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Das Coupé mit Limousinen-Komfort

Von Bruno von Rotz (Zwischengas.com). Aktualisiert am 27.03.2012

Der Mercedes-Benz 250 C hat eine lange Karriere hinter sich. Beim Design orientierten sich die Konstrukteure an der Limousine. Dafür erntete man zwar Kritik von der Fachpresse, doch am Erfolg konnte dies nichts ändern.

1/25 Mercedes-Benz 250 C (1969) - gegenüber der Limousine wurde das Dach tiefer gesetzt, Front- und Heckscheibe standen etwas flacher.
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Eine lange Karriere hat der Mercedes-Benz 250 C (Baureihe W114) bereits hinter sich. Die schlicht-elegante Coupé-Ableitung der erfolgreichen Strich-Acht-Limousine kauften sich vor allem Fabrikanten-Ehefrauen, Architekten oder Gymnasiallehrer als Neuwagen. Dann wurden die Autos zu Gebrauchtwagen und deren neue Besitzer studierten oder verfolgten alternative Weltanschauungen und spulten im vielleicht sogar mit bunten Blumen beklebten Coupé Hunderttausende von Kilometern ab. Inzwischen ist das schlichte Coupé zum veritablen Klassiker gereift und macht an der Techno Classica zwischen Pagode (R113) und 300 SL (W198) eine durchaus gute Figur.

Kosteneffiziente Limousinen-Ableitung

Im Gegensatz zu anderen Baureihen bei Mercedes-Benz, wo das Coupé eine vollständige Eigenkreation war, wurde das Strich-Acht-Coupé aus Kosten- und Produktionsgründen so nahe wie möglich an die Limousine angelehnt. Technisch gab es kaum Unterschiede, zur Auswahl standen der 2,5-Liter-Motor in Vergaser- und Einspritzerausführung, der auch in der Limousine ihren Dienst tat. Radstand, Gewicht (1360 kg) und Grössendimensionen waren bis auf die um 45 mm geringere Höhe praktisch identisch. Das Fahrwerk bestand wie bei der Limousine aus einzeln an Querlenkern aufgehängten Vorderrädern und der «Diagonal-Pendelachse» hinten. Vier Scheibenbremsen verzögerten den Wagen, drei Getriebevarianten - 4-Gang, 5-Gang oder Automatik - standen zur Wahl.

Schlichte, schnörkellose Formgebung

Paul Bracq war für das Design der Strich-Acht-Limousine zuständig und hatte eine zeitlose Form geschaffen. Als es darum ging, das Coupé abzuleiten, war der gestalterische Freiraum aufgrund der Kostenzielsetzungen beschränkt. Die Gestalter stellten die Front- und Heckscheibe schräger, legten das Dach etwas tiefer und erzeugten durch die Anbringung von zwei längsverlaufenden Zierleisten auf dem Dach eine Annäherung an den 280 SL (Pagode, R113). Damit erschöpften sich die Änderungen gegenüber der Limousine bereits, wenn man von den zwei weggelassenen Seitentüren und dem Übergang zu rahmenlosen Scheiben vorne und hinten - alle vollständig versenkbar - absieht.

Das Ergebnis sieht auch heute noch klassisch und sehr schlicht aus, wenn man auch die damaligen Kritiker verstehen kann, die dem Coupé fehlende Eleganz und die fast völlige Konzentration auf waagrechte und senkrechte Linien vorgeworfen hatte.

Hoher Praxiswert

Waren die Gestalter durch die erzwungene Nähe zur Limousine stark eingeschränkt, offenbarte gerade diese Nähe für die Besitzer spürbare Vorteile. Der Kofferraum war mit 500 Litern für ein Coupé geradezu gigantisch gross, auf der Rückbank konnten drei ausgewachsene Personen ohne bleibende Schäden auch über längere Distanzen transportiert werden und auch die übrigen Werte und die stabile Bauweise der Limousine vererbten sich verlustlos auf das Coupé. Auch sicherheitstechnisch war man mit stabiler Insassenzelle und verformbaren Front- und Heckbereichen auf der Höhe der Zeit, Mercedes-Benz hatte generell viel über passive Sicherheit nachgedacht und das spürte man.

Hohe Preise und viele Optionen

So viel Qualität musste bezahlt werden. Sahen die Grundpreise mit 24'600 Franken noch akzeptabel aus, selbst im Vergleich zu den etwas günstigeren Alternativen von Ford oder Opel, doch wenn man sich bei der Auswahl an Zubehöroptionen nicht einschränkte, konnte der Preis schnell 50 Prozent und mehr in die Höhe schnellen. Selbst für Sicherheitsgurte oder Kopfstützen musste zusätzlich bezahlt werden, aber natürlich konnten auch Verbundglasfrontscheibe, Servolenkung, Automatik, Niveauregulierung, Schiebedach, eine elektrisch beheizbare Heckscheibe, ein Aussenspiegel rechts, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Radio, elektrische Antenne, Weisswandreifen, Sonderlackierungen, Halogen-Zusatzfernlicht, etc., je nach Eifer des Käufers und Verkäufers, stattliche Mehrkosten auslösen.

Erstmals auch mit elektronischer Einspritzung

Erstmals setzte Mercedes-Benz beim 250 eine elektronische Einspritzung ein, die den Motor je nach Unterdruck im Saugrohr, Motorendrehzahl, Gaspedalstellung, Kühlwasser- und Lufttemperatur mit der nötigen Menge Benzin versorgte, gesteuert durch einen aus heutiger Sicht primitiven Computer. 20 PS zusätzlich resultierten im Vergleich zur Vergaser-Variante, sparsamer zeigte sich die stärkere Version aber nicht.

