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Eine rasende Revolution

Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 03.05.2012 3 Kommentare

Der Lancia Stratos HF war das erste Auto, das einzig deshalb gebaut wurde, um Rallye-Siege einzufahren. Ausserdem ist es wunderschön.

1/17 Lancia Stratos HF, erstmals vorgestellt 1971, gebaut ab 1973, wahrscheinlich 492 Exemplare.
Bild: Werk

   

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Lancia Thema 8.32

Lancia Thema 8.32
«Die unauffälligste Art, einen Ferrari zu fahren»: So beschrieb ein deutsches Automagazin einst den Lancia Thema 8.32.

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Als Vater des Lancia Stratos wird gerne der Stratos Zero genannt, eine Studie, die Bertone 1970 erstmals auf der Motor Show in Brüssel (nein, nicht in Turin) gezeigt hatte. Marcello Gandini, immer wieder er, hatte diesen Keil gezeichnet, der nur 84 Zentimeter hoch ist (bei 3,58 Meter Länge) und vom aussergewöhnlichen 1,6-Liter-Vierzylinder aus der Fulvia angetrieben wird. Man kann lange darüber diskutieren, ob der Stratos Zero nun wirklich die Vorlage für den Stratos HF war, der ein Jahr später, 1971, auf der Turiner Motor Show erstmals gezeigt wurde, aber wahrscheinlich war er mehr eine Inspiration.

Denn Cesare Fiorio, Rennleiter von Lancia, brauchte Anfang der 70er-Jahre unbedingt ein neues Rallye-Auto. Zwar lief die Fulvia seit 1966 mit grossem Erfolg, doch 1970 war der Kleine nicht mehr so ganz auf der Höhe der Zeit. Es heisst, Fiorio habe beim Anblick des Gandini-Entwurfes, der eigentlich ein Formel-Rennwagen mit geschlossener Karosse war, sofort gewusst, wie sein Traum-Spielzeug aussehen müsse, was es brauchen würde, um die Konkurrenz in Grund und Boden zu fahren. Und das damalige Reglement spielte ihm in die Hände: für eine Homologation waren 500 Exemplare notwenig. Fiorio sollte der erste Rennleiter sein, der es wagte, ein Auto bauen zu lassen, dessen einziges Ziel Rallye-Siege sein durften. Ihm zur Hand gingen Gianpaolo Dallara, der bei Lamborghini etwa den Miura und den Espada auf die Räder gebracht hatte, sowie Marcello Gandini, der seinen eigenen Entwurf genau nach den Wünschen von Fiorio abwandelte. Doch das Fahrzeug, das 1971 in Turin ausgestellt wurde, war noch weit davon entfernt, in Serie zu gehen.

Manchmal spielt das Schicksal mit

Es fehlte vor allem ein passender Motor. Die Fulvia-Maschine war zwar ganz nett, doch sie reichte einfach nicht mehr. Abarth produzierte von diesem 1,6-Liter auch eine 2-Liter-Version, das wäre schon deutlich besser gewesen. Doch manchmal spielt das Schicksal halt auch noch mit. Der Lancia-Chef jener Jahre hiess Pierre Ugo Gobatto, und dieser Mann vor seinem Lancia-Job als Fiat-Repräsentant im Management von Ferrari gesessen, und er wusste deshalb, dass der Ferrari Dino 246 schon bald auslaufen würde. Und dass da noch jede Menge Motoren herumlagen. Und so kam der Stratos zu einem ganz feinen Antrieb, einem 2,4-Liter-V6 mit 195 PS sowie einem 5-Gang-Getriebe. Auf der Turiner Show 1972 stand dann das fertige Automobil, und Lancia hatte es auch schon ausgiebig getestet. Im Herbst 1972 wurde der Stratos erstmals bei Rallyes eingesetzt, Sandro Munari und Mario Mannucci schieden aber sowohl bei der Tour de Corse wie auch bei der Costa del Sol aus. Aber im April 1973 war es dann soweit, Munari gewann die Firestone Rallye in Spanien.

