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Der Ausnahme-BMW

Von Bruno von Rotz (Zwischengas.com). Aktualisiert am 29.11.2011

Nur drei Jahre vergingen beim BMW Z1 von der Idee bis zur Serienfertigung. Das Sportauto ist nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Türen ein Blickfang.

1/13 Vom Konzept- zum Spassautomobil: BMW Z1 (1991).
Bild: Bruno von Rotz/Zwischengas.com

   

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Nur selten können Ingenieure und Designer auf der grünen Wiese entwerfen und noch viel seltener gelangen die Resultate solchen Schaffens in den Verkauf und zu moderaten Preisen zum Kunden.

Der BMW (BMW 70.88 -0.84%) Z1 ist eine derartige Ausnahme, inzwischen sind die letzten gebauten Exemplare bereits zum Youngtimer gereift, in sieben Jahren fahren Z1 bei Oldtimer-Treffen mit. Und sie fallen inmitten ihrer Artgenossen mit ihrem zeitlosen Design und den auch heute noch beeindruckenden Eigenschaften auf. Kaum ein anderer Klassiker schafft den Spagat zwischen Alltagstauglichkeit und Individualität besser als der Z1.

In nur drei Jahren von der Idee zum Kunden

Irgendwann im Frühjahr 1985 begannen die Arbeiten am BMW Z1, im Sommer 1986 konnte BMW den Journalisten den ersten fahrbereiten Prototyp präsentieren. Und im September 1987 stand der Sportwagen bereits als Star auf der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt, im Sommer 1988 begann dann die Serienfertigung. Nur drei Jahre für ein vollständig neues Auto von der Zeichnung bis zur Serie, das war mehr als beachtlich.

Zwei junge Wilde geben Gas

Der BMW Z1 wurde massgeblich von zwei Herren geprägt, die in der Automobil-Industrie keine Unbekannten sind: Dr. Ulrich Bez und Harm Lagaay. Bez, heute CEO von Aston Martin, hatte unter anderem bei Porsche seine Sporen abverdient, Lagaay war unter anderem bei Simca, Porsche und Ford als Designer tätig und hinterliess seine Spuren zum Beispiel auf dem Porsche 993 oder dem Ford Sierra.

So richtig jung waren die beiden Herren ja nicht mehr, als sie von der BMW Technik GmbH eine Carte blanche erhielten, die Zielsetzung, «Freiheit auf vier Rädern» in Form eines neuen Fahrzeugs zu verkörpern. Beide ungefähr vierzig Jahre alt, mit sportlichem Naturell und offen für alles Schnelle – da war es nicht überraschend, dass sie sich dafür entschieden, einen offenen Sportwagen mit Roadster-Genen und viel Hightech zu bauen.

Innovative Ideen

Der BMW Z1 strotzte nur so von innovativen Konzepten, angefangen beim Front-Mittelmotor-Konzept, über das tauchverzinkte Stahl-Monocoque bis zum Kunststoffboden und der Kunststoffbeplankung, die über das selbsttragende Chassis gezogen wurde. Um den Auftrieb an der Hinterachse zu verringern, wurde der Unterboden möglichst plan ausgelegt, der Endschalldämpfer wie ein Flügelprofil ausgeführt, was zusammen mit einem Diffusor einen «Groundeffekt» auslöste. Auch bei der Sicherheit wurden neue Wege beschritten.

Neben dem hochfesten Chassis, das die nötigen Crash-Tests mit Bravour überstand, sorgte insbesondere der in die Windschutzscheibe eingezogene Überrollbügel für passive Sicherheit. Moderne Aufhängungskonzepte hinten und vorne, eine ausgewogene Gewichtsverteilung, ein tiefer Schwerpunkt, ABS-gesteuerte Vierscheiben-Bremsanlage und eine punktgenaue Lenkung sorgten für aktive Fahrsicherheit.

Versenkbare Türen

Für Aufsehen sorgte der BMW Z1 vor allem wegen seiner Türen. Diese öffneten sich nicht in einem Winkel zum Fahrzeug, sondern konnten via einen komplizierten Mechanismus in den Flanken des Wagens versenkt werden. Dies sah futuristisch aus und erhöhte die seitliche Aufprallsicherheit. Allerdings erforderten die hohen Seitenschweller auch neue Einstiegstechniken, die sich in drei Kategorien einordnen liessen: Entweder man ging nach der Reihenfolge rechtes Bein, Gesäss, linkes Bein vor, oder man liess zuerst das Gesäss in den Wagen sinken, um hinterher die Beine nachzuziehen, oder man übersprang das Schweller-Hindernis einfach, indem man sich auf Dach und Sitz abstützte. Auf jeden Fall aber war für Show-Effekte gesorgt, speziell wenn dabei auch noch ein rutschender Damenrock besondere Einblicke versprach. Bei Regen und geschlossenem Dach blieb allerdings die Eleganz oft auf der Strecke.

