Ewiges Vorbild
Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 09.02.2012 8 Kommentare
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Mit den Modellen DB2 und DB2/4 hatte sich Aston Martin einen guten Ruf geschaffen. Es war Ende der 50er-Jahre dann aber an der Zeit für das kleine, aber feine Unternehmen des Traktorenproduzenten David Brown, einen Schritt weiter zu gehen.
Denn es gab unterdessen schon einige Hersteller, die mit Gran-Turismo-Fahrzeugen Erfolg hatten: Ferrari, Jaguar, aber auch aus Deutschland wurden die reichen Kunden etwa mit einem Mercedes 300 SL oder, viel seltener, einem BMW 507 bestens bedient. Und auch in den USA, dem schon damals wichtigsten Markt für Aston Martin, gab es unterdessen einige ganz ernsthafte Sportwagen, allen voran die Corvette.
Komplett neue Maschine gezeichnet
Der noch vor dem Zweiten Weltkrieg vom legendären W. O. Bentley konstruierte 2,6-Liter-Reihen-Sechszylinder des DB2 (der im DB2/4 dann schon auf 2,9 Liter Hubraum aufgebohrt worden war) bedurfte allerdings dringend einer Auffrischung. Von aussen sah das neue Aggregat praktisch gleich aus wie die Bentley-Konstruktion, doch der gebürtige Pole Tadek Marek hatte eine komplett neue Maschine gezeichnet, wieder einen Reihen-Sechszylinder, doch mit 3,7 Liter Hubraum (3670 ccm, um genau zu sein) und zwei oben liegenden Nockenwellen, ganz aus Alu. Der Motor leistete in der ursprünglichen mit SU-Doppelvergasern HD8-ausgerüsteten Version 240 PS bei 5500/min – das war doch ein entscheidender Fortschritt gegenüber dem 2,9-Liter, der in seiner stärksten Strassenvariante (bekannt als DBB) auf 195 PS gekommen war. Doch das Marek-Konstrukt hatte einen kleinen Nachteil: Es neigte zum Überhitzen.
Premiere in Paris
Der Aston Martin DB4 wurde 1958 auf der Pariser – und nicht, wie oft geschrieben, der Londoner – Motor Show vorgestellt. Doch nicht der neue Marek-Motor noch die vier Dunlop-Scheibenbremsen (die später durch Girling-Scheiben ersetzt wurden) waren der Höhepunkt des neuen Modells, sondern das Design. Entstanden war es bei Carrozzeria Touring in Mailand; eine erste Zusammenarbeit zwischen Touring und Aston Martin hatte es ja bereits beim DB2/4 gegeben, damals war der aussergewöhnliche Spyder gebaut worden.
Meisterwerk für die Ewigkeit
Doch was die Italiener mit dem DB4 schufen, das wurde ein Meisterwerk für die Ewigkeit. Aufgebaut auf einem Rohrrahmen, der typisch war für Touring und bekannt als «Superleggera»-Bauweise, bekleidet mit einer Aluhaut, war der DB4 sowohl italienisch-elegant als auch englisch-sportlich – ein grossartiger Gran-Turismo. Die DB4 wurden aber nicht wie sonst üblich bei Touring-Konstruktionen in Mailand gebaut, sondern bei Aston Martin in Newport-Pagnell: David Brown musste Lizenzgebühren nach Italien überweisen. Das Chassis war eine Eigenkonstruktion der Engländer, für die Harold Beech verantwortlich gezeichnet hatte.
Gebaut wurde der DB4 zwischen 1958 und 1963, es entstanden insgesamt 1110 Exemplare, davon 70 Cabrios. Letztere gab es erst ab 1962, und das Design dafür entstand nicht in Mailand, sondern bei Aston Martin selber. Die Kenner und Liebhaber des DB4 plaudern über fünf verschiedene Serien, die sich nur durch Kleinigkeiten unterschieden, etwa durch einen neuen Fensterrahmen beim Series II, einen geänderten Frontgrill beim Series IV oder die verlängerte sowie erhöhte Karosse beim Series V; diese Änderungen wurden dann auch für den DB5 übernommen.
Fahrleistung nicht aussergewöhnlich gut
Der DB4, 4,5 Meter lang, 1,68 Meter breit, 1,33 Meter hoch, war mit seinen 240 PS und einem Leergewicht von 1250 Kilo auf dem Papier zwar für die damalige Zeit richtig gut motorisiert, doch seine Fahrleistungen waren nicht aussergewöhnlich gut. «The Motor» schaffte 1960 zwar eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 224 km/h, doch für den Sprint von 0 auf 60 Meilen (96 km/h) brauchte der Engländer 9,3 Sekunden; geschaltet wurde dabei über das hauseigene 4-Gang-Getriebe. Da lag noch etwas drin, und schon 1959 brachte Aston die GT-Version mit 302 PS. Es gab diesen Motor mit den 3670 ccm Hubraum, aber auch mit 3750 ccm; neu war eine Doppelzündung, die drei Weber-Doppelvergaser (45 DCOE), eine auf 9,0:1 erhöhte Verdichtung. Der GT war dann fast 250 km/h schnell – und schaffte den Paradesprint in nur knapp über 6 Sekunden. Der Radstand wurde verkürzt, die meisten GT hatten hinten keine Sitze – und wurden für den Renneinsatz präpariert.
Doch auch diese GT waren chancenlos gegen den gerade eingeführten Ferrari 250 GT, also musste noch etwas her. Und so entstand ab 1960 der Aston Martin DB4 GT Zagato. Doch das ist eine Geschichte, die wir hier schon einmal erzählt haben. Noch eine ganz spezielle Variante entstand auf Basis des DB4: der viertürige Lagonda Rapide. Doch diese Wagen wurden nur auf Bestellung gebaut und blieben entsprechend selten.
Und um die Verwirrung komplett zu machen: Es gab dann auch noch den DB4 Vantage. Offiziell gibt es 14 Vantages – ein Name, der später bei Aston Martin noch grosse Berühmtheit erhalten sollte –, doch das kann eigentlich gar nicht sein, denn der Vantage wurde erst ab Series IV eingeführt, und drei Vantage wollen schon der Series III angehören. Dafür gibt es auch noch ein Convertible mit den Vantage-Spezifikationen, die in erster Linie daraus bestanden, dass für einen Aufpreis von 350 Pfund (rund 10 Prozent des Neuwagenpreises) der GT-Motor eingebaut wurde.
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Erstellt: 09.02.2012, 10:09 Uhr
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8 Kommentare
absolut zeitloses, elegantes design. schlicht und filigran, wie die meisten sportwagen aus der zeit. umso unbegreiflicher, dass mit den modernen materialien heute so fette, unansehnliche brummer wie zb ein panamera 1. gebaut und 2. gekauft werden. Antworten
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