Maserati: Hoch zu Ross und tief im Schnee

Die italienische Nobelmarke zelebriert sich im Nobelkurort St. Moritz gleich doppelt: mit einer eigenen Polomannschaft auf dem gefrorenen See – und mit GT und Quattroporte auf verschneiter Piste.

«Nur fliegen ist noch schöner». Gran Turismo auf eisigem Rundkurs, beim Flugplatz Samaden.

Christoph Fritschi

Am 26. Polo World Cup, einem der drei absoluten Top-Events im Engadiner Winter, eingerahmt von Gourmet-Festival und White Turf, trat Maserati zum ersten Mal mit einem eigenen Team an.

Am 26. Polo World Cup, einem der drei absoluten Top-Events im Engadiner Winter, eingerahmt von Gourmet-Festival und White Turf, trat Maserati zum ersten Mal mit einem eigenen Team an.

Allradantrieb bei Maserati? Undenkbar! Und doch: In St. Moritz stand über das vergangene Wochenende diese spezielle Antriebsart, leicht abgewandelt allerdings, auch bei der italienischen Edelmarke im Fokus. Beim 26. Polo World Cup, einem der drei absoluten Top-Events im Engadiner Winter, eingerahmt von Gourmet-Festival und White Turf.

Dort, wo vier Hufe pro PS für den erforderlichen Gripp auf dem gefrorenen See sorgen, frei übersetzt nennt sich das Quattro-Antrieb, trat Maserati zum ersten Mal mit einem eigenen Team an. Und so zierte der legendäre Dreizack für einmal nicht den Kühlergrill eines Quattroporte oder Gran Turismo, sondern das Markenlogo prangte – nicht weniger effektvoll – auf den Leibchen der vier Polospieler, die ihre Tore im gestreckten Galopp zu erzielen pflegen.

Fürs Image – und fürs Ego

Beste Werbung also vor ausgewähltem Publikum, wie man sie sich für eine auf Prestige bedachte Marke wie Maserati kaum zielgerichteter vorstellen kann. Das sieht auch Piergiorgio Cecco so. Der Schweizer Managing Director ist überzeugt: «Dieser hochkarätige Event passt hervorragend zum Image von Maserati. Ästhetik, Dynamik und Passion sind auch unser Credo.»

An diesem Image feilt Maserati weiterhin tüchtig – aber wohl noch nie taten es die Italiener so augenfällig wie dieser Tage in St. Moritz. Mit gutem Grund: Maserati-Kunden wollen umworben sein, zum Kauf verführt werden. «Denn Markentreue im eigentlichen Sinne», räumt Cecco ein, «ist im automobilen Luxussegment atypisch – und Porsche wohl die Ausnahme der Regel. Auch Maserati-Kunden wollen nicht nur das Beste und Schönste, sondern immer auch das Neuste. Das fordert ihr Ego. Und Neues können wir mit unserer zwar hochkarätigen, aber limitierten Palette nicht tagtäglich bieten.»

Da ist es schon fast perfektes Timing, dass Maserati seinen neusten Wurf, das Gran?Cabrio, am Polo World Cup on Snow in St. Moritz präsentieren konnte. Im geheizten Zelt. Und mit heissen Erwartungen: Maserati will mit seinem ersten vierplätzigen Cabrio in der Firmengeschichte als Aushängeschild allein im Engadin in diesen winterlichen Tagen 200 neue Kunden gewinnen. Nicht nur mit dem offenen Schönling allerdings, der mit seinem V8 und den 440 PS mindestens 210?000 Franken kostet. Sondern auch dank Quattroporte und GT, die als VIP-Shuttle gleichsam im Minutentakt im Nobelort zirkulieren. Das neue Gran?Cabrio im geheizten Polo-Zelt, Quattroporte oder GT auf winterlichen, aber weitgehend geräumten Strassen: Doch zu was ist ein Maserati mit klassischem Hinterradantrieb auf Schnee und Eis wirklich fähig? Auch diesen Beweis von Klasse scheuen die Italiener nicht (mehr). Abseits vom Polo und auf einer ganz anders präparierten Anlage – einem eisigen Rundkurs, beim Flugplatz Samaden – steht dazu eine rot-weiss-silberne Testwagenflotte bereit. Motto: «Nur fliegen ist noch schöner», wie Fahrtrainingsexperte Riccardo Pfister scherzend anmerkt.

Finger weg vom MSP-Knopf

Doch dann ist nichts mit Fliegen. Jedenfalls dann nicht, wenn angehende oder auch bestandene Maserati-Fahrer als Kursteilnehmer (Kostenpunkt: 1875 Franken, Übernachtung im Fünfsternehotel inbegriffen) die Finger vom Knopf mit den Buchstaben MSP lassen. MSP steht für das in Zusammenarbeit mit Bosch entwickelte «Maserati Stability Program», das über jedes einzelne Rad Traktion und Stabilität des Fahrzeuges in Millisekunden regelt. Da fallen Aus- und Einlenken beim Umfahren eines supponierten Hindernisses, notabene nach kurzem, aber heftigem Bremseinsatz, ebenso souverän aus wie der Slalom um eng platzierte Pylonen. Nur der Versuch eines Kavalierstarts versackt buchstäblich im Schnee.

Und eben: Finger weg vom MSP-Knopf. Wird das System deaktiviert, lassen sich spielend Pirouetten drehen. Freiwillig – oder auch nicht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.02.2010, 12:31 Uhr

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