Grossserie als Teilespender

Um die Kosten nicht vollständig aus dem Ruder laufen zu lassen und den Verkaufspreis in akzeptablen Bereichen halten zu können, wurde vor allem für Technik-, aber auch für Ausstattungsteile tüchtig ins BMW-Serien-Regal gegriffen. Der 2,5-Liter-Reihen-Sechszylindermotor des Z1 kam direkt aus der 325i-Limousine, das Getriebe genauso wie die Vorderradaufhängungen, Bremsteile usw. waren Standard-Komponenten. Dem Z1 schadete dies nicht, die heutigen Besitzer danken es BMW heute.

Vier Farben

Aus nur vier Farben konnten die Käufer ursprünglich auswählen, Toprot, Traumschwarz, Urgrün und Fungelb hiessen die Farbtöne. Später kamen dann noch Purblau und Magicviolett dazu. Über 35 Prozent der insgesamt 8000 produzierten Wagen wurden in Rot bestellt, dann folgte Schwarz und Grün in der Beliebtheitsskala. Über 80 Prozent der Fahrzeuge wurden in Deutschland verkauft, am Anfang war die Warteliste so lange, dass Neufahrzeuge für beträchtliches Aufgeld den Besitzer wechselten. In die Schweiz wurde der Wagen offiziell gar nie eingeführt, ein Typenschein wurde gar nicht erst beantragt. Mancher Z1 gelangte allerdings via Einzelzulassung doch noch nach Zürich, Basel oder Genf, der Bestand in der Schweiz dürfte heute bei weit über hundert Fahrzeugen liegen, auch in Deutschland kann davon ausgegangen werden, dass ein Grossteil der dort verkauften 6443 Exemplare noch im Umlauf sind.

Langzeitautomobil

Der Z1 wurde von seinen Vätern so konstruiert, dass selbst ihre Urenkel daran noch Freude haben würden. Das feuerverzinkte Chassis gilt als fast unzerstörbar, am ganzen Auto gibt es nur wenige Teile, die rosten können. Damit hatte BMW das umgesetzt, was Porsche 1973 an der IAA als Langzeitautomobil «FLA» vorgestellt hatte. BMW war eine hohe Umweltverträglichkeit wichtig, der Z1 wurde entsprechend auch nur mit Katalysator ausgeliefert.

Der Roadster, der kein Roadster ist

BMW nannte den Z1 einen Roadster und erinnerte an die eigene Fahrzeugtradition, insbesondere den Vorkriegs-328 und den Nachkriegs-507. Die Vergleiche hinken allerdings, denn ein richtiger Roadster ist der Z1 nicht geworden, dazu bauten ihn Bez/Lagaay viel zu aufwendig. Statt Steckscheiben gab es ja sogar elektrische Fensterheber. Dem 507 konnte der Z1 motorisch und auch von der Aura her nicht das Wasser reichen, er war eben auf seine Art unvergleichlich. Auch im Fahrzeugangebot der späten Achtzigerjahre gab es kaum ähnliche Konkurrenten, weshalb Fachzeitschriften für Vergleiche immer wieder zum Morgan Plus 8, einem Roadster-Dinosaurier zurückgreifen mussten.

Preislich lag der Z1 mit anfänglich 86'000 D-Mark aber gleichauf mit Luxusprodukten wie dem Mercedes 300 SL oder dem Porsche 944 Cabrio.

Begeisterte und gesprächige Presse

Noch selten erhielt ein Kleinserienprodukt derart ungeteilte Aufmerksamkeit in der Presse. Kaum eine Zeitschrift, die es sich entgehen liess, den Bayern-Express Probe zu fahren. Und die Kommentare waren überaus wohlwollend. Die «Automobil Revue» schwelgte von einem Höchstmass an Fahrfreude, unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit und beschrieb den Z1 als ein Fahrerauto, wie es im Buche stehe.

Diesen Aussagen pflichteten auch andere Autojournalisten, die einen Z1 in die Finger kriegten, bei, als einziger Wermutstropfen blieb die eingeschränkte Praxistauglichkeit wegen geringen Stauvolumens und wenig Zuladung sowie der halt doch recht happige Preis, waren sich die Tester einig: Selbst wenn BMW, wie es in Insider-Kreisen gemunkelt wird, nie Geld am Z1 verdiente, dürfte alleine die Pressepräsenz das allfällige Defizit bei weitem aufgewogen haben.

