Auto

Der unbekanntere Zwilling

Von Nina Vetterli, Nizza. Aktualisiert am 26.03.2012

Bei Toyota heisst er GT 86, bei Subaru BRZ. Der fast identische Sportler soll auch den japanischen Allradspezialisten in Fahrt bringen.

1/4 Subaru BRZ mit 200 PS:
Bild: Subaru

   

Subaru BRZ

Kategorie: Sportwagen mit 2+2 Plätzen.
Masse: Länge 4240 mm, Breite 1775 mm, Höhe 1285 mm, Radstand 2570 mm.
Kofferraum: 243 bis 330 Liter.
Motoren: 2-Liter-4-Zylinder-Boxermotor mit 200 PS (147 kW).?
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 7,6 bis 8,2 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 210 bis 226 km/h.
Verbrauch: 7,1 bis 7,8 Liter auf 100 Kilometer.
CO2-Ausstoss: 164 bis 181 Gramm/Kilometer.
Markteinführung: Juni 2012.?
Preis: Einstiegspreis unter 40 000 Franken.
Infos: www.subaru.ch

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Genau wie Toyota kehrt Subaru nach jahrelanger Absenz in die Sportwagenliga zurück. Und genau wie bei Toyota findet die Rückkehr in Form eines kompakten Hecktrieblers statt, der mit bescheidenen 200 PS, dafür niedrigem Schwerpunkt, geringem Gewicht und fast perfekter Achslastverteilung schnörkellose Fahrfreude anbietet. «Pure handling delight», sagen dem die Japaner mit Allrad-Historie. Und genau wie der Toyota GT 86 sieht der Subaru BRZ denn auch aus: geduckt, dezent muskulös, mit scharfen Kanten, Habichtaugen und Spoiler sowie Edelstahl-Endrohren auf der Kehrseite. Das Finde-den-Unterschied-Spielchen endet rasch: bei einer neu gezeichneten Frontschürze und seitlichem Lufteinlass-Dekor.

Technik stammt von Subaru

Weil Toyota die vorangehende Studie vor allem für sich beansprucht hatte und Heckantrieb für den Allradspezialisten Subaru doch eher ungewöhnlich ist, liegt die Vermutung eines umbenannten GT 86 nahe. Andererseits wurde das gemeinsam entwickelte Auto konsequent um einen kompakten 2-Liter-Boxer herumgebaut: Mit der Erfahrung aus über 12 Millionen gebauten Boxermotoren versteht es sich von selbst, dass das Herzstück von Subaru stammt; Toyota hat ihm lediglich eine Direkteinspritzung beigesteuert. Chef-Planer Toshio Masuda klärt auf: Das Konzept wurde gemeinsam erarbeitet, das Design ist von Toyota, die technische Entwicklung und die Produktion der Sportauto-Zwillinge gehen aber auf das Konto der kleineren Marke. Genau wie der BRZ ist streng genommen auch der Toyota GT 86 ein Subaru.

BRZ wie Bernhard Russi, Zufikon

Die Betonung liegt jedoch auf der Zusammenarbeit der Hersteller, Masuda drückt sie mit einer Formel aus: «1+1=3». Dass sich die Japaner nicht verkalkuliert haben, beweist die überraschend hohe Nachfrage: Fast 10 000 Vorbestellungen sind für die beiden Sportler insgesamt eingegangen, die Produktion im Werk des Subaru-Mutterkonzerns Fuji Heavy Industries musste bereits erhöht werden. Der erschwingliche Fahrspass – unter 40 000 Franken soll er in der Schweiz kosten – trifft ganz offensichtlich einen Nerv.

Auch wenn weder das Kürzel GT 86 noch BRZ besonders lustvoll klingt. Das B steht übrigens für den Boxermotor, das R für «Rear-wheel-drive», also Heckantrieb, und das Z für den Zenit, den man bei Subaru technisch erreicht haben will. Als Eselsbrücke schlägt der Schweizer Marketing-Chef Werner Bärtschi Spassigeres vor: «Bernhard Russi, Zufikon».

Doch wen interessiert schon das Kürzel, wenn das Auto ein sehr leichtfüssiger Sportler ist, dem der Fahrer auch ohne elektronische Spielereien vertrauen kann? 200 PS und 205 Newtonmeter, klassischer Heckantrieb, ein spielend leichtes Handling und – nach einigen Einstellungen – gut passende Sportsitze reichen alleweil aus, um ein erklärtes Ziel der Japaner zu erfüllen: «To put a smile on every driver’s face». Dazu trägt auch der kernige, allerdings erst bei hohen Drehzahlen für Gänsehaut sorgende Boxersound bei.

Im Vergleich zum Toyota GT 86 zeigt der BRZ ein bisschen weniger Driftwille und eine gewisse Neigung zum Untersteuern, angeblich wurde das Fahrwerk auf einen «gefühlten Allradantrieb» eingestellt. Das macht ihn aber nicht wesentlich unsportlicher, höchstens ein wenig alltagstauglicher. Bemängeln lässt sich bei beiden Autos dasselbe: die Gestaltung und Verarbeitung des auf absolute Notwendigkeit beschränkten Interieurs. Wenn ein neues Fahrzeug so günstig angeboten wird, ergibt 1+1 eben doch nur 2.

Urbane Käufer erobern

Während Toyota mit dem GT 86 die vernachlässigten Celica-Fans bedienen kann, will Subaru 70 Prozent Neukunden dazugewinnen. Gerade in der Schweiz – mit über 2 Prozent Marktanteil «a Subaru-Country» – hat die Allradmarke vorwiegend in ländlichen Regionen Erfolg. Davon zeugt auch der Spottname «Bauern-Porsche». Der neue BRZ soll das nun ändern und ins Herz der Städte vordringen. 200 urbane Käufer erhofft man sich, die einen erschwinglichen Sportwagen der alten Schule suchen und dabei die Marke Subaru dem Mainstream-Hersteller Toyota vorziehen. Werner Bärtschi ist optimistisch: «Wir spüren den Frühling», sagt er. «Der BRZ ist einfach ein geiles Auto, das der Marke richtig guttut.» Ob der Wagen 200-mal in der beworbenen Lackierung «Blue Mica» gekauft wird, darf allerdings bezweifelt werden – es sei denn, Subaru erhält dann doch eher Kundschaft aus dörflicher Gegend: Schlumpfhausen.

Nina Vetterli fuhr den neuen BRZ am 22./23. März auf Einladung von Subaru Schweiz in Südfrankreich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2012, 19:19 Uhr

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