Auto

Elise – weniger ist bei Lotus mehr

Obwohl das Basismodell des neuen Lotus Elise nur 136 PS leistet, ist der Fahrspass am Steuer des kleinen flinken Briten enorm.

Spassmobil: Dem neuen Lotus Elise genügen 136 PS für Fahrspass pur. Zudem bleibt der Verbrauch mit 6,3 Litern auf einem anständigen Niveau.

Lotus

Stichworte

Weniger ist mehr – diese Erkenntnis setzt sich bei den Grossserienherstellern erst so ganz langsam durch. Während Audi, BMW und Co. erst seit ein paar Jahren auf die Pfunde schauen und an Hubraum sparen, hat der automobile Minimalismus bei Lotus eine lange Tradition. Schliesslich war schon der Lotus Seven eine rollende Verzichtserklärung und damit ein Spassmobil, das heute noch nachgebaut wird. Aber auch das aktuelle Modellprogramm zeugt von der Konzentration aufs Wesentliche: Der Evora will zwar ein alltagstauglicher Sportwagen sein, und der Europa ist ein fast schon komfortables Coupé. Doch der Roadster Elise gibt noch immer das leichte Mädchen, von dem sich viele andere Sportwagen noch ein paar Diät-Lektionen abschauen können. Der Zweisitzer wiegt dank Alurahmen und Kunststoffkarosse keine 900 Kilo und ist so schon mit kleiner Leistung bereit für grosse Taten.

136 PS genügen für den Lotus

Das beweisen die Briten mit der aktuellsten Modellpflege, die den mittlerweile 14 Jahre alten Sportwagen fit für die Zielgerade machen soll. Denn neben einem retuschierten Design und neuen Scheinwerfern mit Tagfahrlicht in LED-Technik hält im Heck auch ein neuer 1,6-Liter-Motor Einzug, für den Lotus auf 0,2 Liter Hubraum und jede Menge Leistung verzichtet: 136 PS und 160 Nm – das muss im neuen Basismodell fürs Erste reichen.

Zwar ist der Elise damit schwächer als viele VW Golf oder Opel Astra und macht beim Autoquartett mit diesen Werten gegen keinen anderen Sportwagen einen Stich. Doch auf der Strasse beweist der eilige Engländer eindrucksvoll, das weniger tatsächlich mehr ist: Weil der puristische Sportler im Fliegengewicht kämpft und zudem so wunderbar direkt und ungefiltert ist, wirkt er aggressiver und agiler als jeder Porsche Boxster.

In 6,5 Sekunden auf Tempo 100

Während der Motor laut aufbrüllt und mit jedem Gasstoss bellt wie die Hunde von Baskerville, beschleunigt er den Roadster beeindruckend nach vorn: In 6,5 Sekunden steht der Tacho bei 100, und auf der Rennstrecke schafft der Flitzer 204 km/h. Das fehlende Drehmoment des Elise kann man mit fleissiger Arbeit am Schalthebel kompensieren. Doch obwohl der Motor jede Menge zu tun hat, gibt er sich an der Tankstelle fast schon bescheiden und zeigt auch da die Nähe zum Kleinwagen: Ein Normverbrauch von 6,3 Litern ist für den Sportler keine schlechte Ansage.

Wirklich geniessen kann man das Rendezvous mit dem kleinen Lotus allerdings nur bei gutem Wetter. Denn erstens fehlt dem Sportler nach wie vor das ESP, das die Fehler des Fahrers ausbügeln könnte. Und zweitens ist der Roadster mit geschlossenem Verdeck extrem eng. Wer nicht schon mal ein paar Yogalektionen genossen hat, der hat kaum eine Chance, sich durch die schmale Lücke zu fädeln, die zwischen dem hohen Schweller und dem flachen Dach noch bleibt.