Das Auto, das Gedanken liest

Genau zwanzig Jahre alt ist der Z1, der zur Probefahrt einlädt. Der Einstieg erfordert Gewöhnung, aber wer einen Lotus Elise oder einen Flügeltürer-Mercedes 300 SL besteigen kann, schafft auch den Sprung in den Z1. Einzig der Ton der sich entriegelnden Türe lässt einen zuerst zusammenfahren und an der Güte des Gebotenen zweifeln.

Einmal drin, ist alles so, wie man es von einem richtigen Sportwagen erwartet. Pedale, Lenkrad, Schalthebel sind perfekt platziert, die Sitze gefallen mit Seitenhalt und guter Körperabstützung.

Ein BMW Z1 fährt sich wie ein modernes, gut gesittetes Auto, die Gänge lassen sich gezielt und schnell einlegen, Kupplung, Bremse und (Servo-)Lenkung fühlen sich stimmig an.

Während man fährt, scheint es, als ob der Sportwagen die Gedanken des Fahrers liest. Kurve denken und einlenken, mühelos und ohne Stress! Einzig die Leistung des Triebwerks enttäuscht im Zeitalter der Doppelturbos und Dieselsportwagen. 170 PS könnten mit rund 1300 Kilogramm Leergewicht keine Wunder vollbringen, auch der Ton erscheint gedämpft und profitiert noch nicht von Klappensystemen im Auspuff. Alles an diesem Auto schafft Vertrauen, mit diesem Auto könnte man das ganze Jahr leben, wenn es dafür nicht zu schade wäre. Auch Elektromotoren für die Betätigung des Daches vermisst man nicht, die Übertotpunkt-Kinematik erleichtert die Verriegelung.

«Instant Classic» – zum Klassiker geboren

Die Nähe zum Konzeptfahrzeug, sein fast zeitloses Design und die Limitierung auf 8000 Fahrzeuge sicherten von Anfang an Exklusivität und bereiteten den Klassikerstatus vor. An dieser Einschätzung muss auch heute, zwanzig Jahre nach Einstellung der Produktion, nichts geändert werden.

Ob dem Z1 die Langlebigkeit und die hohe Überlebensquote eher hilft oder schadet, ist unklar. Tatsächlich reduziert sich die Zahl der Fahrzeuge kaum und es sind immer einige Dutzend Fahrzeuge auf dem Markt. Die Wertentwicklung – gute Fahrzeuge kosten heute rund 30'000 bis 40’000 Franken – scheint zumindest über die letzten paar Jahre relativ flach verlaufen zu sein, einen grösseren Wertverlust muss ein Käufer eines guten Exemplars allerdings kaum befürchten.

Der technische Aufwand hat seine Konsequenzen

Kein rudimentärer Roadster ist der BMW Z1, sondern ein deutsches Hightech-Produkt mit anspruchsvoller und nicht völlig wartungsfreier Technik. Auch Kunststoff altert, wird teilweise porös oder verformt sich. Unfallschäden sind bei der gewählten Chassis-Konstruktion nur mit enormem Aufwand vom Spezialisten reparierbar, der Türmechanismus will sorgfältig justiert und am Leben gehalten werden. Der Z1 ist zwar ein Langzeitautomobil, aber er will bei Laune gehalten werden.

Nicht billig, aber günstig

Kaum ein Klassiker erfreut sich einer derart vollständigen und wohlorganisierten Teileversorgung wie der BMW Z1. Fast alles ist erhältlich, die Preise aber bewegen sich auf hohem Niveau. So ist es denn wie bei den meisten anderen Klassikern auch: der beste und vielleicht der teuerste Z1 könnte langfristig der günstigste sein, aber billig war der Wagen nie und billig wird er nie werden.

Der BMW Z1 ist nicht ein Auto für jedermann. Er hat, 20 Jahre nach Auslaufen der Produktion, eindeutig Zweitwagencharakter. Leistungs-Freaks oder Leute mit Lust auf Rohes sollten den Z1 links liegen lassen, der offene Bayern-Sportwagen ist mehr für technophile Gourmets, die ein alltagstaugliches Auto für besondere Ausflüge suchen. Diesen wird er aber auch in vielen Jahren noch Freude machen.

Der rote BMW Z1 wurde uns von Goodtimer.ch zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, eine grosse Auswahl an Fotos und Originalunterlagen finden sich auf Zwischengas.com (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.11.2011, 09:06 Uhr

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