Eine stabile Burg

Die Fachpresse stürzte sich begeistert auf das neue Mercedes-Modell und bevorzugte natürlich die stärkere Einspritzvariante. 199 km/h erreichte die «Automobil Revue» 1969 mit dieser Variante, das Testfahrzeug von «Auto Motor und Sport» war mit 198 km/ nur unwesentlich langsamer, beide übertrafen die Werksangabe von 190 km/h deutlich. 11,4 respektive 10,9 Sekunden liess sich das Coupé für den Spurt von 0 bis 100 km/h Zeit. Auch die Verbrauchswerte von 17,1 respektive 19,8 Litern pro 100 km lagen bei beiden Testfahrten recht hoch. Der Typ 250 C mit Vergasern konnte dies alles etwas weniger gut, bot aber trotzdem Oberklassen-Komfort.

«Ein Hauch von Luxus» titelten die AMS-Macher, während die AR von «hoher elektronischer Klasse» sprachen. Die Solidität der Konstruktion wurde allenthalben gelobt, die Windgeräusche wegen der rahmenlosen Scheiben kritisiert. Auch das Fahrverhalten wurde generell als neutral mit Trend zum Untersteuern beschrieben, bei Nässe und Leistungseinsatz konnte es auch in Übersteuern umschlagen. Viel Komfort wurde der Federung attestiert, das Interieur sorge für mehr Intimsphäre und bei vollständig versenkten Fenstern entstehe sogar etwas Cabriolet-Feeling, befanden die Autotester vor über 40 Jahren.

An Bord eines frühen Vergaser-Coupés

Dem kann durchaus beigepflichtet werden. Das frühe Coupé (das 187. der ersten Serie) steht stramm und schlicht in seiner hellen Lackierung vor uns. Alles wirkt stabil und massiv. Die Sitze erinnern an Salon-Sessel, sind straff gepolstert und mit MBTex überzogen. Der Motor startet sofort nach dem Drehen des Zündschlüssels und es erklingt schöne Reihensechszylinder-Musik. Man blickt auf die hübsch gezeichneten und sehr übersichtlich angeordneten Instrumente, greift in das grosse Lenkrad mit dünnem Kranz, legt den ersten Gang ein und los gehts. Das Schaltgefühl erinnert an die Pagode, es ist sehr mechanisch, fast knöchern, aber die Gänge lassen sich gut einlegen. Kupplung und Bremsen bleiben unauffällig.

Die Fahrleistungen reichen auch heute noch problemlos aus, um im Alltagsverkehr gut zurechtzukommen, automatisch stellt sich ein müheloser Fahrstil ohne Hektik ein. Die Rundumsicht ist hervorragend, selbst die Ecken der Karosserie lassen sich gut überblicken, ein Sonarsystem mit Beep-Geräuschen ist unnötig. Auch die Dimensionen - 4,69 Meter Länge, 1,79 Meter Breite - machen heute keine Angst mehr, die meisten Mittelklassse-Limousinen sind grösser. Es lebt sich gut mit und im 250 C, man kann verstehen, dass er sich zum Klassiker gemausert hat.

Optische Retuschen und stärkere Motoren

Wie es bei Mercedes-Benz üblich war, wurde das Coupé der Baureihe 114 kontinuierlich modellgepflegt. Grössere Retuschen gab es im April 1972, als unter anderem die Türverkleidungen ein neues Design erhielten, neue Aussenfarben dazukamen und auch die Innenfarben erneuert wurden. Vor allem aber wurde der 2,5-Liter-Motor endgültig durch den 2,8-Liter-Motor ersetzt, auch das Modell 250 C hatte jetzt den grösseren Motor.

Umfangreicher waren die Änderungen, die im August 1973 die Serie 2 einläuteten. Die Drehfenster in den vorderen Türen fielen (leider) weg, die Doppelstossstangen waren Vergangenheit. Der Kühlergrill wurde breiter und flacher, beide Rückspiegel (sofern spezifiziert) waren jetzt an den Türen montiert und von innen verstellbar. Mit Einführung des 280 CE war die maximale Motorleistung auf immerhin 185 PS gestiegen, was echte 200 km/h bedeutete.

Steigende Preise

Ungefähr 36'000 Coupés wurden von 1969 bis 1976 gebaut, eine überschaubare Menge und viele sind dem Rost, Unfällen oder sogar der Abwrackprämie zum Opfer gefallen. Die Marktpreise für gut erhaltene (Zustand 2) Strich-Acht-Coupés haben sich bei 15'000 bis 20'000 Franken eingependelt, frühere Versionen werden etwas höher gehandelt als spätere, Einspritzerfahrzeuge gelten etwas mehr als mit Vergasern bestückte Coupés.

Unterhaltstechnisch ist man bei diesen Autos auf der sicheren Seite, die Klassiksparte von Mercedes-Benz bietet fast alles aus dem Teileregal an, zuverlässig aber nicht billig. Weniger glamourös als andere Coupés, dafür mit den soliden Werten der damaligen Mercedes-Generationen gesegnet, hat sich das W114-Coupé zum Klassiker entwickelt, der beim Markentreff eine genauso gute Figur macht, wie bei der Fahrt in die Ferien.

Weitere Informationen, mehr Bilder, Presseunterlagen, technische Daten und sogar ein Tonmuster finden sich auf Zwischengas.com. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.03.2012, 14:13 Uhr

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