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Das kommt mir chinesisch vor

Von Nina Vetterli, Peking. Aktualisiert am 27.04.2012

Chinas Autobauer scheinen sich noch nicht emanzipiert zu haben. In Peking können nach wie vor zahlreiche Plagiate bestaunt werden

1/6 Plagiate an der Peking Motor Show: Jac Heyue SC Coupé, ...
Bild: Nina Vetterli

   

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Der Luxusmarkt in der Volksrepublik brummt, die Genossen teilen ihr neues Vermögen am liebsten mit Gucci, Armani, Louis Vuitton und Co. Oder weichen auf Einkaufszentren wie den Silk Market in Peking aus, wo es dieselbe Designerware zum Bruchteil des Preises gibt. Billig kopiert, versteht sich. Der Unterhaltungswert im Wirrwarr bunter Taschen, Schuhe und Uhren ist hoch, der Geräuschpegel bei all dem «Hello Miss!», «Good price!» und verkäuferischen «You so beautiful!» allerdings genauso. Eine chinesische Hauptstrasse zur Stosszeit ist dagegen eine Oase der Ruhe.

Lebensfreude und Leidenschaft

Auf der Peking Motor Show hat man nach wie vor ebenfalls die Wahl zwischen westlichen Originalen und chinesischen Plagiaten. Wobei die Originale häufig nicht bloss kopiert, sondern neu interpretiert wurden. Das Heck des Jac-Sportwagens Heyue SC Coupé entstammt dem Ferrari California, in der Seitenansicht aber grüssen Mustang und Camaro. «Schatz, ich habe den Bentley Mulsanne geschrumpft», könnten wiederum die Entwickler des Geely Englon SC7-RS gesagt haben. (Oder «Schatz, ich habe eine saublöde Modellbezeichnung erfunden.»)

Dann wäre da noch der Hawtai B11 mit dem Appeal des vergangenen BMW 5ers und der Aussenlackierung einer HobbyPorzellanmalerin. Und wem das alles zu experimentell ist, der findet selbstverständlich auch klassische Kopierkunst: Etwa beim BMW-X1-Zwilling von Brilliance, dem kranken Mini-Bruder von Lifan, dem Hummer-H2-Doppelgänger von Dongfeng oder dem Fake-VW-Golf der einst ruhmreichen Marke MG.

Angeblich hat die Anzahl der Plagiate gegenüber den Vorjahren aber stark abgenommen. Eigentlich schade, denn was viele chinesische Autobauer an Eigenständigkeit zeigen, hat weder Ästhetik noch Unterhaltungswert. Schade auch, dass ich über die bestimmt auch interessante Technik der günstigen Fahrzeuge kaum Informationen finde. Als ich auf diversen Ständen nachfrage, heisst es nicht wie beim Silk Market «You so beautiful», sondern unfreundlich «No!». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2012, 19:51 Uhr

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