K.I.T.T. steht in einer Berner Einstellhalle
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Man stellt sich seinen zweiten Lebensabschnitt vielleicht glamouröser vor, sicher aber nicht an diesem Ort. K.I.T.T., das wohl berühmteste Leinwandauto neben Herbie, blinkt einem in einer trostlosen Einstellhalle im Berner Galgenfeld entgegen. Sein Besitzer trägt keinen föhnfrisierten Lockenkopf, das Hemd nicht aufgeknöpft wie einst David Hasselhoff als Michael Knight. Nic Megert hat kurze Haare, eine Brille und statt gegen das Unrecht zu kämpfen vermietet seine Firma Technik für Events.
«Das hier ist die Perle». Megert zeigt überflüssigerweise auf den schwarzen Pontiac Trans Am und fährt ihn ans Tageslicht. Sein Exemplar ist eines von drei Originalfahrzeugen weltweit und in Europa das einzige. Es kam sowohl im Pilotfilm wie auch in der ersten und zweiten Staffel von «Knight Rider» vor. Die zwei anderen K.I.T.T.’s stehen in amerikanischen Museen.
K.I.T.T. schweigt (nicht)
Beim Hinausfahren stinkt und lärmt K.I.T.T. Überhaupt: Lernt man den echten K.I.T.T. kennen, ist das wie festzustellen, dass der Osterhase eigentlich der Vater ist. So wollen wir hier ein paar Illusionen begraben: K.I.T.T. kann nicht sprechen. Doch sein Besitzer Megert arbeitet daran. Er hat ein Computerprogramm geschrieben, das auf Schlüsselwörter reagiert. K.I.T.T. antwortet – die Sätze hat Megert aus der TV-Serie digitalisiert.
Megert weiss alles über die Serie, kennt die Sequenzen, in denen sein Wagen über den Bildschirm rast. Das Fahrzeug, das heute in Bern steht, wurde vor allem für Nahaufnahmen verwendet. «Es ist eine fahrbare Filmkulisse», sagt Megert, dessen Handy in der Titelmelodie der Serie klingelt. Der 39-Jährige ist ein grosser Pontiac Trans Am Fan. Er habe bisher ein Dutzend Wagen dieser Marke besessen.
Kabelsalat beim Beifahrer
Von einem Pontiac Trans Am ist bei K.I.T.T. nur wenig übriggeblieben. Das Modell wurde komplett umgebaut. K.I.T.T.’s künstliche Intelligenz ist in den 1980er Jahren stehengeblieben als die Serie Kult war (siehe Kasten). Das Armaturenbrett leuchtet zwar wie in einem Flugzeug, doch die meisten Knöpfe, wie etwa der berühmte Geschwindigkeitsbeschleuniger «Turbo Boost» sind Attrapen. Das Cockpit wurde über die ursprüngliche Anzeigetafel geschraubt. Der autoeigene Drucker ist in Wirklichkeit ein Schlitz, durch den jemand Papier schieben kann. Dass auch der Schleudersitz fehlt liegt auf der Hand. Ein Kabelsalat ersetzt vor dem Beifahrersitz das Handschuhfach, aus einem einfachen Grund: «Diese Seite wurde nie gefilmt.»
Auf der Strasse ist K.I.T.T. nicht zugelassen. Dem Auto fehlen Handbremse, Heizung oder Lüftung. Sitzgurte hat Megert angebracht.
Was aber tatsächlich funktioniert wie in der Serie, ist K.I.T.T.’s Scanner an der Front. Gibt Megert die entsprechende Knopfkombination im Cockpit ein, blinkt die rote Leiste entweder nervös oder wie in der Serie «verzückt». Für einen Moment ist man versucht zu glauben, dieser windschnittige Sportflitzer habe so etwas wie ein Herz.
Onkel hat ihn ersteigert
K.I.T.T. steht seit 2007 in Bern. Im Kofferraum liegt das Zertifikat, dass es sich um ein Originalfahrzeug handelt. «Nicht wie das Exemplar, vor dem man sich vor Jahren im Shoppyland posieren durfte. Das war ein Fake», weiss Megert. Seinen Wagen hat eine lange Reise hinter sich. Als Megert erfuhr, dass K.I.T.T. unter den Hammer kommen sollte, beauftragte er seinen Onkel in Ohio, den Wagen für ihn zu ersteigern. 160000 US-Dollar (heutiger Wert 173'800 Franken). war ihm Kauf und Transport seines Lieblingsautos nach Bern wert.
Die Auftritte von K.I.T.T.’s zweiter Lebenshälfte bestehen aus Events – Megert vermietet den Wagen. Aus dem futuristischen Flitzer ist ein Oldtimer geworden, dessen Herstellungskonzern General Motors am Untergehen ist. Die Marke Pontiac soll dabei eingehen. K.I.T.T. aber lebt in Bern weiter. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.06.2009, 15:01 Uhr
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