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Mercedes SL 63 AMG: Der Beau lässt seinen Bizeps spielen
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Wo schon das neue Serienmodell des SL deutlich athletischer und agiler daherkommt als je zuvor, wird der Stuttgarter Luxusliner im AMG-Trimm vollends zum Bodybuilder beim Sonnenbad und fährt der Konkurrenz mit bis zu 564 PS davon. Möglich macht das ein V8-Triebwerk, das Motorenchef Fritz Eichler als «Monster mit Knigge-Manieren» bezeichnet. Denn monströs sind die Kraft und der Klang des 5,5 Liter grossen Direkteinspritzers mit zwei Turbos. Schon in der Basisversion leistet er 537 PS und 800 Nm, mit denen er den SL in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 schickt. Und wer das Performance-Package für bescheidene 18 400 Franken dazu bucht, der kann auf 564 PS und bis zu 900 Nm setzen.
Ein Spektakel für die Ohren
Damit sprintet der 2-Sitzer in kaum mehr als vier Sekunden auf Tempo 100, erreicht nach 12,6 Sekunden 200 km/h und hat beim offiziellen Limit von 250 km/h noch so viel Luft, dass Mercedes dem SL auf Wunsch Auslauf bis 300 km/h gewährt. Dabei macht der Roadster ein Spektakel, dass einem die Ohren klingeln. Wer vom Komfortprogramm Controlled Efficiency in den Sport- oder den Rennmodus wechselt, spürt deshalb nicht nur, wie der SL härter federt und höher dreht. Sondern das Grollen aus den vier Endrohren wird noch tiefer und lustvoller. Kein Wunder: Schliesslich streut die Elektronik beim Schalten sportliche Fehlzündungen und Zwischengasstösse ein.
Was Eichler mit den guten Manieren des Monsters meint, merkt man spätestens an der Tankstelle. Zumindest in der Theorie. Denn trotz dem Plus an Leistung ist der neue V8 im Normzyklus deutlich sparsamer – rund 30 Prozent oder 4,2 Liter Verbrauchsvorteil reklamiert Eichler für den Turbo und weist im Datenblatt 9,9 Liter aus. Freilich ist das nur PS-Prosa vom Prüfstand: Wer den 564 Pferden dagegen in der Praxis die Sporen gibt, der muss auch die passende Zeche zahlen.
Dass der AMG trotzdem deutlich sparsamer zu fahren ist als bisher, liegt nicht nur am neuen Motor, der optimierten 7-Gang-Automatik und der serienmässigen Start-Stopp-Funktion. Sondern das ist auch ein Verdienst der erfolgreichen Fastenkur. Wie in der Serie speckt der SL 63 über 100 Kilogramm ab, weil die Karosserie nun erstmals bei einem Mercedes der Neuzeit komplett aus Aluminium gefertigt wurde. Und weil AMG halt doch noch was Besonderes ist, spinnen die Bodybuilder aus Affalterbach buchstäblich den Faden ein wenig weiter: Sie werden zu Karbonpionieren im Konzern und setzen erstmals in der Grossserie einzelne Karosserieteile aus Kohlefaser ein.
V8-AMG ist der Bestseller
Leistung und Leidenschaft und dazu ein deutlich nachgeschärftes Fahrwerk. Das allein reicht nicht für den Erfolg. Weil beim SL neben dem Sein immer auch der Schein zählt, hat AMG natürlich auch am Design gefeilt: Spoiler und Schweller sind deshalb eine Nummer grösser als in der Serie, die Front wirkt etwas aggressiver, und der Innenraum ist ein Mischung aus Sportstudio und Luxussuite.
Zwar ist der SL 63 eines der wichtigsten Autos für die Fitmacher aus Affalterbach. Immerhin ist der von 2001 bis 2007 gebaute SL 55 das meistverkaufte Modell in der Geschichte, und total fahren bereits 26 500 SL mit einem V8-Motor von AMG über den Globus. Aber schon in ein paar Wochen ziehen die Schwaben deshalb noch einmal das Tuch von einem neuen SL und feiern im 65er das Comeback des Zwölfzylinders. Mit 630 PS. (tg)
Erstellt: 07.05.2012, 16:15 Uhr
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