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Klassiker mit Technik von heute

Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 05.09.2011 4 Kommentare

Kleinsthersteller haben sich darauf spezialisiert, klassische Automobile wie den Porsche 911 komplett neu aufzubauen – und mit modernster Technik auszustatten.

1/20 Der Singer-Porsche – sieht alt aus, ist aber ganz neu.
Bild: Werk

   

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Dass ältere Fahrzeuge verbessert werden, das ist ganz normal. Viele frühe Jaguar E-Type durften sich der unsäglichen Moss-«Crashbox» entledigen, laufen heute mit einem feinen und viel einfacher zu schaltenden Fünf-Gang-Getriebe von Getrag. Dass ein Austin-Healey stärkere Bremsen erhält, das ist ganz natürlich (und meist werden dann dem 3-Liter-Sechszylinder auch gleich noch ein paar zusätzliche Pferde entlockt), und originale Ford Mustang, die noch von einem mageren Sechszylinder angetrieben werden, gibt es kaum mehr, die dürfen heute fast alle mit Achtzylindern rennen.

Klassiker komplett neu aufgebaut

Doch seit ein paar Jahren gibt es einen neuen Trend: klassische Automobile werden komplett neu aufgebaut und mit modernster Technik versehen. Dann sehen sie zwar noch ganz schön alt aus, können aber mit hervorragendem Fahrverhalten und (teilweise) modernster Sicherheitsausstattung glänzen. Wir wollen hier zwei solche Retro-Neuwagen vorstellen – zwei Ikonen der Auto-Geschichte, die ein zweites Leben erfahren können.

Die wahren Porsche-911-Fans sehen das Jahr 1973 als Zäsur. 1973 wurde der Modelljahrgang 1974 des Porsche 911 vorgestellt, bekannt als das «G-Modell», und seither wurde es nicht mehr besser. Für diese Hardcore-Fans zählt nur das von 1964 bis 1973 gebaute «Ur-Modell», was danach kam, wurde nur noch grösser und fetter und teurer. Man kann durchaus Verständnis haben für diese Retro-Haltung, auch wenn man weiss, dass es unter anderem strengere Sicherheitsbestimmungen sind, welche die aktuellen Porsche 911 derart aufgeblasen haben.

Singer erfüllt Träume

Doch die Vorstellung, einen optisch klassischen 911er mit moderner Technik zu fahren, die hat etwas. Der amerikanische Kleinsthersteller Singer – nein, die haben nichts mit den Nähmaschinen zu tun – kann diesen schönen Traum jetzt erfüllen. Falls man das nötige Kleingeld mitbringt: so etwa 200'000 Euro müssen es schon sein. Ausserdem muss man einen gebrauchten 911er der Baujahre 1990 bis 1994 mitbringen, der wird als Basis-Produkt verwendet. Darauf baut Singer dann die neue Karosserie, die optisch an den 911 R aus dem Jahr 1967 angelehnt ist. Man sieht aber schon, dass der Singer kein Original aus den 60er-Jahren ist, er rollt auf richtig fetten 17-Zoll-Rädern, und der Heckspoiler, der ihn bei höheren Geschwindigkeiten auf der Strasse hält, fährt automatisch aus.

Nur 1100 Kilogramm schwer

Unter der Haube arbeitet ein von Singer konstruierter 3,8-Liter-Boxer, der bis zu 425 PS leistet – und selbstverständlich luftgekühlt ist. Dazu serviert Singer ein 5- oder 6-Gang-Getriebe aus dem Porsche 993, eine moderne Brembo-Bremsanlage, Klimaanlage, Navi, was man halt so braucht. Die Bremsen haben ABS, doch ESP und Airbags gibt es nicht; erstaunlich eigentlich, denn gerade in Kalifornien, wo Singer bastelt, sind die Gesetze ja sehr streng. So aus- oder abgerüstet ist der Singer-Porsche, der als Neuwagen gilt, dann nur 1100 Kilo schwer, beschleunigt in etwa 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und soll bis 273 km/h schnell rennen. Besonders schön: das Retro-Interieur mit den echten Armaturen aus den 60er-Jahren. Die Sitze sehen aus wie einst, doch werden sie aus zeitgemässen Materialien hergestellt.

Speedster des Jaguar-Spezialisten

Wem der Singer Porsche zu günstig ist, dem bietet der englische Jaguar-Spezialist Eagle noch eine teurere Möglichkeit: den Speedster. Bisher gibt es dieses edle Stück nur als Einzelanfertigung, doch anscheinend war das Echo auf den Speedster so gross, dass Eagle eine kleine Serie bauen will. Basis ist hier ein Jaguar E-Type aus dem Jahre 1966, dem ein komplett neues Fahrwerk mit einer modernen Bremsanlage untergeschoben wurde. Als Antrieb dient ein 4,7-Liter-Sechszylinder – selbstverständlich in Reihe, wir sprechen hier ja von einem Jaguar – mit relativ beschaulichen 300 PS, doch die reichen locker aus, um den nur knapp über 1000 Kilo schweren Speedster in weniger als fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen und flotte 280 km/h schnell zu machen. Das Leistungsgewicht ist übrigens besser als beim aktuellen Porsche 911 Turbo, der mehr als 500 PS braucht, um sich standesgemäss fortbewegen zu können.

Im Gegensatz zum Singer-Porsche, der explizit auf eine 60er-Jahre-Optik zurückgebaut wird, modernisiert Eagle die Form des E-Type, der in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden ist, ganz sanft. Die Frontscheibe wird gekürzt, die A-Säulen aus Sicherheitsgründen verstärkt, die Spur deutlich verbreitert. Und das sieht nicht schlecht aus, der Speedster wirkt maskuliner als das doch sehr filigrane Original. Auch innen legt Eagle Hand an, moderne Sportsitze, eine breitere Mittelkonsole (auf ein gutes Navi und fetten Sound will heute ja niemand mehr verzichten), doch auch dagegen ist nichts einzuwenden, weil es Eagle schafft, den Geist des E-Type zu erhalten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Eagle Speedster oder ein Singer-Porsche je in die Schweiz schafft, die ist gering; der Amtsschimmel würde beim Anblick dieser Retro-Boliden laut wiehern und gleich aus dem Büro in den Feierabend galoppieren. Aber ein bisschen träumen dürfen wir ja schon.

Auf Radical-Classics.com finden Sie weitere Geschichten und Bilder zu legendären Old- und Youngtimern. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.09.2011, 08:49 Uhr

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4 Kommentare

Peter Steiner

02.09.2011, 16:02 Uhr
Melden 4 Empfehlung 0

Warum eine aufgemotzte Kopie - das Original als Youngtimer ist um ein x-faches günstiger, macht jede Menge Spass - und hat Stil! Antworten


Jules Mari

02.09.2011, 13:34 Uhr
Melden 2 Empfehlung 0

Zu viel verrät auf den ersten Blick die Kopie... und so erinnert das ganze mehr an gepimte Originale als an detailgetreuen Nachbau...
Schade, kann mich nicht überzeugen...
Antworten



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