Also schauen wir dankbar zum blauen Himmel und nesteln an der nur handtuchgrossen Stoffbahn, die zwischen der flachen Front- und schmalen Heckscheibe gespannt ist. Schnell zwei Halterungen gelöst, wie am Deckel einer Thunfischdose gewickelt – und schon ist der Zweisitzer bereit für die erste Ausfahrt unter der Sonne. Und plötzlich wird auch das Einsteigen leichter: Einen Fuss auf den Sitz stellen, den zweiten nachziehen, kurz mit den Armen abstützen, die Füsse am Lenkrad vorbeischieben und dann einfach fallen lassen. Den Rest erledigt die Schwerkraft, und ans Aussteigen denken wir besser gar nicht.

Hohes Suchtpotenzial

Das ist nicht weiter schwierig. Denn Aussteigen ist so ziemlich das Letzte, was man in einem Elise tun möchte. Lieber noch eine Runde drehen und noch eine und noch eine. Schliesslich ist der keine vier Meter lange und kaum hüfthohe Sportler eine Fahrmaschine mit hohem Suchtpotenzial: Kaum ist der Startknopf gedrückt, gibt es kein Entrinnen mehr. Die Hände ruhen auf einem Lenkrad nicht grösser als eine Langspielplatte und wechseln nur für Augenblicke auf den massiven Aluknauf, der wie ein Tischtennisball den Schaltstummel ziert.

Die Füsse fliegen über drei schlanke Pedale, und die Augen halten Ausschau nach der nächsten Kurve, die im Lotus mehr Spass macht als auf der Achterbahn. Dafür sorgt auch die Sitzposition, die einen direkteren Fahrbahnkontakt vermittelt als in jedem anderen Serienauto. Man liegt so tief unten, dass man förmlich das Portemonnaie aus der Hose nehmen möchte, damit es nicht am Asphalt schleift. Die Lenkung reagiert frei von jeder Servounterstützung auf den kleinsten Fingerzeig, jeder Gasstoss wirft den Wagen unbehelligt von Regelsystemen noch ein paar Millimeter näher an die Ideallinie, und die Bremsen beissen fest wie eine englische Bulldogge.

Entspannen kann man beim Tanz mit dem Elise allerdings nicht. Weil der Purismus auch für das Interieur gilt, sucht man moderne Annehmlichkeiten vergebens. Nur gegen Aufpreis gibt es ein Radio, eine Klimaanlage und ein paar ziemlich überflüssige Elektromotoren etwa für die Fenster. Ein Handschuhfach fehlt, und statt des Cupholders liefern die Briten ein Alukörbchen, in dem Lederriemen die Dosen halten. Selbst wenn dort ständig ein Energy-Drink bereit steht, steigt man aus dem Lotus Elise aus, als käme man aus einem Fitness-Studio.

Das Hemd klebt auf dem Rücken, die Knie zittern, und der Blick wird seltsam unstet, wenn man zu lange geradeaus schaut. Und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb macht der kleine Exot von der Insel einfach enorm Spass – wahrscheinlich sogar viel mehr, als man sonst irgendwo für dieses Geld kaufen kann. Schliesslich beginnen die Verkaufspreise in der Schweiz bei 55?100 Franken und liegen damit deutlich unter einem vergleichsweise zahmen Boxster von Porsche (ab 70?700 Franken).

Lotus Elise

Masse: Roadster mit 2 Plätzen. Länge 3,78 Meter. Breite 1,72 Meter. Höhe 1,12 Meter.
Motor: 1,6-Liter-Benziner mit 136 PS.
Getriebe: 6-Gang manuell.
Fahrleistungen: Spurt 0 auf 100 km/h in 6,5 Sekunden, Spitze 204 km/h.
Verbrauch: 6,3 Liter (Werksangabe).
CO2: 149 g/km.
Preis: ab 55?100 Franken.
Infos: www.lotuscars.ch (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.05.2010, 07:56 Uhr

[Alt-Text]
Aktuelle Autos auf car4you

Auto

Populär auf Facebook Privatsphäre


Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie ein Wochenende am Blausee für 2 Personen...

Jobsuche

Jobs, in die man sofort wechseln will!

Jobsuche

Jobs, in die man sofort wechseln will!