Schwedische Antwort auf A4 und 3er
Kühler Schwede? Von wegen. Beim neuen S60 packt Volvo alles, was die Marke traditionell schon zu bieten hat — hoher Standard, ausgefeilte Technik, grösstmögliche Sicherheit — in ein überraschend dynamisches Outfit. Leidenschaft statt Langweile soll neu das Motto sein, 90?000 verkaufte Autos pro Jahr sind das ebenso hochgesteckte Ziel. Und auch wenn Stephen Odell, Präsident und CEO von Volvo, vom «atemberaubendsten Volvo aller Zeiten» spricht: Ganz so nahe an die anvisierten beiden Hauptkonkurrenten, den Audi A4 und den 3er-BMW, kommen die Schweden dann doch nicht heran. Dazu schlagen die Herzen im Süden Deutschlands emotional einfach noch einen Tick höher.
Doch das geschärfte Design des S60 spielen die Schweden bei aller Begeisterung über ihr neustes Modell, das noch aus der Feder von Steve Mattin stammt und mit seiner coupéhaften Silhouette, seinen muskulösen Flanken und seinem straff geschnittenen Heck gefällt, ohnehin nicht als ihren grössten Trumpf aus. Sie haben andere Trümpfe in der Hand. Ihre gewohnt hohe Sensibilität für grösstmögliche Sicherheit zum Beispiel.
Der Volvo bremst automatisch
Und dabei kommt man beim neusten Volvo in der Tat — und glücklicherweise auch für andere Verkehrsteilnehmer — nicht zu kurz. Denn neben dem schon aus dem Crossover XC60 bekannten City-Safety-System, das durch eine automatische Vollbremsung Auffahrunfälle im Stadtverkehr verhindert, erfasst der S60 via Radar im Kühlergrill jetzt auch Fussgänger, die unvermittelt auf die Fahrbahn treten. Kinder vor allem, und zwar schon ab einer Grösse von 80 Zentimetern. In all diesen Fällen wird der Fahrer zunächst akustisch und optisch durch blitzende, rote Lichter auf der Windschutzscheibe gewarnt. Reagiert der Lenker nicht oder nicht rechtzeitig, so bremst das Auto selbstständig ab. Bei einer Fahrgeschwindigkeit bis
35 km/h wird der S60 — wie von Geisterhand — völlig zum Stillstand gebracht. Ist man schneller unterwegs, so verringert sich das Tempo bis auf 35 Stundenkilometer.
Volvo geht dank dieser aufwendigen und beeindruckenden Technik davon aus, dass 20 Prozent aller Unfälle mit Fussgängern künftig nicht mehr tödlich verlaufen werden. Schade nur, dass der Radar nicht mit Infrarot arbeitet. Und das System deshalb in der Nacht unwirksam bleibt.
Mit maximal 304 PS am Start
Damit der neue S60 aber nicht bloss sicher bremst, sondern auch souverän beschleunigt, halten im neuen Flaggschiff stärkere Motoren Einzug. So stehen zum Marktstart im September neben modifizierten Fünf- und Sechszylindern ein neu entwickelter Zweiliter-Vierzylinder mit Turboaufladung zur Wahl. Der Benzin-Direkteinspritzer leistet 203 PS und wird alternativ zur serienmässigen Sechsgang-Schaltung wie auch die Top-Version, der T6 mit 304 PS, mit Doppelkupplungsgetriebe ausgeliefert. Zum Start im Frühherbst ebenfalls im Angebot stehen ein 2,0-Liter- und ein 2,4-Liter-Diesel mit 163 oder 205 PS.
Eine eigentliche Sparversion, der DRIVe mit 115 PS, soll bis Jahresende folgen. Seinen Verbrauch gibt Volvo mit 4,3 Litern an, die CO2-Emission soll laut Werk unter
115 Gramm pro Kilometer liegen. Fortschritt, wenn nicht gerade in überschwenglicher Art, auch in dieser Hinsicht.
Den neuen Benziner hat Volvo zusammen mit Ford entwickelt, wo er zunächst im S-Max und dem neuen Galaxy zum Einsatzen kommen wird. Um die respektable Kraft aller Versionen auch souverän auf die Strasse zu bringen, haben die Schweden ihr Stabilitätsprogramm um die sogenannte Corner Traction Control (TCT) erweitert. Registriert das System Schlupf am kurveninneren Rad, wird es abgebremst und dafür mehr Kraft an das äussere Rad weitergleitet.
Der Kombi folgt bald
Das eröffnet auch dem Top-Modell T6, das aus sechs Zylindern 304 PS und 440 Newtonmeter schöpft und serienmässig über Allradantrieb verfügt, eine höhere Performance. Der Super-S60 beschleunigt in nur 6,5 Sekunden auf 100 km/h und würde die 250-km/h-Marke wohl ebenso spielend erreichen. Bei ersten Tests liess sich der T6 trotz hohem Eigengewicht ebenso präzise wie griffig um jede noch so scharfe Kurve lenken. Das tun im Übrigen auch die leichter geschürzten Versionen – wenn vielleicht auch nicht ganz so gierig. Und wenn CEO Odell den S60 «als Volvo mit dem besten Fahrwerk aller Zeiten» rühmt, dann hat er in dieser Beziehung bestimmt nicht übertrieben.
Doch wo muss man bei allem Lob – und nicht nur dem werkseigenen – beim neuen Volvo S60 auch Abstriche machen? Beim Platzangebot auf den beiden Rücksitzen zum Beispiel. Und vor allem beim Kofferraumvolumen. Das fällt im Kontrast zum wuchtigen Äusseren mit seinen 380 Litern fast schon etwas mickrig aus. Es ist wohl eine Konzession an die neue Formensprache. Aber es gibt zum Glück – auch für Volvo – schon bald eine Kombi-Version des S60. Sie ist auf Ende Jahr angesagt – gerade rechtzeitig auf die Ski- und Snowboard-Saison hin.
*??Peter Hegetschweiler fuhr den Volvo S60
am 1./2. Juni auf Einladung von Volvo Schweiz in Portugal.
Volvo S60
Masse: Mittelklasse-Limousine mit
4 Türen und 4 Plätzen: Länge: 4,63 Meter.
Breite 1,86 Meter. Höhe 1.48 Meter.
Motoren: Zwei Turbo-Benziner mit 203 und 304 PS und zwei Diesel mit 163 und 205 PS.
Fahrleistungen: Spurt von 0 auf 100 km/h in 6,5 bis 9,2 Sekunden. Spitze 215 bis 250 km/h.
Verbrauch: 5,1 bis 9,9 Liter (Werksangabe). CO2: 134 bis 231 g/km.
Preis: 46?000 bis 66?800 (Als Modell S60 T6
in der höchsten von vier angebotenen Ausstattungsversionen).
Infos: www.volvocars.ch (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.06.2010, 08:20 Uhr
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