VW bringt Grossfamilien auf Sparkurs
Von Dieter Liechti. Aktualisiert am 01.03.2010
Über 600?000-mal hat VW den Sharan in den beiden ersten Modellgenerationen verkauft. Am Donnerstag feiert die dritte Generation des Familienvans Weltpremiere am Genfer Auto-Salon. Das ist auch dringend nötig, denn die Verkaufszahlen sind in den vergangenen Jahren stets zurückgegangen. Auch in der Schweiz: Wurde der Sharan 2007 immerhin noch von 645 Kunden geordert, waren es im vergangenen Jahr nur noch 324 Stück – für VW-Verhältnisse fast schon vernachlässigbar.
Doch obwohl das Vansegment als Gesamtes schlingert, will VW den Sharan in diesem Jahr wieder auf Kurs, genauer auf Erfolgskurs bringen. Und dazu hat man den Nachfolger von A bis Z neu gezeichnet und gebaut. «Es gibt nur noch zwei Bauteile, die sich der alte und der neue Sharan teilen», bestätigen die Wolfsburger: «Die Sonnenblenden. Alles andere, die Technik,
jedes Exterieur- und Interieurteil und jede Schraube sind neu an Bord!»
22 Zentimeter länger
Neu, aber nicht besonders überraschend ist das Design des Sharan – er sieht halt aus wie ein Familienvan. Sicher, im Vergleich zum Vorgänger wirkt der Neuling aus allen Perspektiven selbstsicherer und moderner. Das hat viel mit den neuen Propor-tionen zu tun: Der Sharan wurde nämlich nicht nur 22 Zentimeter länger (4,85 Meter), sondern auch breiter und niedriger. Zudem steht ihm das neue VW-Gesicht sehr gut. Kein Wunder: Konzern-Chefdesigner Walter de Silva und Marken-Chefdesigner Klaus Bischoff haben den Van komplett auf der Matrix der neuen Volkswagen-Design-DNA entworfen.
«Das sympathische und funktionale Design wird durch klare, horizontale Linien geprägt, ist frisch, aber keineswegs kurzlebig modisch», beschreiben die Wolfsburger ihr neustes Werk. «Ein Minimum an Linien, ein Maximum an Spannung.»
Doch wer einen Sharan kauft, der will keine Designikone, sondern in erster Linie ein praktisches und multifunktionales Fahrzeug. Ein Auto mit viel Platz. Und hier haben es die Ingenieure geschafft, trotz dem Längenzuwachs von 22 Zentimeter das Fassungsvermögen zu schrumpfen. Denn wo der aktuelle Sharan zwischen 852 und 2610 Liter geschluckt hat, sind es beim Neuling nur 711 bis 2610 Liter. Das ist weder Zauberei noch Rechenfehler, sondern die Folge des neuen Sitzkonzeptes Easy-Fold, das VW entwickelt hat. Denn ab Herbst stehen drei Grundversionen mit 5, 6 oder 7 Sitzplätzen parat. Dabei werden die Einzelsitze in der zweiten und dritten Sitzreihe nicht mehr ausgebaut, sondern mit einem Klappmechanismus im Boden verstaut – und zwar völlig eben. Das ist zwar viel praktischer als bisher, kostet aber ein wenig Platz.
1296 Kilometer Reichweite
Angetrieben wird der Familienvan von vier Turbomotoren, die allesamt mit einer Direkteinspritzung ausgerüstet sind. Die Benziner stellen 150 und 200 PS parat, die Dieselmotoren 140 und 170 PS. Im Schnitt sind die vier Motoren 21 Prozent sparsamer als die im aktuellen Sharan. Das Spar-Highlight ist der 140 PS starke Sharan 2.0 TDI, der mit einem Verbrauch von 5,5 Litern auf 100 Kilometer laut VW «den niedrigsten Verbrauchswert aller Vans dieser Klasse» aufweist.
Besonders beeindruckend: Wer diesen Wert mit sanftem Gasfuss schafft, kann mit dem 70-Liter-Tank theoretisch 1296 Kilometer ohne Tankstopp zurücklegen. Mit- verantwortlich für diese Werte ist auch das bewährte Doppelkupplungsgetriebe DSG, das es ab Herbst erstmals im Sharan gibt. Im Topmodell mit 200 PS sogar ohne Aufpreis. Dank diesen neuen Motoren und der adaptiven Fahrwerksregelung DCC soll sich der Sharan fahren wie ein VW Passat.
Der VW Sharan rollt in den Varianten Trendline, Comfortline und Highline auf die Strasse. Auf Wunsch mit Allradantrieb, mindestens 45?200 Franken teuer. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.03.2010, 21:40 Uhr
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