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Das wahre Auto von James Bond
Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 29.03.2012 5 Kommentare
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«Goldfinger», der siebte Roman von Ian Fleming mit dem Superhelden James Bond, wurde 1959 erstmals veröffentlicht. Fleming spendierte dem britischen Spion als Dienstfahrzeug einen Aston Martin DB III (die entsprechende Kapitelüberschrift lautet im Original: «Thoughts in a DB III»), ein Modell, das es gar nie gab.
Verwirrender Fuhrpark
Aston baute von 1953 bis 1957 den DB 2/4, ab 1957 bis 1959 dann den DB Mark III, doch das war immer noch ein DB 2/4, mit geringfügigen Änderungen. 1958 kam dann bereits der DB4 auf den Markt, der bis 1963 hergestellt werden sollte, doch das konnte Fleming noch nicht wissen, als er «Goldfinger» verfasste. Und um die Verwirrung komplett zu machen, wählten die Produzenten des Films «Goldfinger», der 1964 in die Kinos kam, dann einen DB5, gebaut ab 1963, als Spielzeug für James.
Befehl von oben für Sean Connery
Der hingegen, gespielt von Sean Connery, war anfangs gar nicht begeistert. «Mein Bentley hat mich noch nie im Stich gelassen», sagt er ziemlich entrüstet zu «Q». Doch Major Boothroyd kennt keine Gnade: «Befehl von M, 007 – Sie werden diesen modifizierten Aston Martin fahren.» Es war dann nicht ganz so übel, was Bond da mit auf die Strasse bekam: zwei 7,6-mm-Maschinengewehre wurden hinter die vorderen Blinker montiert, es gab ein kugelsicheres, ausfahrbares Schutzschild auf dem Kofferraum sowie einen Schleudersitz für unliebsame Beifahrer(innen). Und schliesslich so eine Art Vorläufer der modernen Navigationssysteme, eine Peilvorrichtung samt Kartendarstellung auf einem Bildschirm.
Extras, die im Film nie zum Einsatz kamen
Es gab aber noch weitere Spezialitäten, die der Special-Effects-Experte John Spears dem Fahrzeug verabreichte, die im Film gar nie zum Einsatz kamen. Da waren nämlich noch ein Telefon in der Fahrertür, ausfahrbare Rammstangen sowie Klingen in den Rad-Zentralverschlüssen, eine Nagel-Abwurf-Vorrichtung und eine Schublade für Waffen unter dem Fahrersitz. Zum Einsatz kam hingegen das Knöpfchen, mit dem Bond einen Ölteppich auf die Strasse legen konnte, auf dem seine Gegner mit ihren Mercedes prompt ins Schleudern gerieten.
Es war ein ganz besonderes Modell, das für die Filmaufnahmen verwendet wurde, nämlich ein früher Prototyp (Chassisnummer DP/216/1). Ein zweites Fahrzeug, bereits aus der Serie und berühmt geworden unter der Bezeichnung FMP 7B, wurde für die Stuntaufnahmen gebraucht; dann gab es noch zwei weitere DB5, die gleich aufgebaut wurden wie 216/1 und für die Promotionstouren vor dem Filmstart verwendet wurden. 216/1 (mit dem Nummernschild BMT 216A) wurde ein Jahr später für den folgenden «Bond»-Film, «Thunderball», wieder eingesetzt. Dort gab es im Gegensatz zu «Goldfinger» allerdings keinen Ölteppich mehr, sondern einen Wassersprinkler. Danach wurde der Wagen wieder in den Originalzustand versetzt und verkauft. 1997 wurde 216/1 gestohlen – und seither ist sein Verbleib unbekannt.
