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Der «schlafende» Lamborghini
Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 23.04.2012 1 Kommentar
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Wenn eine Branche keine Krise kennt, dann sind es die Auktionen von teuren, klassischen Automobilen. Rekord um Rekord ist am Purzeln, manche werden förmlich pulverisiert, die Nachfrage ist gross, es bleibt kaum etwas unverkauft.
Das hat viel damit zu tun, dass in den vergangenen Jahren – trotz Finanzkrise – die Preise für schöne, seltene Stücke beständig gestiegen sind. Das bedeutet aber auch, dass es kaum mehr möglich ist, Entdeckungen zu machen, Fahrzeuge zu finden, die ein überdurchschnittliches Steigerungspotenzial haben könnten.
Selten und unterschätzt
Es gibt sie aber schon noch, die Unterschätzten. Die eigentlich alle Bedingungen erfüllen, dass sie irgendwann so richtig teuer werden. Weil sie, zum Beispiel, von einem berühmten Designer gestaltet wurden. Weil sie über hochkarätige Technik verfügen. Weil sie selten sind. Und weil sie auch noch Fahrspass bieten. Dürfen wir vorstellen – Lamborghini Jarama.
Der Vorgänger des Lamborghini Jarama war der Islero, der nur von 1968 bis 1970 gebaut wurde (und übrigens noch so ein unterschätztes Fahrzeug ist). Warum dessen Karriere so kurz war, das ist schwierig zu eruieren, aber von Ferruccio Lamborghini war bekannt, dass er ein wenig ungeduldig war. Dazu kam, dass der Islero die neuen amerikanischen Sicherheitsbestimmungen nicht mehr erfüllte.
Und ausserdem ging es schon damals darum, ganz besonders für einen so kleinen Hersteller wie Lamborghini, Synergien zu nutzen, und folglich erhielt der 1970 auf dem Genfer Salon vorgestellte Jarama den Unterbau des Espada (gebaut ab 1968), allerdings mit deutlich verkürztem Radstand. Und auch gleich noch dessen Motor, den 3,9-Liter-V12. Geschaltet wurde über ein 5-Gang-Getriebe von ZF; ein einziges Exemplar wurde auch mit einer Automatik ausgeliefert.
Agil in den Kurven
So ausgerüstet, also 350 PS stark, war der Jarama ein feines Automobil. Er marschierte in weniger als 7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und war 250 km/h schnell. Und weil der Radstand doch recht kurz war, nur 2,38 Meter (Espada: 2,65 Meter), war der Lamborghini auch ein erfreulich handliches Teil, sehr agil in den Kurven. Allerdings wog er auch 1,6 Tonnen – und war damit mehr als 100 Kilo schwerer als der Espada. Offiziell wurde er als 2+2 bezeichnet, es gab hinten auch so etwas wie Notsitze, doch eigentlich war der Lambo ein klassischer Zweisitzer mit erfreulich viel Platz und einem richtig grossen Kofferraum.
Der Kompromiss mit den Scheinwerfern
Das Design des Jarama stammte von Lamborghini-Hausdesigner Marcello Gandini, der schon den unsterblichen Miura und auch den Espada gezeichnet hatte. Aussergewöhnlich waren die hintere Abrisskante sowie die «Schlafaugen»-Scheinwerfer, deren Abdeckungen elektrisch nach unten bewegt werden konnten. Gandini war zwar ein Verfechter von Klappscheinwerfern, doch sein Chef hasste die Dinger, so waren diese «Schlafaugen» wohl ein Kompromiss. Und auch eine der Schwächen des Jarama, man sah noch so manchen mit hängendem Augenlid. Ein anderer Italiener jener Jahre, der Iso Lele, verfügte über die gleiche, doch sehr aussergewöhnliche Konstruktion.
Auch Jamara S blieb ein rares Stück
Bereits 1972 wurde der Jarama überarbeitet, nachdem nur gerade 177 Stück gebaut worden waren. Der Jarama S wurde dort überarbeitet, wo der Jarama seine Schwächen hatte: es gab grössere Luftein- sowie -auslässe für eine bessere Kühlung, endlich wurde eine Servo-Lenkung verbaut (vorher war der Lamborghini so streng zu lenken wie ein Traktor), das Armaturenbrett wurde deutlich konservativer gestaltet – und mit einer neuen Auspuffanlage gab es auch noch 15 zusätzliche PS, also 365 insgesamt. Aber auch der Jarama S blieb ein rares Stück, genau 150 Stück wurden zwischen 1972 und 1976 hergestellt. Der Jarama sollte der letzte Lamborghini mit Frontmotor sein.
Verhältnismässig günstig
So ein Jarama trägt also einen grossen Namen (Lamborghini; Jarama ist der Name eines Flusses – und einer Region in Spanien, die berühmt ist für ihre wilden Stiere), er ist selten (327 Stück), er wurde von einem berühmten Designer gezeichnet (Gandini), er verfügt über einen feinen Zwölfzylindermotor. Und doch ist er verhältnismässig günstig. Bei der RM-Auktion in Monaco (11./12. Mai) kommt ein schönes Exemplar unter den Hammer, dessen unterer Schätzpreis bei 40'000 Euro liegt. Wenn man bedenkt, welche Preise für Ferrari aus den gleichen Jahren bezahlt werden, dann ist so ein Jarama wirklich ein Schnäppchen.
Die teuren Exemplare
Zwei Jarama hingegen kosten richtig viel Geld. Der eine steht im Lamborghini-Museum in Sant'Agata – und war das persönliche Exemplar von Ferruccio Lamborghini, über viele Jahre. Das andere liess der legendäre Lamborghini-Testfahrer Bob Wallace nach seinen eigenen Vorstellungen umbauen, er liess die «Schlafaugen» weg, die Karosserie wurde zum grössten Teil aus Alu gefertigt, auf eine Innenausstattung wurde fast vollständig verzichtet. Der V12 leistete mindestens 380 PS, so war der Jarama Sport dann mindestens 270 km/h schnell und beschleunigte in weniger als 5 Sekunden von 0 auf 100. Im Rennsport wurde dieser «böse» Lamborghini aber nie eingesetzt.
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Erstellt: 19.04.2012, 13:02 Uhr
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1 Kommentar
Und die Grundidee der Scheinwerfer dürfte wohl auf den Alfa Montreal zurückzuführen sein. Dieser Wagen wurde 1967 an der Weltausstellung in Montreal als Designstudie gezeigt - gezeichnet von - Marcello Gandini. Oder war's umgekehrt? Antworten
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