Comeback mit Kante

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 19.08.2010

Es ist eine dieser Geschichten, wie sie nur das Internet schreiben kann: Erst tauchen in den PS-Blogs ein paar Gerüchte auf, dann streut jemand schemenhafte Fotos, die PS-Paparazzi erlegen einen ominösen Prototypen und plötzlich spekuliert alle Welt über ein Comeback des Lancia Stratos. Seit wenigen Tagen hat das Rätselraten ein Ende.

1/4 Technisch sind der alte und der neue Stratos näher beieinander, als man meinen mag. Wie schon das Original fährt auch der Nachbau mit einem Motor von Ferrari.
Bild: Lancia

Comeback mit Kante

   

Ja, so lautet die Botschaft der Website www.new-stratos.com, eines der erfolgreichsten und vor allem coolsten Rallye-Autos aller Zeiten wird neu aufgelegt – zunächst allerdings nur ein einziges Mal. Denn der passionierte Oldtimerfahrer Michael Stoschek, der ganz zufällig auch noch Chef des erfolgreichen Automobilzulieferers Brose ist, hat sich derart in den Donnerkeil aus Italien verguckt, dass er für sich und seinen Sohn eine Neuinterpretation des Zweisitzers in Auftrag gegeben hat. Allerdings schliesst Stoschek bei entsprechender Resonanz den Bau einer Kleinserie von 25 Exemplaren nicht aus.

Comeback nach 40 Jahren

Der Wagen mit dem mattschwarzen Karbonkleid wird seit fast zwei Jahren bei Pininfarina entworfen und entwickelt, hat jetzt gerade seine ersten Runden auf dem Fiat-Testgelände in Balocco gedreht und soll im November auf einer Rennstrecke in Frankreich präsentiert werden. Dieses Datum hat Stoschek nicht ohne Bedacht gewählt. Denn dann ist es genau 40 Jahre hat, dass Bertone auf dem Turiner Salon zum ersten Mal das Tuch von der Flunder gezogen hat. Ein Jahr später zeigt Lancia die Serienfassung des kantigsten Coupés aller Zeiten. In der Strassenversion kommt der Wagen mit der markanten Karosse aus Glasfaser-Kunststoff zunächst auf 190 PS, sprintet in 6,8 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 248 km/h. Und auf der Rallye-Piste ist der Stratos so schnell, dass er 1974, 1975 und 1976 dreimal in Folge die Weltmeisterschaft gewinnt.

Technisch sind der alte und der neue Stratos näher beieinander, als man meinen mag. Denn wie schon das Original fährt auch der Nachbau mit einem Motor von Ferrari. War es in den Siebzigern der 2,4 Liter grosse V6 des Dino, hat Stoschek einen F-430 Scuderia ausgeschlachtet. Von ihm kommt nicht nur die verkürzte Bodengruppe, sondern auch der 4,3 Liter grosse V8, der im Original auf 510 PS kommt. Weil der fast komplett aus Karbon gefertigte New Stratos wohl um die 100 Kilo leichter sein dürfte als der Ferrari, sollte er auch deutlich schneller sein. Den Sprintwert von 3,6 Sekunden wird er deshalb wohl unter- und das Spitzentempo von 320 km/h sicher überbieten.

Der erste Stratos erreichte Kultstatus

Weil vom ersten Stratos keine 500 Exemplare gebaut wurden und alle Versuche der Wiederbelebung gescheitert sind, ist der Stratos eine rasende Rarität, für die Fans tief in die Tasche greifen. War das Auto am Tiefpunkt seiner Karriere angeblich schon mal für unter 20 000 Mark zu haben, muss man heute nach Einschätzung vieler Sammler mindestens 70 000 oder 80 000 Euro für ein mittelprächtiges Exemplar investieren. Und wenn es dann noch ein Wettbewerbsauto mit ein bisschen Geschichte sein soll, dann ist leicht das Dreifache fällig. Michael Stoschek wird darüber nur lachen können. Denn erstens hat er natürlich längst einen originalen Stratos in der Garage, und zweitens wird es sein neues Auto kaum unter einer Million geben. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.08.2010, 17:16 Uhr

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