Wenn James Bond Kinder hätte

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 06.05.2010

Jetzt hat James Bond auch Platz für den Nachwuchs: Das Rapide-Modell des Luxuswagen-Herstellers bietet viel Kraft - und reichlich Platz.

1/12 Als weltweit «schönsten Sportwagen mit vier Türen» bringt Aston Martin Ende März den Rapide an den Start.
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Aston Martin Rapide - wenn Bond mal Papa wird

   

Valencia. Der Porsche Panamera zu pummelig, der Mercedes CLS zu gewöhnlich und der Maserati Quattroporte nicht Ihr Fall? Dann gibt es jetzt eine neue Alternative aus Grossbritannien. Denn als weltweit «schönsten Sportwagen mit vier Türen» bringt Aston Martin Ende März den Rapide an den Start. Mit der Kraft des DB9, dem Luxus einer feudalen Limousine und der Eleganz von über 50 Jahren Karosseriekunst will er den Spagat zwischen Fighter und Gleiter stehen und Besserverdiener mit Familiensinn von der Überholspur auf die Rennstrecke locken. Selbst James Bond hat deshalb schon angeklopft. Schliesslich sind für ihn die 271'000 Franken Grundpreis kein Problem, und vielleicht klappt es ja doch noch einmal mit Mrs. Moneypenny und der Familienplanung.

Ehefrauen als Wegbereiterinnen

«Sportlichkeit und vier Türen schliessen sich nicht aus», sagt Firmenchef Ulrich Bez und erklärt den Rapide mit ganz praktischen Argumenten: Wie oft wollen auch Sportwagenfahrer neben der Frau auch mal die Kinder mitnehmen? Wie unkomfortabel ist es, einen schweren Aktenkoffer an den Vordersitzen vorbei in den Fond zu bugsieren. Und wie oft macht die vernünftige Ehefrau dem gar zu unvernünftigen Mann bei der Wahl seines Traumwagens einen Strich durch die Rechnung, weil es keinen Platz für Enkel oder Einkäufe gibt?

Für all diese Argumente liefert der Rapide jetzt das perfekte Alibi – allerdings auch nicht viel mehr. Zwar öffnen sich die Türen ungewöhnlich weit und schwenken mit Rücksicht aufs Trottoir leicht nach oben. Und auf den ersten Blick wirken die beiden tief ausgeschnittenen Schalensitze im Fond tatsächlich verlockend. Doch muss man sich selbst bei 2,99 Metern Radstand schon gehörig durch den kleinen Ausschnitt quetschen und dann die Rückenlehne des Vordersitzes zwischen die Knie nehmen, bevor man sich in die Polster fallen lassen kann. Für kleine Kinder und leichte Mädchen ist das eine einfache Übung. Aber seinen Geschäftspartnern sollte man das besser nicht zumuten. Auch der Kofferraum ist mehr Schein als Sein: 301 Liter sind deutlich weniger als im Panamera und im CLS.

Kompromisslose Designansprüche

Dafür haben Bez und sein Team beim Design keine Kompromisse gemacht: Wo Autos wie der Panamera oder der Mercedes CLS durchaus auch ihre Schattenseiten haben, sieht der Rapide aus jeder Perspektive gut aus: Auf 5,02 Meter gestreckt aber nicht einmal 1,40 Meter hoch, steht er satt und breit auf der Strasse und wirkt so durchtrainiert wie ein Zehntausendmeterläufer vor dem Start. Die Front aggressiv wie ein wütender Tiger, die Flanke gestreckt wie eine Antilope im Sprung und die Kehrseite so knackig wie die eines Bond-Grils am Strand.

Auch innen ist der Rapide eine Augenweide und überrascht in jeder Ecke mit einer unglaublichen Liebe zum Detail – vom Zündschlüssel im Kristallglas-Design über die serienmässige Soundanlage von Bang & Olufsen und die kleinste aber schönste Sitztasche der Welt bis hin zum Haltegriff für die Fondspassagiere, der sich magnetisch an die B-Säule heftet.

Die Technik teilt sich der Rapide mit DB9 und Vantage. Deshalb sind nicht nur die gestreckte Plattform und das etwas anders übersetzte Getriebe identisch, sondern auch der grosse V12, der vorne tief unter der Haube liegt. Für die Insassen fast schon zu gut gedämmt und für die Passanten ein viel zu kurzes Vergnügen, lässt er den Rapide mit jedem Gasstoss wild aufschreien und treibt den Viertürer vehement nach vorn. 477 PS und bis zu 600 Nm reichen für einen Sprintwert von 5,2 Sekunden und Spitzentempo von etwa 300 km/h.

Sportwagen mit erweitertem Aktionsradius

Dabei überzeugt der Rapide mit einer messerscharfen Lenkung und einem überraschend komfortablen Fahrwerksabstimmung. Wären da nicht die Enge im Fond und die Lücken in der Liste der Assistenzsysteme, die nicht einmal Kurvenlicht, einen Tempomat mit Abstandregelung oder ein schlüsselloses Zugangssystem enthält, ginge der Viersitzer deshalb sehr wohl auch als Luxusliner für die Langstrecke durch und würde zur Alternative auch für S-Klasse & Co.

So jedoch ist er ein Sportwagen mit erweitertem Aktionsradius, dessen Revier vor allem kurvige Landstrassen sind. Je länger man dort unterwegs ist, desto leichter vergisst man die hinteren Türen und die beiden Rennschalen im Fond und wähnt sich am Steuer eines DBS. Nur bei wirklich spitzen Kehren, bei besonders scharfen Stopps bringt sich das Format wieder in Erinnerung – fünf Meter und zwei Tonnen Leergewicht kann auch Aston Martin nicht einfach weg diskutieren. Selbst wenn Firmenchef Bez mit dem Rapide sogar am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring starten will - «allerdings mit ein paar Zentnern weniger an Bord.»

Vielleicht auch deshalb hat Bez offenbar selbst Zweifel, ob der Rapide tatsächlich das richtige Auto für Commander Bond wäre - zumal der nächste Film ja erst Ende 2011 ins Kino kommt. Doch zumindest haben die 007-Macher bereits Probe gesessen. Und natürlich wären die Briten liebend gerne bereit, den Filmhelden auch bei seinem nächsten Abenteuer wieder in Fahrt zu bringen, sagt Bez, «Zumal Mr. Bond dann auch mal mehr als eine Freundin mitnehmen könne.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.05.2010, 09:45 Uhr

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