpt sich auf Knopfdruck die feste Plastikhaube des MX-5-Roadster-Coupés über die Passagiere.
Aber das ist nicht die einzige Enttäuschung bei den Japanern. Auch unter der Haube bleibt der Himiko ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Denn statt eines Sechs- oder gar Achtzylinders steckt im Vorbau ein Vierzylinder mit 2,0 Liter Hubraum, 170 PS und 190 Nm, der bei nur wenig mehr als 1000 Kilo allerdings trotzdem für viel Fahrspass sorgen dürfte. Und das erst noch bei einem fast reinen Gewissen.
Mitsuoka will nach Europa
In Europa mag man über solche Autos? (noch) den Kopf schütteln, doch in Japan lässt sich Retro-Mode gut verkaufen. Davon lebt auch Mitsuoka sehr gut – und das seit nun schon mehr als 25 Jahren. Bereits 1982 hat das Unternehmen sein erstes Auto auf die Räder gestellt und sich schon damals munter bei den internationalen Designklassikern bedient. So zeigt der Katalog für die Anfangsjahre einen modernisierten Nachbau des Mercedes SSK, eine neue Interpretation des Porsche 356 sowie eine gewagte Fortschreibung des Lotus Super Seven.
Natürlich kann man dieses Trio ebenso wie den erst kürzlich vorgestellten Orochi, den Bonsai-Roadster Type F und ein paar andere nicht weniger ungewöhnliche? Autos aus der Geschichte von Mitsuoka ?als japanische Eigenheit abtun, die für den Rest der Welt keine grosse Bedeutung haben. Doch macht man damit vielleicht einen Fehler. Denn schon jetzt verkaufen die japanischen Karosseriebauer ihre Kreationen auch in andere asiatische Staaten und den Mittleren Osten. Und in den letzten Monaten haben sie intensiv nach Partnern für den Aufbau einer Europa-Dépendance gesucht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.12.2008, 14:43 Uhr
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