Der Oldtimer für die Schnee-Rallye
Von Bruno von Rotz (Zwischengas.com). Aktualisiert am 31.01.2012 4 Kommentare
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Wenn man sich die Frage stellt, welche historischen Fahrzeuge sich wohl am besten für Rallyes eignen könnten, wird man wohl nicht auf den MG A als erste Wahl kommen. Minis, Volvos, Saab 96 oder frühe Porsche 911 kämen einem vermutlich eher in den Sinn als der englische Roadster.
Aber erstens gab es neben dem Roadster auch ein attraktives Coupé und zweitens sind die genetischen Anlagen eines MG A durchaus nicht ungeeignet für den Rallye-Einsatz. Und schon in den Fünfziger- und Sechzigerjahren setzten Privatfahrer und auch das Werk das A Coupé bei Sportveranstaltungen ein, da die Fahrer durch das Blechdach besser geschützt waren und der Strömungsverlauf günstiger war.
Das MG A Coupé – schon fast eine Rarität
Gerade einmal 6272 MG A 1500 Coupés wurden gebaut, eine wirklich überschaubare Anzahl. Trotzdem notiert der zehnmal häufiger vorkommende Roadster in den Classic-Data-Marktwerten 30 bis 40 Prozent höher als das Coupé (aktuell um 26'000 Franken im Zustand 2).
Das hier gezeigte Coupé ist einer der letzten 48 im Jahre 1959 produzierten Linkslenker für Kontinentaleuropa und wurde als Neuwagen in der Schweiz zugelassen.
Unterschiede zwischen Coupé und Cabrio
Obwohl der unbedarfte Beobachter kaum Unterschiede zwischen dem Coupé und dem Cabrio ausmacht, zeigen sich doch einige, gerade für den Wintereinsatz, erhebliche Differenzen. Die Frontscheibe hat eine kurvigere Form. Die Türen sind anders gestaltet und bieten mit kleinen Dreiecksfenstern zusätzliche Belüftungsmöglichkeiten. Sie lassen sich durch kleine Zughebel von aussen einfach öffnen. Die grosse Heckscheibe besteht aus drei Elementen und lässt viel Licht ins Interieur. Die geschlossene Kabine ist natürlich besser gegen Kälte isoliert.
Die 50 kg Gewicht, die das Coupé gegenüber dem Roadster zusätzlich auf die Waage bringt, schmerzen zwar, doch die heiztechnischen Vorzüge dürften dieses Manko an einem kalten Tag schnell vergessen lassen.
Vom normalen Strassenauto zum Rallye-Auto
Natürlich könnte man mit einem normalen MG A an eine Winter-Rallye gehen. Doch könnte einem der Spass bald vergehen, insbesondere wenn man sich mit der anwesenden Konkurrenz vergleicht. Trotzdem geht es natürlich nicht darum, aus einem MG A einen Lancia Delta Integrale Gruppe B zu bauen. Periodengerecht und einfühlsam soll der Umbau sein.
Das in diesem Bericht gezeigte MG A wurde umfangreich modifiziert. Dabei wurde sowohl auf Rückbaubarkeit geachtet, als auch auf ausschliessliche Verwendung von Teilen, die man schon damals hätte beschaffen können.
Die Leistung des zivil gut 68 PS starken 1500er-Motors erfuhr dank Judson-Kompressor einen etwa 30- bis 40-Prozent-Anschub. Rund 100 PS und einige zusätzliche Newtonmeter Drehmoment nehmen die Angst vor Steigungen. Der riemenangetriebene Kompressor verlangte nach einem modifizierten Ventildeckel und eigener Ölzufuhr. Ein Manometer im Innenraum orientiert über seine Arbeitsleistung (Unter-/Überdruck-Anzeige).
Mit Fächerkrümmer und Sportauspuff wurde leistungsmässig und tonal noch zusätzlich nachgeholfen. Dank eines Quaife-Sperrdifferentials kann die Leistung auch auf den Boden – ob trocken, schnee- oder eisbedeckt – gebracht werden. Ein Unterfahrschutz bewahrt heikle Technikteile vor Schlägen, die entfernten Stossstangen sparen Gewicht, die mehrfach montierten Abschlepphaken helfen im Notfall. Zusätzliche Lampen vorne machen die Nacht etwas mehr zum Tage und die Spikes-Reifen auf 5,5-Zoll-Minilite-Felgen sichern die Traktion. Dass noch ein Original-BMC-Feuerlöscher mit dem Fassungsvermögen eines Schnapsglases montiert wurde, zeugt vom Humor des Besitzers. Im Wagen zudem anzutreffen sind die obligate Schaufel, Schneeketten und allerhand Hilfsmittel, falls dem Wagen der Vortrieb trotzdem mal fehlen sollte. Und auch Stoppuhren sind natürlich an Bord.
Gemäss den Aussagen des Besitzers ist das A Coupé mit den grossen Rädern und den vorgenommenen Modifikationen eine richtige Bergziege, Schneeketten werden nur bei Tiefschnee oder starken Steigungen benötigt.
Losfahren ohne Drama
Der modifizierte MG A sieht noch immer aus wie ein MG A und er fährt sich auch so. Die zusätzlichen Pferdestärken und Newtonmeter machen das Anfahren und Manövrieren zum Kinderspiel, das gegenüber der Serie verkleinerte Lederlenkrad erhöht die Lenkkräfte in erträglichem Rahmen.
Das Vierganggetriebe mit unsynchronisiertem ersten Gang schaltet sich exakt und mit kurzen Wegen. Alles funktioniert wie erwartet und die Angst vor einem Einsatz in Schnee und Eis schwindet. Etwas lauter als ein serienmässiges A Coupé ist die Rallye-Version schon, der Unterbodenschutz reflektiert mechanische Geräusche, der Kompressor heult synchron zur Motordrehzahl und der Sportauspuff räuspert sich etwas lauter als das Serienpendant. Doch damit lässt sich gut leben und man freut sich über die durchaus wirksame Heizung und die bequeme Sitzposition.
Einen zweiten Satz Räder, wie ihn Rallye-Fahrer vergangener Jahrzehnte mitführten, lässt sich allerdings nirgends mehr unterbringen. Auf dem Heckgepäckträger sind die Kleider der Besatzung in einem aufgeschnürten Koffer untergebracht.
Wir danken Markus Tanner und der Firma Classic Car Connection in Lichtensteig für die Möglichkeit, den roten Rallye-MG-A im Schnee probefahren zu können. Der Wagen steht zum Verkauf. Dass er mit all den Modifikationen einiges teurer ist als die Wertnotierung für ein normales Strassen-Coupé, ergibt sich von selber.
Weitere Informationen und viele zusätzliche Abbildungen sowie technische Daten und Verkaufsprospekte zum MG A gibt es auf Zwischengas.com zu sehen.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.01.2012, 10:44 Uhr
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4 Kommentare
Super
Mein erstes Auto war ein roter MG Tc 1947. Ich erinnere mich der MG hatte Blattfedern die hie und da brachen.
Eine tolle Zeit mit der sogenannten "Ischasgelte".so nannte mein Vater das tolle !! Auto ( hatte kein Dach , nur links ein verdeck über den Beifahrersitz )
Super
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