Auto

Statusfreier Allrounder

Von Thomas Borowski, Marrakesch. Aktualisiert am 16.04.2012

Die rumänische Billigmarke Dacia erweitert ihr Angebot um einen geräumigen Kompaktvan, der in seiner Einfachheit überzeugt.

1/3 Bunt geht es nur auf den PR-Fotos zu: Dacia Lodgy.
Bild: Dacia

   

Dacia Lodgy

Kategorie: 5-türiger Kompaktvan mit?bis zu 7 Sitzen.
?Masse: Länge 4498 mm, Breite 1751 mm, Höhe 1682 mm, Radstand 2810 mm.
Kofferraum: 207 bis 2617 Liter.
Motor: Zwei Benzinund zwei Dieselmotoren mit 82 bis 115 PS (60,5 bis 85 kW).
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h von 10,6 bis 14,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit von 160 bis 179 km/h.
Verbrauch: Von 4,2 bis 7,1 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangaben).?
CO2-Ausstoss: 109 bis 165 Gramm CO2-Ausstoss/Kilometer.
Preis: 12 900 bis 21 100 Franken.
Infos: www.dacia.ch

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Wie viel Auto braucht der Mensch? Der Frage haben sich die Verantwortlichen im Renault-Nissan-Konzern schon vor Jahren angenommen. Die Antwort gab deren rumänische Renault-Tochter Dacia bereits 2004: mit dem Logan, konzipiert für die boomenden Märkte in den Schwellenländern Europas. Ein billiges Familienauto ohne Luxus, das sich zum Erstaunen vieler aber auch in den etablierten Hochpreismärkten wie Deutschland oder der Schweiz bestens verkaufte.

In Deutschland wurde es im Zuge der Wirtschaftskrise mit der Abwrackprämie zeitweise als 5000-Euro-Auto verkauft. Und auch in der Schweiz ist der Logan als viertürige Limousine bis heute mit einem Neupreis von unter 10'000 Franken ein beliebtes Angebot im Tiefpreissegment, wie der Schweizer Dacia-Markenchef José-Antonio Feijoo sagt: «Mit unserem Markteintritt in der Schweiz Ende 2005 waren wir zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.»

Für die Familie gebaut

Denn auch in der wohlhabenden Schweiz gab und gibt es Kunden, die beim Autokauf in erster Linie auf den Preis achten. «Wer sich früher nur einen Gebrauchtwagen leisten konnte, wurde plötzlich bei uns fündig und erhielt für sein Geld erst noch einen robusten Neuwagen», erklärt Feijoo das Phänomen der Billigmarke. Der Erfolg von Dacia lässt sich mit Zahlen belegen: Seit Lancierung der Marke wurden mit der mittlerweile sechs Fahrzeuge umfassenden Angebotspalette weltweit über zwei Millionen Dacias verkauft.

In der Schweiz, die hinter Frankreich und Belgien zu den Top-Absatzmärkten der Rumänen zählt, waren es seit Verkaufsbeginn bis heute rund 19'000 Stück, angeführt vom 4x4-SUV Duster, gefolgt vom Kompaktwagen Sandero und dem Logan. Allerdings: in den ersten drei Monaten des Jahres hat Dacia in der Schweiz entgegen dem Markt 7,3 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Laut dem Markenchef machen in der Schweiz junge Familien den grössten Dacia-Käuferanteil aus: «Sie gehen mit ihrem verfügbaren Budget pragmatisch und trotzdem verantwortungsvoll an den Autokauf heran.» Vor diesem Hintergrund ist auch der neuste Wurf der Renault-Tochter zu sehen. Denn der ab sofort erhältliche Dacia Lodgy zielt als kompakter Van mit bis zu sieben Plätzen und unendlich scheinendem Stauraum exakt auf das Familiensegment ab.

Frei jeglicher Finesse

Mit der Wortspielerei im Namen Lodgy deutet der 4,5 Meter lange Van auf sein vermeintlich «lodge-ähnliches» Platzangebot hin. Damit ist es bei ihm in Sachen Spielereien aber auch schon getan. Denn bereits seine nüchterne Optik zeigt, dass auch dieser Dacia frei von jeglicher Finesse ist. Getreu dem Markenslogan «Lieber Werte fahren, als Status denken», haben die Dacia-Ingenieure ihr Augenmerk auf Robustheit, Zweckmässigkeit und Zuverlässigkeit gesetzt und sich dabei fleissig aus dem kostengünstigen Konzernregal bedient.

So finden sich im Lodgy bewährte Bauteile aus den Renault-Modellen Kangoo, Clio, Scenic und Megane. Schaden nimmt der Van dadurch aber keinen, im Gegenteil. Die ersten Probefahrten im Hinterland von Marrakesch meistert er vorzüglich. Sein Fahrwerk schluckt auch ärgste Schlaglöcher, auf kurvigen Landstrassen lässt er sich trotz hoher Bauweise nicht vom eingeschlagenen Weg abbringen und folgt genügsam den vorgegebenen Lenkbefehlen. Anzeichen von Unzulänglichkeiten, die auf seine Billigbauweise zurückzuführen wären, lässt der Lodgy keine aufkommen.

Mit dem bekannten 1,2-Liter-Benziner aus dem Renault Megane rollt der 1,3 Tonnen schwere Lodgy dank 115 PS unter der Haube kräftig voran und macht mit dem Durchschnittsverbrauch von 5,8 Litern gute Laune. Mit dem 110 PS starken Turbodiesel lässt er sich mit nur 4,4 Liter Verbrauch auf 100 Kilometern noch sparsamer fortbewegen und vermittelt trotzdem sogar so etwas wie Fahrspass. Denn Dacia hat dem Lodgy nicht nur passable Motorisierungen und leichtgängige 5oder 6Gang-Schaltgetriebe verpasst, sondern in seinem Interieur auch ein paar Zückerchen verbaut. So wurde seine Lärmdämmung – im Gegensatz zu den anderen Markenerzeugnissen – deutlich verbessert, was sich positiv bemerkbar macht.

Der Lodgy ist aber auch der erste Dacia überhaupt, in dem für 700 Franken Aufpreis ein einwandfrei funktionierendes Multimedia-System mit Navigation, Radio, Bluetooth-Freisprechanlage und einem 7-Zoll-Touchscreen verbaut wird. Leider ist dieser im sonst schmucklosen Cockpit zu weit unten positioniert.

Bis 2617 Liter Stauraum

Der grösste Pluspunkt des in der Schweiz als 5oder 7-Plätzer erhältlichen Lodgy ist aber sein variables Platzangebot. Gegen 800 Franken Aufpreis bekommt der Kunde im einfach mit Teppich ausgeschlagenen Interieur eine dritte Sitzreihe mit zwei Plätzen, die selbst zwei Erwachsenen genügend Raum bieten. Bei Bedarf lässt sich die dritte Bank einfach umklappen und ausbauen. Und legt man die zweite Sitzreihe ebenfalls um, erweitert sich der Laderaum im Lodgy von mindestens 207 auf stattliche 2617 Liter Stauraum. Viel Auto, das Dacia mit dem Lodgy für wenig Geld auf den Markt bringt und damit die eingangs gestellte Frage auf neue Weise eindrücklich beantwortet. Mitbewerber wie der Opel Zafira, der Peugeot 807 oder der VW Touran dürften an dieser Anwort wenig Freude haben.

Thomas Borowski fuhr den neuen Dacia am 12./13. April auf Einladung von Renault Schweiz in Marokko. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.04.2012, 19:32 Uhr

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