Auto
Der Sportwagen, den 007 nie fahren durfte
Von Bruno von Rotz (Zwischengas.com). Aktualisiert am 08.08.2012 2 Kommentare
Bildstrecke
Bildstrecke
Präsentiert von Zwischengas.com
Mehr Bilder und zusätzliche Informationen zu diesem Thema finden sich auf Zwischengas.com
Teilen und kommentieren
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Fast jeder kennt die berühmten Filmszenen im James-Bond-Streifen «The Spy Who Loved Me», in denen Roger Moore mit der attraktiven Beifahrerin Barbara Bach (später die Frau von Ringo Starr) mit einem Sportwagen aus dem Wasser taucht und einen Fisch aus dem Fenster wirft.
Das Filmauto ist ein Alleskönner, schiesst Raketen ab, taugt als Unterseeboot und überzeugt durch ein sportliches Fahrverhalten in kritischen Situationen. Mit diesem Film zementierte Lotus das sportliche Image des Esprit. Beim Filmauto handelt es sich um ein Fahrzeug der ersten Serie, produziert von 1976 bis 1978, in späteren Filmen fährt Bond dann einen Esprit S3 Turbo (mit spektakulärer Diebstahlsicherung, oder auch mit Skihalterung). In den Genuss, einen S2 zu fahren, kam James Bond aber nie, dabei zeigte sich dieser wesentlich ausgereifter als der S1 und gleichzeitig optisch als der ausgewogenste Lotus-Sportwagen der Keilformenzeit überhaupt.
Aufsehenerregende Designstudie von Giugiaro im Jahr 1972
Giorgio Giugiaro gründete 1968 die Firma Italdesign. Um sich einen Namen und generell auf sich aufmerksam zu machen, baute er immer wieder zukunftsweisende Konzeptfahrzeuge. Den Entwurf, den er 1971 auf einem gestreckten Lotus-Europa-Chassis aufbaute, wollte er Kiwi nennen. Die Namenswahl gefiel Lotus in England nicht, das Auto dafür umso mehr. Als Esprit debütierte der nicht fahrbare Entwurf in Silbermetallic am Genfer Automobil-Salon von 1972 und er eroberte die Herzen der Salon-Besucher im Sturm.
Die «Automobil Revue» schrieb: «Die junge, aktive Karosseriefirma Italdesign zeigt auf einem Lotus-Unterbau ein zweisitziges Coupé, das als Sportwagenentwurf für die nahe Zukunft gedacht ist. Sein Schöpfer Giugiaro verfolgt bei dieser Studie mit Konsequenz die Keilform, der er alle seine letzten Arbeiten unterworfen hat. Das Interieur ist sehr geschmackvoll und originell gestaltet; Sitzpolster und Türverkleidungen sind ganz in dunkelgrünem Stoff gehalten und mit Schottenmustern verziert. Lotus-Chef Colin Chapman, den wir auf dem Stand von Italdesign beobachten konnten, schien von dieser interessanten Neuschöpfung offensichtlich begeistert.»
Chapman war nicht nur begeistert, für ihn war der Esprit DER Hoffnungsträger, denn mit dem Auslaufen des Elan und des Europa, die beide noch auf die Kraft des Lotus-Twincam-Motors gezählt hatten, dessen Bauzeit wegen der nicht mehr lieferbaren Motorblöcke zu Ende war, brauchte er dringend einen attraktiven Sportwagen. Zudem hatte er für den Jensen-Healey einen neuen leichtgewichtigen 2-Liter-Vierzylinder entwickelt, der auch die zukünftigen Lotus-Sportwagen antreiben sollte.
