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Es muss nicht immer Goodwood sein

Von Bruno von Rotz (Zwischengas.com). Aktualisiert am 03.05.2012 4 Kommentare

Manche Fahrzeuge, die beim GP Mutschellen 2012 am Start waren, hätten auch auf dem Schlosshügel von Lord March eine gute Falle gemacht.

1/36 Citroën 2 CV Special (1971) vor Lancia Delta HF Integrale (1988)
Bild: Balz Schreier

   

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Oldtimer-GP Safenwil

Oldtimer-GP Safenwil
Impressionen des Oldtimer-Rennens in Safenwil vom 3. September 2011.

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Oldtimer in Obwalden 2011

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Im Zentralschweizer Kanton versammelten sich an Pfingsten über hundert Jahre Automobilgeschichte.

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Lord March hätte gewiss zustimmend genickt, wäre er am Sonntag, den 29. April 2012, bei Rudolfstetten am Hang gestanden und hätte die vorbeidonnernden Sport- und Rennwagen bei ihren Bergauffahrten beobachtet. Und Lord March ist nicht irgendwer. Alljährlich veranstaltet er das Goodwood Festival of Speed in seinem Schlosspark, immerhin eine der prominentesten Bergrennveranstaltungen weltweit und jeweils durch absolute Preziosen glänzend. Wer bei Lord March am Start war, darf sich geadelt fühlen, wobei natürlich das Auto der eigentliche Star ist.

Manche Fahrzeuge, die beim GP Mutschellen 2012 am Start waren, hätten auch auf dem Schlosshügel von Lord March eine gute Falle gemacht, ob es sich nun um den Bugatti Typ 54/50B von 1936, den Ferrari 312 T von 1975 oder den Fiat Abarth 2000 Sport der Gruppe 5 von 1968 handelte, um nur ein paar Beispiele zu erwähnen.

Nur das Wetter wäre für Lord March wohl ungewohnt gewesen, denn im Gegensatz zum feuchten GP Mutschellen 2010 herrschte dieses Jahr gutes Frühsommerwetter. Kein Regen trübte die Veranstaltung, kein Nebel, nur der ausklingende Föhn sorgte da und dort für schmerzende Köpfe.

Grosser Besucheraufmarsch

Das geradezu ideale Wetter sorgte auch für einen beeindruckenden Besucheraufmarsch von über 13'000 Zuschauern und damit für eine Rennkulisse, wie sie sich die Fahrer der mobilen Automobilgeschichte wünschen. Und die Piloten trugen ihren Teil dazu bei, dass es den Zuschauern nicht langweilig wurde.

Mit Schwung den Hang hoch

Die Bergrennstrecke im hügeligen Einzugsgebiet des Mutschellen-Passes, der der Veranstaltung ihren Namen gab, stellte die begeisterten Rennfahrer nicht vor grosse Herausforderungen. Rund sechzig Sekunden dauerte die kurze Bergfahrt. Nach dem Start erlaubten lang gezogene Kurven, die verfügbare Leistung voll einzusetzen, bevor eine nicht ganz durchschaubare Schikane zum Bremsen mahnte. Nochmals kurz beschleunigen, und es folgte eine grosszügig angelegte Spitzkehre, die von den meisten wohl im zweiten Gang durchfahren werden konnte. Dann drückten die Piloten wieder voll aufs Gaspedal, denn jetzt ging es ein langes Stück dem Hang nach hoch, bevor ein leichter Rechtsknick am Ende des Horizonts fast alle Piloten zum Verzögern brachte. Kurz nach dieser Kurve mussten die Fahrer wieder voll in die Eisen steigen und herunterschalten, um eine 170-Grad-Kurve zu meistern, und schon war das Ziel erreicht.

Freude am Fahren

Zeiten wurden nicht gestoppt, es ging rein «um die Freude am Fahren», BMW möge uns die Nutzung seines Slogans aus dem Jahr 1965/1969 gestatten. Immerhin waren ja auch eine ganze Reihe von Autos der weiss-blauen Marke am Start. Zahlenmässig überlegen war den Bayern die rot-weiss-grüne Fraktion mit vielen Fiat, Fiat-Abarth, Alfa Romeo und sogar einigen Ferrari-Automobilen.

Sieben Rennfelder und Zusatzattraktionen

Gefahren wurde in sieben Rennfeldern, ergänzt um Attraktions- und Showgruppen. Zwei Felder waren allein den Renntourenwagen der Nachkriegszeit gewidmet, unter anderem kamen hier die rasenden Semmeln von Fiat-Abarth, aber auch die NSU TT, Simca Rallye 2/3, Renault Gordini und Alfa Romeo der Sechzigerjahre zum Zug. Und auch mit den Tourensportwagen der Siebzigerjahre gab es ein Wiedersehen, unter anderem mit dem Triumph Dolomite Sprint, dem Talbot Sunbeam Lotus, den BMW 2002 in verschiedenen Variationen, Ford Escort/Capri, Porsche Carrera, Lotus Europa/Esprit oder Chevrolet Corvette und Ford Mustang. Und wenn Ruedi Stoop seinen Ford Galaxie 500/427 von 1963 startete, dann waren ihm bewundernde Blicke sicher.

