Im Maybach Zeppelin steht der teuerste Duftspender der Welt
Geld, so sagt der Volksmund, stinkt nicht. Aber es hat bisweilen einen ganz besonderen Geruch – zum Beispiel den von Grünem Tee oder dem japanischen Agar-Holz. Genau das sind die Grundstoffe für zwei eigens komponierte Parfüms, mit denen Maybach im neuen Zeppelin künftig mehr als einen Hauch von Luxus verbreiten will.
Denn wenn zu Preisen ab 483'000 Euro für den kurzen und 563'000 Euro für den langen Maybach die neue Spitzenvariante ausgeliefert wird, thront bei den allermeisten Modellen auf der Mittelkonsole zwischen den Fondsitzen der vermutlich edelste Duftspender aller Zeiten. Und der teuerste ist er wohl auch: Obwohl Maybach für den Zeppelin rund zehn Prozent Aufschlag erhebt, verlangen die Schwaben für die vornehme Duftorgel noch einmal rund 5000 Euro. Zwar würde das wohl auch für Wunderbäume bis zum Lebensende oder ein Wannenbad in Chanel No. 5 reichen, doch wer für seinen Wagen eine halbe Million Euro zahlt, muss auf solche Kleckerbeträge sicher nicht achten.
Von innen beleuchtet und mit mundgeblasenen Flakons bestückt, zaubert die gläserne, von der klimatisierten Luft durchströmte Aroma-Kugel auf Knopfdruck ein feines Aroma in den Innenraum, das beinahe eine tiefenentspannende Wirkung hat und für Produktmanager Patrick Marinoff mehr ist als eine luxuriöse Spielerei. «Kein Auto bietet im Fond so einen Luxus wie der Maybach, da war es für uns eine schöne Idee, diesen Genuss noch zu steigern und jetzt buchstäblich alle Sinne anzusprechen», sagt er und zitiert die Mercedes-Forscher, die dem Duft eine ebenso anregende wie beruhigende Wirkung zuschreiben und ihn deshalb für ähnlich wichtig halten wie eine gute Klimatisierung oder ein niedriges Geräuschniveau.
Verdunsten, nicht zerstäuben
Anders als das Aroma bisheriger Zerstäuber in billigeren Modellen oder nicht zuletzt die Ausdünstungen des legendäre Wunderbaumes sind die Maybach-Düfte – einer erfrischend, kühl und belebend, der andere etwas schwerer, süsser und holziger - äusserst dezent und obendrein flüchtig. «Wir nutzen als erster Hersteller der Welt ein flüssiges Parfüm, das nicht nur in feine Tropfen zerstäubt, sondern förmlich verdunstet wird», sagt Marinoff. So dauert es zwar ein paar Minuten, bis man den Duft tatsächlich riechen kann. Doch schaltet man das System danach wieder ab, hat die Nase dafür auch wieder Ruhe, und selbst in den Kleidern setzt sich nichts fest. Das erleichtert nicht nur den Wiederverkauf, sondern hilft zum Beispiel auch bei wechselnder Damenbegleitung. Denn neben den beiden eigens komponierten Maybach-Düften kann man natürlich auch jedes andere Parfüm in die beiden Reserveflacons füllen, die wie die die Pretiosen im Barfach eine Etage darüber in der Mittelkonsole gelagert oder wie der Familienschmuck in einer schwarzen Truhe transportiert werden.
Lammfelle und edlere Hölzer
Natürlich ist die besondere Duft nicht das einzige Extra des auf zusammen 100 Exemplare limitierten und der Wirtschaftskrise zum Trotz bereits weitgehend ausverkauften Maybach Zeppelin. Sondern innen gibt es noch mehr Lack und Leder, feinere Hölzer, weiche Lammfelle und den Zeppelin-Schriftzug in den Türleisten, an der optionalen Trennwand sowie auf den silbernen Sektkelchen für die Fondliegen. Und aussen erkennt man den Luxusliner am neuen Silberstreifen auf der Karosserieschulter, den dunkler eingefärbten Rückleuchten, modifizierten Spiegeln sowie einem grösseren modifizierten Auspuff. Ausserdem haben die Schwaben unter der Kühlerfigur und auf dem Heckdeckel ebenfalls einen Zeppelin-Schriftzug drapiert, der an das legendäre Zwölfzylinder-Modell erinnert, das vor dem Krieg die Krone des deutschen Autobaus getragen hat.
Auch unter der riesigen Motorhaube haben die Schwaben noch einmal Hand angelegt: Zwar ist der sechs Liter grosse Zwölfzylinder schon in der S-Version alles andere als schwachbrüstig. Doch wer mehr zahlt, der soll auch mehr bekommen. Deshalb hat Mercedes mit zwei neuen Turbos noch einmal an der Leistungsschraube gedreht und weitere 28 PS mobilisiert, so dass der Zeppelin nun 640 Pferde traben lässt. Nur am Drehmoment ändert sich nichts. Denn mehr als 1000 Nm können die Ingenieure dem Getriebe partout nicht zumuten.
In 5,1 Sekunden auf Tempo 1000
Dennoch geht es am Steuer des Luxusliners nun noch ein bisschen eiliger zur Sache. Obwohl 2,8 Tonnen schwer und in etwa so agil wie ein Kleinbus, gibt er den Sportler im Smoking, beschleunigt fast lautlos in 5,1 Sekunden auf Tempo 100 und gleitet wenig später mit 250 Sachen über die linke Spur. Dabei liegt man so ruhig und gelassen auf den Schlafsesseln im Fond, als rolle man mit kaum mehr als Schritttempo zwischen Privatjet und Luxushotel dahin – viel entspannter kann Reisen kaum sein. Und selbst das Umweltgewissen kann beruhigt sein. Denn mit 16,4 Litern verbraucht der Zeppelin trotz des stärkeren Motors weniger als die anderen Modelle. Wobei das den Kunden wahrscheinlich herzlich egal sein wird. Schliesslich sitzen viele von ihnen buchstäblich an der Quelle.
Zwar freut sich Marinoff über eine wachsende Nachfrage aus China und über stabile Geschäftsbeziehungen mit dem Mittleren Osten. Doch räumt auch der Produktmanager ein, dass das Geschäft in Europa und insbesondere in den USA in Zeiten der Wirtschaftskrise ausgesprochen «herausfordernd» sei. Und selbst wenn er partout keine Zahlen nennen will, braucht es nicht viel Phantasie für ernüchternde Bilanzen. Doch allen Unkenrufen zum Trotz zeigt sich Mercedes zufrieden mit der Entwicklung des inzwischen 2500 Mal verkauften Luxusliners: «Die Marke Maybach hat sich sehr gut etabliert und wird natürlich fortgesetzt», räumt Vertriebschef Detlef Barthelmes alle Zweifel aus: «Das machen schon die Produktneuheiten klar. Seit letztem Oktober ist das Maybach Landaulet erhältlich, jetzt kommt der Zeppelin. Und Sie können sicher sein - wir haben noch jede Menge Ideen für die Zukunft.»
Erstellt: 12.10.2009, 14:04 Uhr
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