Der lange Weg zur Produktion
Obschon optisch ähnlich wie die späteren Serienwagen, war es vom ersten Showcar bis zum Produktionsfahrzeug ein grosser Schritt. Giugiaros Prototyp trug eine Stahlblechkarosserie, während Lotus natürlich Kunststoff-Sportwagen produzierte. Der Prototyp verfügte über kein Getriebe, darüber hatte man sich noch gar nicht den Kopf zerbrochen. Während die Arbeiten am ersten Prototyp sehr schnell fortgeschritten waren, schien sich der Bau des zweiten immer mehr in die Länge zu ziehen. Lotus-Design-Chef Oliver Winterbottom verbrachte viele Wochen in Turin, um als Sprachrohr von Colin Chapman und Michael Kimberley zu dienen. Viele Dinge mussten geändert werden. Gegen Ende 1973 war der zweite Prototyp, intern IDG G01 genannt, für die Abnahme bereit. Technisch aber waren noch Hausaufgaben offen, denn ein Getriebe gab es immer noch nicht. Dieses fand man dann bei Citroën, wo gerade der SM auslief und damit ein passendes Fünfganggetriebe zur Verfügung stand. Bis Weihnachten 1974 wurde der Prototyp in einen fahrfähigen Zustand gebracht. Die Vorderachskonstruktion wurde partiell vom Opel Ascona übernommen, hinten kam eine Eigenkonstruktion zum Einsatz. Anfangs 1975, gleich nach der Rückkehr vom GP Argentinien, konnte Colin Chapman den inzwischen gereiften Prototyp – man hatte immerhin schon rund 400 km damit zurückgelegt – testen... und kam nur wenige Kilometer weit, bis an der Hinterachse ein Schaden eintrat.
Der atemberaubende S1 debütiert in Paris
Am 2. Oktober 1975 debütierte der Lotus Esprit S1 in Paris, Seite an Seite mit dem ebenfalls neu präsentierten Eclat (der Elite mit derselben Maschine war bereits ein Jahr früher vorgestellt worden). Und, obschon bereits drei Jahre alt, war das atemberaubende Design des Esprit kaum weniger aufregend. Die «Automobil Revue» kündigte in ihrem Bericht zum Pariser Auto-Salon den Produktionsbeginn des Esprit an. Allerdings sollten nochmals rund neun Monate vergehen, bis sich die sehnsüchtigen Käufer endlich einen Esprit S1 in die Garage stellen konnten und in dieser Zeitspanne stieg der Preis von ursprünglich kommunizierten «knapp über 4500 britischen Pfund» auf 8548 Pfund. In Deutschland wurden 39'950 D-Mark verlangt, in der Schweiz 42'000 Schweizer Franken. Damit lag der Lotus auf Porsche-911-Niveau und war fast doppelt so teuer, wie ein Alfa Romeo GTV 2000 kostete und nur knapp ein Drittel günstiger als etwa ein Jaguar-XJ-S-Zwölfzylindercoupé.
Einsatz beim Geheimdienst ihrer Majestät
Dem stetig teurer werdenden keilförmigen Coupé kam dann ein Filmauftritt im Bond-Streifen «The Spy Who Loved Me» gelegen. Nachdem Roger Moore mit dem weissen S1 durch die Serpentinen von Sardinien gekurvt und im Meer getaucht war, kannte jedes Kind den Sportwagen aus England. Dabei kam Lotus die wichtige Nebenrolle noch nicht einmal teuer. Der Appetit bei den potenziellen Käufern jedenfalls war geweckt.
Zu wenig Punch oder zu gutes Fahrwerk?
Dämpfend auf die Verkaufszahlen erwiesen sich die teilweise wenig euphorischen Presseberichte über den S1. «Auto Motor und Sport» etwa schrieb im Sommer 1977: «Wer bereit ist, 40'000 D-Mark für einen Sportwagen auszugeben, kann sicherlich insgesamt mehr Perfektion verlangen, als sie der Flachmann aus Norfolk zu bieten hat.» Kritisiert worden waren unter anderem die knappe Motorleistung (0–100 km/h in 8,5 Sekunden, 215,6 km/h Spitze), die harte Federung, die knappen Platzverhältnisse, die starke Aufheizung des Innenraums und die unbefriedigende Verarbeitung. Immerhin wurden Design («Blickfang aus Plastik») und Fahrsicherheit gelobt.
Vom S1 zum S2
Die Erfahrungen mit dem S1 und die Rückmeldungen von Presse und Kunden (Elektrikprobleme, Pannen, Karosserieprobleme) zeigten, dass Verbesserungsbedarf bestand. So entstand nach nach 714 Esprit S1 (gegenüber der Presse wurden damals 1300 S1 genannt) die Serie 2. Der 1978 vorgestellte S2 profitierte von einem neuen Frontspoiler, der nicht nur die Aerodynamik verbesserte, sondern auch noch die Seitenwindempfindlichkeit reduzierte. Die Unterseite war nun schwarz lackiert, womit der Esprit noch flacher und schneller aussah. Neue Lampen aus dem Rover-Regal modifizierten die Optik des Hecks. Das Interieur war aufgewertet worden, die Sitze waren breiter. Die Kühlung des Motors wurde effizienter gestaltet und statt der Wolfrace-Räder wurden jetzt Felgen von Speedline montiert.
