Der wahre Klassiker
Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 02.02.2012 7 Kommentare
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Der Gründer von Cadillac, Henry M. Leland, war auch der Gründer von Lincoln. Die Geschichte von Cadillac begann mit einem Rauswurf von Henry Ford, doch auch Leland wurde bei Cadillac nicht alt, sondern von General Motors rausgedrängt. Darauf gründete Leland Lincoln – und musste 1922 an Henry Ford verkaufen. Der ihn dann auch rauswarf. Womit sich der Kreis dann wieder geschlossen hatte.
Ein Aushängeschild
Lincoln wurde dann das Aushängeschild von Ford (und soll es auch wieder werden). Es wurden grossartige Automobile konstruiert, der Chef von Lincoln war Edsel Ford, ein Mann mit einem sicheren Gespür für grossartiges Design; er stellte auch Eugene T. Gregoire ein, einen der wichtigsten Designer der 30er-Jahre. Gemeinsam entwickelten sie den Zephyr, der über eine stromlinienförmige sowie selbsttragende Karosserie verfügte. Auf diesem Zephyr baute dann auch ein neues Modell auf, das Edsel Ford als persönliches Einzelstück für seinen Florida-Urlaub bei Gregoire bestellte hatte und das dieser, sagt man, in nur einer Stunde gezeichnet haben soll: der Continental. Dieser zeigte schon klare Merkmale der zukünftige Conti-Reihe, den fast völligen Verzicht auf Chrom etwa, die bedeutend tiefer liegende Motorhaube, und vor allem die hinten angepappten, verkleideten Ersatzräder, die als Continental-Kit in die Geschichte eingehen sollten.
Edsel präsentierte den Conti bei seinen Freunden und Bekannten in Florida – und kabelte nach Detroit, dass sofort 5000 Stück gebaut werden sollten. Ganz so schnell ging das aber nicht: 1939 wurden noch etwa zwei Dutzend in Handarbeit zusammengebastelt, doch dann kam der Zweite Weltkrieg, und damit war dann mal Sendepause in der Continental-Geschichte. Ab 1946 wurde die Produktion wieder aufgenommen, bis 1948 wurde der Continental quasi unverändert weiter gebaut – und er sollte damit zum letzten amerikanischen Automobil mit V12-Motor werden.
Continental Mark II fast in Handarbeit hergestellt
Es dauerte bis 1952, bis der Name Continental wieder auftauchte. Und zwar gleich als eigenständige Marke, noch oberhalb von Lincoln angesiedelt: es dauerte bis 1955, bis das erste Automobil dieser jüngsten Ford-Tochter vorgestellt wurde, für den Modelljahrgang 1956. Doch das lange Warten hatte sich gelohnt: der Continental Mark II war sicher das aussergewöhnlichste Fahrzeug, das damals in den USA gebaut wurde. Er basierte nicht auf einem anderen Ford-Modell, er musste auch kaum Teile teilen, sondern wurde fast komplett in Handarbeit erstellt, unter für die damalige Zeit extremen Qualitätsvorgaben. Mit dem Continental wollte Ford nicht einfach nur Konkurrent Cadillac in den Schatten stellen, sondern zu den ganz grossen Namen aufschliessen, Rolls-Royce etwa. Mit einem Preis von 10'000 Dollar befand sich der Mark II auch tatsächlich auf Augenhöhe mit den Engländern; einen «profanen» Ford gab es 1956 schon ab etwa 1600 Dollar.
Schon 1958 kam der Continental Mark III auf den Markt, und bereits änderte Ford wieder die Strategie. Zwar blieb Continental vorerst noch eine eigene Marke, doch der Mark III basierte nun wieder auf den üblichen Lincoln-Modellen, mit besserer Ausstattung und anderen Dachlinien; auch mit der Handarbeit war es bereits wieder vorbei. Das lag auch daran, dass die neuen Contis in der neuen Fabrik in Wixom gebaut wurden, und eine komplett neue Plattform hatten, den sogenannten «Unibody», eine Art selbsttragender Karosserie. Der Continental Mark III, angetrieben von einem 7-Liter-V8, geschaltet über eine 3-Gang-Automatik, war ein gewaltiges Gefährt, 5,82 Meter lang, 2,04 Meter breit; der Radstand betrug 3,33 Meter. 1959 kam der Mark IV, 1960 dann der Mark V, doch diese Modelle wiesen ausser bei der Namensgebung kaum Verbesserungen gegenüber dem Mark III auf.
Ab 1961 wieder näher bei Ford
Mit dem Modell-Jahrgang 1961 begann die Geschichte von Lincoln quasi von vorne. Es gab keine Schwester namens Continental mehr, die Begriffe Lincoln und Continental durften wieder zusammengehören, und überhaupt rückte Lincoln wieder näher zu Ford. Sehr nahe eigentlich, denn es wurden nicht bloss die bisherigen Modell-Linien Capri und Premiere gekappt – das Fahrzeug, das 1961 als Lincoln Continental (ohne «Mark»-Zusatz) auf den Markt kam, hätte eigentlich das 58er-Modell des Ford Thunderbird sein sollen. Das Design stammte von Elwood Engel, wurde ein bisschen gestreckt (längerer Radstand, vier statt nur zwei Türen) – und schon war eines der grossartigsten Automobile aller Zeiten fertig.
Traurige Berühmtheit
Eines seiner wichtigsten Merkmale, auch optisch, waren sicher die sogenannten «Suicide Doors», die hinteren Türen, die hinten angeschlagen waren, genau wie die Kofferraum-Klappe des Cabrios. Das Öffnen und Schliessen des Dachs war ein sehr spektakulärer Vorgang, ganz grosses Kino. Ein gutes Zeichen für die hohe Kundenakzeptanz war auch, dass der Engel-Entwurf bis zum Modelljahrgang 1969 quasi unverändert beibehalten wurde
Ein Lincoln Continental erreichte traurige Berühmtheit, das Fahrzeug, das als SS-100-X in die Geschichte einging. In diesem Fahrzeug, Jahrgang 61, von den Spezialisten Hess & Eisenhart umgebaut, wurde am 22. November 1963 John F. Kennedy ermordet; das Fahrzeug steht unterdessen im Henry-Ford-Museum.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.02.2012, 11:38 Uhr
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7 Kommentare
Jahrgänge ab 1970 als Niedergang zu bezeichnen (Bild13/14) finde ich geschmacklos und zeugt von wenig Kenntnis. Das kantige Design mit den Schlafaugen und dem Chromgrill ist ebenso klaschisch und 10 Jahre lange erhalten geblieben wie das der 60-er, aber eben im 70-er Stil. Diese Modelle waren Occasion niemals günstig zu erwerben, trotz Benzinkrise etc. Camaro, Mustang, Rolls Royce hingegen schon. Antworten
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