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Der Lancia mit dem Ferrari-Motor
Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 28.10.2011 18 Kommentare
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Es war 1986, als Lancia mit dem Thema 8.32 (8 Zylinder, 32 Ventile) in die automobile Oberliga aufsteigen wollte. Zum einen mit dem Motor aus Maranello, aus dem Ferrari 328 GTB, vorne quer eingebaut, aber auch was das Innenleben angeht. Für die Sitze waren die damals als Ledergötter bezeichneten Spezialisten von Poltrona Frau zuständig. Aber natürlich nur, wenn der Besitzer bei der Bestellung ein paar zusätzliche Tausender lockermachte.
Gegründet wurde die Manufaktur für exklusivste Sitzmöbel bereits 1912 in Turin. Firmengründer Renzo Frau entwarf 1919 das Sesselmodell 128, welches noch heute angeboten wird. Und auch heute noch besteht die Zusammenarbeit der Lederkünstler mit der Marke Lancia (etwa beim neuen Thema, der dieser Tage auf den Markt kommt. Die angebotene Alcantara-Variante fürs Interieur wurde ebenfalls durch die Turiner gefertigt. Zum edlen Leder gesellte sich eine ganze Menge Holz.
Angepasster Ferrari-Motor
Natürlich konnte man den 8.32 auch technisch aufrüsten. Das verstellbare Fahrwerk musste extra bezahlt werden, den ausfahrbaren Heckflügel gabs dagegen serienmässig. Er musste mit einem Schalter im Innenraum zur Arbeit aufgefordert werden. Seine Wirkung ist bis heute umstritten. Immerhin: Optisch machte er damals eine Menge Eindruck.
Einen echten Ferrari-Motor konnte man allerdings nicht unverändert in eine Luxuslimousine einbauen. Denn der hochdrehende V8 war alles andere als frei von Vibrationen – also eigentlich ungeeignet für ein Auto, das auch als Staatskarosse dienen sollte. So nahmen sich die Techniker vor allem der Ansaugluftführung an. Das Gewirr aus polierten Ansaugrohren im V des Achtzylinders zeugt von diesen Anstrengungen. Das Resultat: 215 PS bei 6750 Umdrehungen. Allerdings nur in der Version ohne Katalysator. Mit Kat blieben davon 205 PS übrig (1989 bis 1992) – immer noch eine Menge für ein Auto mit Vorderradantrieb.
Als Fahrzeug mit Allradantrieb geplant
Das Ganze war auch nicht so geplant. Ziel von Lancia war es eigentlich, den 8.32 als Fahrzeug mit Allradantrieb zu lancieren. Offenbar sind sogar einige Prototypen gebaut worden, in Serie ging der Allradantrieb leider nie. Und das ist eines der grössten Probleme des Thema 8.32, der wegen des Einspruchs von Enzo Ferrari persönlich nicht Lancia-Ferrari heissen durfte. Die gut 1400 Kilogramm schwere Limousine war ein Pneufresser erster Güte. Weil der Wagen über eine trotz aller Modifikationen sehr spitze Leistungscharakteristik verfügte, wurden die Gummis der Vorderräder geradezu malträtiert. Die Reifen waren mit der heftig einsetzenden Leistung des Dreiliter-V8 schlicht überfordert. Mit knapp über 20 Zentimeter waren sie auch nicht sonderlich breit.??
Aber so richtig in den Wahnsinn treiben konnte der 8.32 seine Besitzer wegen des Ventiltriebs. Schon früh bemerkte man, dass der Zahnriemen des Ventiltriebs extrem heiss wurde. Etwas Abhilfe schaffte da die Anordnung von Lancia, bei den ausgelieferten Modellen die Steuerriemenabdeckung zu entfernen und so die Temperaturen zu senken.
Trotzdem war es unter Umständen nötig, den Riemen alle 20'000 Kilometer zu wechseln. Und dieser Wechsel war sehr aufwendig und entsprechend teuer. Unterliess man es, das Ding zur Zeit auszutauschen, bedeutete das meist das Ende fürs ganze Auto, denn ein Motorschaden war bei einem Zahnriemenriss programmiert. So «verendeten» zahlreiche 8.32.
Auch Schweizer Käufer
Und davon gab es insbesondere in der Schweiz doch einige. Nicht weniger als 360 Thema 8.32 sollen in der Schweiz einen Käufer gefunden haben. Und dies, obwohl der schnellste Thema mit einem Basispreis von knapp unter 100'000 Franken kein Billigangebot war.?? Einen schönen Thema 8.32 kann man heute für deutlich unter 20'000 Franken ergattern. Allerdings sieht es um die Ersatzteilversorgung nicht besonders gut aus. Neue Blechteile sind kaum mehr zu bekommen – was in Anbetracht der schlechten Rostvorsorge des Thema nicht gerade erfreulich ist. Technikteile sind dagegen meist gut verfügbar. Insbesondere in Deutschland haben sich einige Anbieter auf den Lancia mit Ferrari-Motor spezialisiert.
Hoher Pflegeaufwand
Doch der Besitz der Diva ist mit viel Pflegeaufwand verbunden und eigentlich nur Leuten mit extrem dicker Brieftasche oder ausgeprägten Schrauber-Fähigkeiten zuzumuten. ??Dafür gibt es einen exklusiven Mix von Komponenten berühmter italienischer Marken. Motor von Ferrari, Sitze mit etwas Glück von Poltrona Frau, Leichtmetallräder von Campagnolo sowie ein von Hand gezogener Pinselstrich rund um die Karosserie. Und halt das Feeling, einen Ferrari zu fahren, ohne auf Komfort verzichten zu müssen. Hinzu kommt, dass der Lancia Thema 8.32 – der sich seine Basis mit dem Saab 9000 und dem Fiat Croma teilt – auch heutzutage politisch weit korrekter ist als ein rotzender, lauter und knallrot lackierter Ferrari. Aber er ist auch weit weniger faszinierend als ein Modell aus Maranello.
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Erstellt: 28.10.2011, 11:16 Uhr
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18 Kommentare
Der grösste Unterschied zwischen dem 8.32 und dem 308- Motor ist die Kurbelwelle (und entsprechend die Nockenwellen): der Ferrari hat eine rennmässige 180 Grad Kurbelwelle und der Lancia eine 90 Grad Kurbelwelle. Entsprechend tönt der Lancia wie ein richtiger V8, während der Ferrari kreischt wie eine Motorsäge. In meinen Augen ist der Thema immer noch eines der schönsten Lancia Modelle. Antworten
Die Vorstellungen nicht alltäglicher Autos, wie z.B die Lancias gefällt mir sehr! Ich besitze eine wunderbare Fulvia Berlina 1972. Wenn Sie jetzt auch noch einen Bericht über die Maserati Biturbos machen würden, wäre das sehr toll. Auch das sind Hammerautos, leider in der heutigen Autowelt völlig unterbewertet! Antworten
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