Beinahe ausgereift
Die Zeitschrift «Auto Motor und Sport» nahm sich auch die zweite Serie in Form eines silberfarbigen Coupés zur Brust und vermeldete erhebliche Fortschritte in der Verarbeitungsqualität, aber auch in der Güte der eingebauten Instrumente und Sitze. Mit 8,6 Sekunden für den Sprint von 0 bis 100 km/h und 213 km/h Höchstgeschwindigkeit war der Lotus allerdings nicht schneller, sondern sogar noch langsamer geworden und dies bei einem gleichzeitig intensiv gestiegenen Preise von 55'845 D-Mark, der rund ein Drittel über dem des Porsche 924 Turbo oder des Renault-Alpine A310 lag, welche dem Esprit in den Fahrleistungen deutlich davonfuhren. Im Bericht stand dazu: «Zwar beschleunigt ein Esprit besser als ein (normaler) Porsche 924 gleichen Hubraums, doch lassen sich speziell im oberen Geschwindigkeitsbereich die Erwartungen eilfertig die Spur wechselnder BMW-528- oder Opel-Senator-Fahrer nicht immer erfüllen.» Und der Bericht schloss mit: «Mit dem hohen Preis setzt sich der Esprit eindeutig ins Exotenlager ab, ein Auto so schön und so unnötig wie ein Morgan Plus 8 oder Rolls-Royce Corniche – und ebenso begehrenswert.» Immerhin 1060 Käufer entschieden sich in der zweijährigen Bauzeit für den S2.
Am Lenkrad des S2
Nur gerade 1,11 Meter hoch ist der Esprit, da versteht es sich von selbst, dass für den Einstieg eine sportliche Gelenkigkeit hilfreich ist. Der Innenraum passt für maximal knapp 1,80 Meter grosse Menschen aber wie ein Turnschuh, hat man sich einmal in den durchaus bequemen Sitz eingefädelt. Lenkrad und Schalthebel sind ideal positioniert, die Rundumsicht ist passabel, aber Parken will wegen der niedrigen Sitzhöhe und der nicht einsehbaren Karosserieenden geübt sein.
Man liegt beinahe im flachen Lotus, die Füsse (bitte maximal Schuhgrösse 43) suchen die Pedale und los geht es. Die Schaltung ist von überzeugender Präzision. Mit geringer Seitenneigung umkurvt der Keil Bögen aller Art, die Insassen werden über die Strassenoberflächen nie im Unklaren gehalten. Der Geräuschpegel lässt sich mit dem Gaspedal schön beeinflussen, das im Innern hörbare Konzert von Ansauggeräuschen und Auspuffräuspern ist nicht unattraktiv, wird aber durch stetiges Rattern irgendwelcher Karosserieteile etwas getrübt. Die Fahrleistungen sind gewiss nicht überirdisch, aber man fühlt sich nie als Hindernis und ist es auch nicht. Für heutige Tempolimiten offeriert der Esprit sogar eine Menge Spass, denn bereits verhaltene Tempi fördern das Wohlgefühl der Besatzung.
Der Auffälligkeitsgrad ist auf jeden Fall kaum zu schlagen, die Augen der Passanten verfolgen den weissen Keil, wo immer sie ihn erblicken.
Der seltenste frühe Esprit, der S 2.2
Einen Schritt weiter als der S2 ging 1980 der S 2.2, der gegenüber dem Vorgänger zwei erhebliche Vorzüge aufwies. Der Hubraum des Motors war von 1969 auf 2174 cm3 gewachsen und das Chassis wurde nun galvanisiert und bot so einen wesentlich besseren Schutz gegen Rost. Der grössere Motor führte zwar nicht zu mehr Leistung, aber zu deutlich besseren Fahrleistungen, vor allem was die Beschleunigung aus dem Stand und die Elastizität anging. Mit (vermutlich) nur 88 produzierten Exemplaren gilt der S 2.2 heute als der rarste Esprit und ist auch wegen kleinerer Verbesserungen (grössere Kupplung, geändertes Auspuffsystem) eine empfehlenswerte Alternative zum S2, wenn man denn einen finden kann.
