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11 Kilometer zwischen Italien und den USA

Von Bruno von Rotz (Zwischengas.com). Aktualisiert am 08.05.2012 5 Kommentare

Die beiden Länder kamen sich am ersten Sonntag im Mai in der Schweiz näher. Während sich die US-Cars in Oensingen trafen, versammelten sich automobile Schönheiten aus Italien in Wangen an der Aare.

1/26 Willkommen an der Italiauto 2012 in Wangen an der Aare: Alfa Romeo 2600 Sprint.
Bild: Bruno von Rotz

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Manche Fahrzeuge, die beim GP Mutschellen am Start waren, hätten auch in Goodwood eine gute Falle gemacht.

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Im Zentralschweizer Kanton versammelten sich an Pfingsten über hundert Jahre Automobilgeschichte.

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Trotz der geografischen Nähe könnten die Unterschiede zwischen den beiden Treffen nicht grösser sein. Während sich im Industriegebiet von Oensingen, umgeben von kaum älter als 10- oder 20-jährigen schlichten Zweckgebäuden, viele Hunderte grosse und riesige amerikanische Automobile versammelten, fand in Wangen in einer malerischen Altstadt voller Tradition und Geschichte eine knapp dreistellige Zahl italienischer Preziosen zusammen. Während die US-Cars mit Grösse und Hubraum, ganz nach der Weisheit «nothing is better than cubicinches» (frei übersetzt: Nichts geht über Hubraum) protzten, glänzten die italienischen Fahrzeuge mit kompakten bis kleinsten Ausmassen und mechanischen Kunstwerken als Motor.

Die Pflichtenhefte der Automacher beidseits des Atlantiks unterschieden sich vor Jahrzehnten fundamental. In der gleichen Zeit, in der ein Cadillac Eldorado oder selbst eine biedere Familienlimousine von Oldsmobile Gardemasse um fünf Meter oder darüber annahmen, fertigten die Turiner auf weniger als drei Metern Länge Kompaktfahrzeuge mit Platz für vier Personen. Und Carlo Abarth tat das seinige, um aus den kleinen Motoren sportwagenmässige Leistungswerte herauszuholen, die auch manchem mächtigen Achtzylinder-V-Motoren der Amerikaner gut angestanden hätte.

Tuner und Puristen

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden versammelten Kulturen dürfte der Umgang mit Geschichte und Tradition sein. Während die US-Car-Gemeinde generell recht flexibel über die Originalität ihrer Fahrzeuge denkt – Hotrods, Custom Cars und moderne chromglänzende Felgen seien hier als Beispiele genannt –, geht den Anhängern italienischer Klassiker fast nichts über einen historisch korrekten Zustand ihrer Fahrzeuge. Obschon es auch hier Ausnahmen gibt, wie ein gewaltiger Subwoofer im Kofferraum eines kleinen Fiats bewies, der auch manchem Ami-Fan imponiert hätte. Leistungssteigerung, Veredelung und Modifikationen sind Teil der US-Fahrzeug-Kultur, so nahm denn gerade dieser Aspekt am Treffen in Oensingen wieder einen grossen Platz ein.

Viel fürs Auge

Sowohl den Amerikanern wie den Italienern darf man zugute halten, dass sie mindestens so sehr für das Auge bauten wie für die Vernunft. Chrom war in der alten wie in der neuen Welt ein wichtiges Gestaltungselement, Karosseriedetails wie Heckflossen oder kunstvoll gestaltete Kühlergrille erfreuen das Auge noch heute. In Oensingen und Wangen bekamen die Zuschauer echte Raritäten zu Gesicht, seien das ein Hudson Commodore, eine Meute von Dodge Charger, darunter das Filmauto von «Fast and the Furious», oder etwa zwei Sonderkarosserien auf dem Alfa Romeo 6C 2500, gestaltetet von Pinin Farina und Herrmann Graber. Wann konnte man letztes Mal ein NSU Fiat Weinsberg Coupé von 1960 sehen?

Dass weder amerikanische noch italienische Autos marottenfrei sind, zeigte der knapp vor der Einfahrt in Oensingen schlappmachende Ford Torino und der wegen Zündschwierigkeiten gar nicht erst bis Wangen gelangte Maserati Sebring.

Verpflegung auf amerikanisch und italienisch

Nicht nur fürs Auge wurden an den beiden Treffen gesorgt, sondern auch für den Magen. Während sich die «Amerikaner» an einem Steak sättigen konnten, gab es für die «Italiener» Penne und Käse.

Gemeinsame Liebe

So verschieden die Leute und die Fahrzeuge an den beiden Treffen gewesen sein mögen, am Ende des Tages eint die Liebe zum Fahrzeug und zum gepflegten «Cruisen» (oder auch sportlichen Fahren) die beiden Fangruppen. Obschon kaum eine Durchmischung stattfand, dürfte doch mancher Besitzer eines amerikanischen Klassikers auch Freude an italienischen Juwelen haben und der in Wangen präsentierte De Tomaso Pantera mit grossvolumigen US-Ford-Motor beweist, dass die Italiener schon früher gerne von den Amerikaner borgten. Die Italianità haben die Leute aus New York, Kalifornien oder Boston sowieso schon lange in ihre Kultur integriert, wieso sonst könnten sie von «american food like pizza» sprechen?

Auf ein Neues

Zum dreissigsten Mal fand American Live statt, während Italiauto auf eine achtjährige Tradition zurückschauen darf. Eine Fortsetzung ist beiden gewiss, und das freut die Fans aus beiden Lagern.

Rund 150 Bilder von den beiden Veranstaltungen und viel Hintergrundsinformationen zu den einzelnen Fahrzeugen finden sich auf www.zwischengas.com. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.05.2012, 09:03 Uhr

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5 Kommentare

Dani Kummer

14.05.2012, 19:15 Uhr
Melden 7 Empfehlung 0

Super Sache! Elegante Italiener und massige Amis. Schön, dass es noch soviele Leute mit diesem Hobby gibt. Wie arm wär die Welt ohne "Kultobjekte" , kaum auszudenken! Antworten


Tom Müller

08.05.2012, 11:56 Uhr
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Wenn man sich die Bilder betrachtet, fällt einem auf, dass offenbar primär nur noch die Generation ab 50 das Auto als "Kultobjekt" betrachtet. Die jüngere Generation hat - zum Glück - andere - sinnvollere und vor allem umweltschonendere - Hobbys. Antworten



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