Die Produktion der Serien-Stratos lief dann Mitte 1973 an, es gab noch ein paar Veränderungen im Vergleich zu 1972. Die Karosse wurde bei Bertone gebastelt, zusammengefügt wurde der Stratos im Lancia-Werk. Bertone behauptet, 502 Stück gebaut zu haben, doch es ist eher wahrscheinlich, dass es 492 waren. Oder vielleicht noch weniger. Doch das war eigentlich egal, denn die FIA hatte im Herbst 1974, als der Lancia endlich homologiert werden konnte, seine Regeln so angepasst, dass bereits 400 Exemplare ausreichten.

Das schönste Rallye-Auto aller Zeiten

Er sollte eine einzigartige Renn-Karriere haben, der Stratos. Da waren die schon erwähnten drei Marken-Weltmeisterschaften (eine Fahrer-Weltmeisterschaft gab es damals noch nicht, doch die hätten Sandro Munari oder Björn Waldegaard, die beiden Werkspiloten, wohl auch jedes Jahr gewonnen), drei Siege hintereinander bei der Rallye Monte Carlo, zahllose andere Titel. Doch der Stratos war nicht nur aussergewöhnlich erfolgreich, übrigens auch in den Händen von privaten Piloten, er war zudem wohl das schönste Rallye-Auto aller Zeiten. Und ohne den Stratos wäre die Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft wohl ganz anders verlaufen; es hätte nie eine Gruppe B gegeben. Dass die Renn-Karriere trotzdem verhältnismässig kurz war, das lag einzig an internen Rangeleien: Lancia-Mutter Fiat wollte auch ein bisschen an den Rallye-Lorbeeren naschen, und deshalb wurde ab 1978 der Fiat 131 als Aushängeschild eingesetzt.

Wie viele Stratos als «Stradale», Strassenversionen verkauft wurden, das lässt sich nicht mehr eruieren. Viele waren es nicht, und es heisst, dass die letzten Exemplare in Deutschland für nur gerade 15'000 DM verschachert wurden. Dabei war der Lancia ein sehr heisses Teil, marschierte in weniger als 7 Sekunden von 0 af 100 km/h und rannte fast 250 km/h schnell. Und im Gegensatz zur Volksmeinung waren die Lancia sogar erstaunlich zuverlässig, der Motor war ausgereift, einzig die Verarbeitung der Karosserie machte etwas Sorgen. Und die ausgesprochen beschränkten Platzverhältnisse. Wobei, für die Ellenbogen hat es ausgesprochen viel Platz, weil Lancia in den Türen ein Fach einbaute, in dem sich die Helme verstauen liessen. Und einen netten Kofferraum hat es auch. Bloss für die Füss', da ist nix. Aber, ich kann es aus eigener Erfahrung erzählen: war man erst einmal drin, dann wollte man gar nicht mehr raus.

250'000 Euro für einen «Stradale»

Am 11./12. Mai kommt in Monaco wieder einmal ein «Stradale» unter den Hammer. RM Auctions erwartet mindestens 250'000 Euro für dieses allerdings aussergewöhnlich schöne Exemplar. Es sei dazu noch geschrieben, dass dies wohl nicht das Ende der Fahnenstange ist, da liegt noch etwas drin gegen oben in den nächsten Jahren, denn der Lancia Stratos HF ist nicht nur ein seltenes, wunderbares, sondern auch sehr geschichtsträchtiges Automobil. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.05.2012, 11:16 Uhr

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3 Kommentare

R. E. Schaub

03.05.2012, 17:45 Uhr
Melden 9 Empfehlung 0

Ob es je ein schöneres Rallye-Auto gab? (Bild 5/17) - Wie wäre es zum Beispiel mit dem Renault Alpine? Antworten


Marcel Zürcher

03.05.2012, 22:36 Uhr
Melden 9 Empfehlung 0

Es gibt schöne, hässliche, teure, billige, gute, schlechte, schnelle, langsame, langweilige und interessante Fahrzeuge auf dieser Welt. Aber nur sehr wenige verdienen es Auto genennt zu werden. Der Stratos ist eines davon. Antworten



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