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Das Cabrio-Gruppen-Erlebnis
Von Peter Ruch (Radical-Mag). Aktualisiert am 14.10.2011 5 Kommentare
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Neben dem Typ 1, besser bekannt als Käfer, gab es bei VW ab 1950 auch den Typ 2, der ähnlich populär wurde wie das später dann meistgebaute Auto der Welt: der Bulli. Diesen Spitznamen hatte er schon, als er im November 1949 seine Premiere hinter den verschlossenen Türen des Werks feierte; woher die Bezeichnung «Bulli» kommt, das weiss heute niemand mehr. Wer sein geistiger Vater ist, das ist dafür bekannt: Ben Pon, der holländische VW-Importeur, spazierte im April 1947 durch die Fabrik in Wolfsburg und sah dort ein eigenartiges Fahrzeug, das sich die Arbeiter selber zusammengebastelt hatten, um schwere Teile zu transportieren. Pon machte sofort ein paar Skizzen, und er konnte den damaligen VW-Chef Heinrich Nordhoff anscheinend schnell überzeugen, so ein Fahrzeug zu bauen.
Der «Bulli» basierte also auf dem Käfer, doch anstelle der zentralen Rahmenplattform wurde ihm ein seitlicher Stahlrahmen-Aufbau verpasst; als man verschiedene Käfer-Chassis etwas heftiger belastet hatte, kollabierten sie unter dem Gewicht. Das Motörchen leistete die gleichen 24,5 PS wie im Käfer, trotzdem betrug die Nutzlast stolze 750 Kilo. Am 8. März 1950 begann die Produktion von vorerst 10 Exemplaren pro Tag; es gab das Fahrzeug nur in blau und grau. Doch schnell war die Nachfrage so gross, dass VW wusste, mit dem «Bulli» wieder einen Erfolg gelandet zu haben.
Das Achtsitzer-Sondermodell
1951 kam der Samba, der ausschliesslich für den Personen-Transport gedacht war, aber gar nicht Samba hiess, sondern irgendwie gar nicht: in den Preislisten war er als VW Achtsitzer Sondermodell aufgeführt. Damals war Sondermodelle noch wirklich etwas Besonderes, nicht bloss aufgehübschtes Zeugs, das die Verkaufszahlen reanimieren musste. Wie es zu «Samba» kam ist genau so unbekannt wie der Ursprung von «Bulli», doch in Kalifornien gelangte das Sondermodell, das auch als Siebensitzer erhältlich war, sofort zu Kult-Status.
1952 wurde der Pick-up vorgestellt (ab 1958 gab es diesen auch mit Doppelkabine). Ab 1956 wurde der Transporter, wie der Bulli offiziell hiess, in einer neuen Fabrik in Hannover hergestellt. Der Bulli wurde bis 1967 gebaut, rund 1,8 Mio Exemplare sind von ihm entstanden. Dass dort, wo die Kunden eigentlich ihre Waren einladen wollten, der Motor im Weg stand, wurde dem Typ 1 erstaunlicherweise nicht als Nachteil ausgelegt. Aber das hatte wohl damit zu tun, dass die Konkurrenz noch weniger elaboriert war, der Ford FK litt unter dem Fahrwerk, das stark an eine Leiterwagen-Konstruktion erinnerte, die Tempo Wiking und Matador rangen um endgültige Serienreife, der Lloyd LT war zu klein, die Konkurrenz aus dem Ausland, etwa der Citroën HY, zu gross.
Mehr als ein Transporter
Doch der Bulli war weit mehr als ein Transport-Fahrzeug. In den 50er-Jahren wurde er mehr noch als der VW Käfer zum Symbol des deutschen Aufschwungs, des Wirtschaftswunders. Er war zwar nicht schnell, aber äusserst zuverlässig - man konnte sich auf ihn verlassen. Und das taten viele: die Post, die Polizei, die Feuerwehr, die Krankenhäuser, sogar die Bahn (es gab tatsächlich Bullis mit einem für die Eisenbahn tauglichen Fahrgestell).
Und dann gab es eben den Samba. Der hatte Dachfenster für mehr Licht, ein Faltdach für mehr Luft, Zierleisten allerorten und sogar eine mit Teppichen verkleidete Motorabdeckung. Wer den Typ 1 ohne Faltdach bestellte, der erhielt auch keinen doppelten Boden; der ergab aber Sinn, weil er den Aufbau deutlich verstärkte. Es gibt heute viele Samba mit Faltdach, aber ohne doppelten Boden, und daran sind Fälschungen leicht zu erkennen. Es mag erstauen, dass jemand einen VW-Bus fälschen will, doch die Preise haben in den vergangenen Jahren so sehr angezogen, dass es sich zu lohnen scheint; selbst unrestaurierte Exemplare kosten unterdessen 50'000 Franken, und wer einen schönen Samba kaufen will, der kann dafür durchaus eine sechsstellige Summe ausgeben.
Relaxter Lifestyle – mit 44 PS
Weltweit ist der Samba heute so ein bisschen das Sinnbild für ganze Generationen von Surfern geworden, sehr cool, der Inbegriff für einen relaxten Lifestyle, was mit mit einer Motorleistung von maximal 44 PS ja auch nicht anders möglich ist. Doch eigentlich ist der Samba vor allem der Ausdruck für das deutsche Wirtschaftswunder, die ersten deutschen Reisenden nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg waren in Samba unterwegs, sieben, auch acht Personen unternahmen Anfang der 50er Jahre wieder Kulturreisen nach Italien, oder man fuhr an den Strand und sparte sich das Hotel.
Das Lenkrad liegt zur Hand wie ein grosser Suppenteller, das Armaturenbrett und die Anzeigen (Geschwindigkeit, Benzin, Kilometerstand) sind von einer Schlichtheit, die wir uns heute manchmal wieder wünschen. Die wahre Fröhlichkeit spürt man auf den rückwärtigen Plätzen, wenn das Dach offen ist, ist die Welt gross und weit und herrlich, ein Cabrio-Gruppen-Erlebnis, eine ganze Generation von Deutschen entfloh der spiessigen Miefigkeit der Nachkriegsjahre im Samba. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.10.2011, 11:14 Uhr
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