Grosse Vorkriegsdelegation

Beeindruckend war auch das Feld der Vorkriegssport- und Rennwagen. Gleich zwei Amilcar CG SS von 1926 waren am Start, der eine gefahren vom unverwüstlichen Gody Naef, mit 92 Jahren sogar noch älter als sein Rennwagen. Austin, Ford, Riley, Alfa Romeo, Buick, Jaguar SS 100, MG, Nash, Lagonda, Alvis, BMW, Maserati und natürlich Bugatti hiessen die mit meist nur marginal verschalten oder freistehenden Rädern antretenden Vorkriegsklassiker. Und für die meisten Zuschauer dürfte es das erste Mal gewesen sein, dass sie den wunderschönen Bugatti Typ 54/50B von 1936, den Maserati 26M von 1928 oder den BMW 328 Spezial von 1937 zu Gesicht bekommen haben.

Rennwagen mit und ohne freistehende Räder

Im Feld der Formel- und Rennsportwagen der Nachkriegszeit fand sich dann eine bunte Mischung aus sogenannten Specials, wie dem Schai-Spezial DKW Eigenbau von 1964, und Klein- und Kleinstserienrennwagen, wie dem Lister Jaguar Knobbly BHL 16 von 1958. Die Mischung war breit gefächert und führte vom Healey Silverstone Typ E von 1950 über die Ginetta G4R von 1963 bis zum EBS Chevron B23 von 1971. In der Monoposto-Klasse fanden sich Autos wie der Maserati 250 F von 1956, der Cooper F1 von 1965, der leider schon beim ersten Lauf mit Schaden an der Einspritzanlage kapitulierte, oder der Hirzel P17 Formel 3 von 1965, der allerdings etwas weidwund den Hang hochhechelte.

Dass nicht alle im Programm verzeichneten Fahrzeuge rechtzeitig fahrbar gemacht werden konnten, liess sich dank weitgehend ebenbürtiger Ersatzfahrzeuge auch in Anbetracht des Gesamtfeldes von über 300 Autos gut verschmerzen.

Unterhaltsames Rahmenprogramm

Neben den Rennwagen gab es auch noch einen Corso von Triumph Spitfire und historische Fahrzeuge aus der näheren Umgebung zu bewundern und natürlich die Motorräder und Gespanne, die wie immer für viel Dramatik und Geräuschkulisse sorgten.

Langweilig wurde es den Zuschauern also nicht, und wer von den fahrenden Boliden genug hatte, konnte sich die Autos im offenen Fahrerlager genauer angucken und mit den stolzen Besitzern einen Schwatz halten. Viel unelitärer und volksverbundener kann man eine Veranstaltung kaum organisieren, ein Erfolgsrezept auch im politischen Kampf um die nötigen Bewilligungen.

Hervorragend organisiert

An dieser Stelle sei die Organisation noch für die umsichtige und sorgfältige Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung gelobt. Der ganze Tag lief wie am Schnürchen und ohne nennenswerte Zwischenfälle ab. Auch die Fahrer, denen der jeweils früh im Jahr stattfindende Anlass in vielen Fällen die Gelegenheit gibt, dem Rennwagen zum ersten Mal in der neuen Saison richtig die Sporen zu geben, zeigten sich unisono zufrieden, genauso wie das Publikum. Und alle freuen sich mit grosser Sicherheit bereits auf den nächsten GP Mutschellen in zwei Jahren.

Über 500 Bilder, Tonmuster und sogar ein Video zum GP Mutschellen finden sich auf www.zwischengas.com. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.05.2012, 11:52 Uhr

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4 Kommentare

Peter Bürger

02.05.2012, 13:38 Uhr
Melden 40 Empfehlung 0

Schöne Kulisse, schöne Fahrzeuge. Aber das Bedauerliche an den Bergrennen, die Fahrt ist so ungemein kurz. Für die Fahrer ist es nur ein kurzer Moment des aktiven Tuns und auch die Zuschauer bekommen die herrlichen Fahrzeuge nur während Sekunden zu Gesicht. Wenn doch nur dieses unselige Rundstreckenverbot nicht wäre; man könnte schöne zusammenhängende Strecken erlauben. Müsste kein F1-Kurs sein. Antworten


Beni Schnyder

04.05.2012, 15:38 Uhr
Melden 6 Empfehlung 0

bitte nächstes Jahr einen Vorab-Bericht bringen, dann wäre ich auch dabei gewesen.... Antworten



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