Vom S2 zum S3 und zum Turbo
Auf den S 2.2 folgte schon im Frühjahr 1981 zuerst der Esprit Turbo und dann der Esprit S3. Beide Fahrzeuge profitierten von einem modifizierten (und weiterhin galvanisierten) Chassis, dem mit dem S 2.2 eingeführten vergrösserten Motor. Der Turbo sorgte mit 210/215 PS nun auch für «standesgemässe» Fahrleistungen. Optisch allerdings bedeutete die Einführung des S3 die Gegenwart grösserer Stossfänger (auch in Europa) vorne und hinten, was die Eleganz des filigranen Coupés nicht wirklich steigerte.
Bis 1987 wurde der Wagen in stetig leicht modifizierter Form weiterproduziert, bis ihn ein umfangreich modifizierter, von Peter Stevens gezeichneter Nachfolger ersetzte. 767 S3 und 2065 Esprit Turbo wurden gebaut.
S2 – der Ausgewogene
Der Esprit S2 (und noch mehr der S 2.2) kann als der ausgewogenste Esprit gewertet werden. Designmässig dem Entwurf von Giugiaro verbunden, aber schonend dem Zeitgeschmack der Endsiebzigerjahre angepasst, technisch modellgepflegt und produktionsseitig von den gemachten Erfahrungen profitierend, erreicht der S2 die höchsten Marktnotierungen. Mindestens 30'000 Schweizer Franken muss anlegen, wer sich einen gepflegten Esprit in die Garage stellen will. Sondermodelle wie die JPS-Version (in Schwarz) oder die Essex-Spezialversion können genauso wie das seltene Modell S 2.2 für erhebliche Aufpreise gut sein. Eine intensive Inspektion lohnt vor allem beim nicht galvanisierten Chassis des S2. Motordichtigkeit sowie Vollständigkeit und Zustand des Innenraums sollten ebenfalls penibel geprüft werden. Im Unterhalt ist ein Esprit nicht unbedingt anspruchslos, aber sicher kostengünstiger als andere Exoten mit mehr Zylindern.
Eine gewisse Leidensfähigkeit sollte ein Esprit-Besitzer auf jeden Fall aufweisen, denn problematische Warmstarteigenschaften, sporadische Elektronikprobleme, Hitzestau im Cockpit und knappe Platzverhältnisse für Besatzung und Gepäck verlangen nach Nehmerqualitäten. Aber spätestens dann, wenn der atemberaubende Keil, der auch nach 40 Jahren kaum etwas von seiner Attraktivität verloren hat, zum Einstieg einlädt, sind alle Probleme und Entbehrungen vergessen.
Weitere Informationen, viele Abbildungen und mehrere Originalprospekte zum Lotus Esprit finden sich auf Zwischengas.com. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.08.2012, 14:10 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
2 Kommentare
Unser Sohn hat sich mal so einen Esprit S2 angetan, mein Gott was für eine Gurke, Fahrleistung Null, Qualität unterirdisch. Wenn man meint es gehe nicht mehr schlimmer als bei italienischen Exoten der soll mal einen Esprit kaufen und wird eines besseren belehrt.
Aber auch ich träumte von diesem Auto aufgrund des 007-Film, das typsiche Italo-Design ist was den Wagen attraktiv macht, but nor more
Antworten
Auto
- 14:19Heissblütiger Stier
- 12:00Vegetarisch für Fortgeschrittene
- 06:00«Da wär ich gerne Werksfahrer»
- 15.05.2013308 – der Code zum Golf-Platz?
- 14.05.2013Das Dreiliterauto der 50er-Jahre
- 14.05.2013Speerspitze im Luxusmarkt
BLS Schifffahrt Berner Oberland
Auf Deck scheint die Sonne am längsten.
Was gibt es Schöneres als die wohlverdienten Feierabendstunden auf dem Thunersee zu verbringen?
Flugpreise vergleichen
Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.
Jetzt wechseln und sparen
Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.
Fernstudiums-CAS an der FFHS
Holen Sie sich das juristische Fachwissen für einen Job in Compliance & Corporate Governance
Abopreise vergleichen
Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.


Bitte warten