Der DB5 mit Pierce Brosnan
Doch es gab weitere «Bond»-Filme mit einem DB5 in der Hauptrolle. In «GoldenEye» (1995) spielt der DB5 mit dem Nummernschild (BMT 214A) die Hauptrolle neben Pierce Brosnan; für die Filmaufnahmen wurden drei weitere DB5 gebraucht. BMT 214A spielte dann auch in «Tomorrow Never Dies» (1997) wieder eine Rolle und hätte eigentlich auch in «The World Is Not Enough» (1999) noch einmal auftauchen sollen, doch die Szene wurde herausgeschnitten. Aber damit nicht genug: In «Casino Royale» (2006) tauchte schon wieder ein DB5 auf, diesmal mit Bahamas-Nummernschildern und links gelenkt (alle anderen DB5 vorher waren rechts gelenkt) – und im nächsten «Bond»-Film, «Skyfall» (der diesen Herbst in die Kinos kommt), wird es wieder einen DB5 zu bewundern geben, anscheinend sogar mit dem originalen Nummernschild BMT 216A aus «Goldfinger»/«Thunderball». Erstaunlich, auf welche Details die Produzenten Wert legen.
Grösserer Motor
Der DB5 war die konsequente Weiterentwicklung des erfolgreichen DB4, erhielt aber einen grösseren Motor mit 4 Liter Hubraum und einer Leistung von 286 PS bei 5500/min (maximales Drehmoment 390 Nm bei 3850/min). Das machte den doch 1,5 Tonnen schweren Engländer knapp 240 km/h schnell und liess ihn gemäss (optimistischer) Werksangabe in 7,1 Sekunden von 0 auf 96 km/h beschleunigen; abgebremst wurde er von serienmässigen Girling-Scheibenbremsen. Dafür, dass der DB5 wahrscheinlich eines der berühmtesten Automobile aller Zeiten ist, wurde er über einen verhältnismässig kurzen Zeitraum gebaut, nur zwei Jahre lang, es entstanden nur gerade 863 Stück.
Dazu kamen noch 63 (oder 65?) Vantage, die mit drei Weber-Doppelvergasern auf 318 PS gebracht wurden, sowie 123 Cabrios, darunter 37 Volante. Aston Martin bezeichnete die 37 Fahrzeuge erstaunlicherweise als Short Chassis, obwohl sie genau den gleichen Radstand hatten wie die anderen DB5 (2,49 Meter). Die Verwirrung kommt wohl daher, dass diese Volante, gebaut zwischen Oktober 1965 und Oktober 1966, schon mit diversen DB6-Teilen versehen waren, und der DB6 (1965 bis 1971) hatte tatsächlich einen längeren Radstand (2,58 Meter).
Einige Kombi-Versionen
Und schliesslich waren da noch 11 (oder vielleicht auch 12) Shooting Brake, also Kombi-Versionen. Einen ersten Kombi hatte das Werk für seinen Besitzer David Brown gebaut, der nicht nur Traktorenproduzent, sondern auch Jäger und stolzer Hundezüchter war. Die restlichen Shooting Brake wurden dann bei Harold Radford Coachbuilder hergestellt – und sie sind heute natürlich heiss begehrt, obwohl ihr Fahrverhalten, vor allem in beladenem Zustand, mehr als nur kritisch ist. Doch auch die «gewöhnlichen» DB5 sind heute so wertvoll – ab etwa 400'000 Franken ist man dabei –, dass sie kaum mehr so flott bewegt werden wie von Pierce Brosnan in «GoldenEye», wo er sich ein hartes Rennen liefert mit Xenia Onatopp in einem Ferrari 355 GTS. Und natürlich gewinnt.
Kleines Detail noch am Rande: Roger Moore durfte nie einen Aston Martin fahren. Das sagt eigentlich schon fast alles.
Weitere Berichte und Bilder zu Klassikern auf Radical-Classics.com. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.03.2012, 14:13 Uhr
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5 Kommentare
Man hätte ja noch erwähnen können dass auch in der Schweiz bei den Pilatuswerken gedreht wurde. Es wurden die drehbaren Nummernschilrder vergessen wovon eines die Schweizer Nummer LU 6788 war und das auf dem kleinen Bildschirm in einer Fimszene ein genauer Kartenausschnitt der schweizer Landeskarte 1179 Blatt Alpnach enthält. Aber es geht ja eher ums Auto oder nicht ? Antworten
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