«Im A8 steckt alles drin, was Audi kann»

Von Peter Hegetschweiler, Malaga. Aktualisiert am 06.05.2010

Für Rupert Stadler markiert die Neulancierung des Flaggschiffs A8 den Start in ein richtungsweisendes Jahr. Der Audi-Chef will 2010 wieder mehr als eine Million Autos verkaufen – und in der prestigeträchtigen Oberklasse zu Mercedes und BMW aufschliessen.

1/16 Dank dem neuen Flaggschiff will Audi die Millionengrenze bei den Verkäufen wieder überschreiten.
Bild: Audi

«Im A8 steckt alles drin, was Audi kann»

   

«Mehr geht nicht. Wirklich nicht.» Rupert Stadler, der erfolgreiche Audi-Chef, sieht den neuen A8, das Flaggschiff, ganz nahe am Ideal des perfekten Autobaus. Und als müsste er dies höchstpersönlich beweisen, fliegt er, der Überbeschäftigte, für die Fahrpräsentation des Über-Audi mal kurz nach Malaga. So ist denn von ihm das, was auch seine Botschaft ist, gleich im Originalton zu hören: «Der neue A8 verkörpert alles, was Audi kann und was Audi ausmacht.» Kein anderes Modell in der Oberklasse sei so sportlich, keines so effizient und keines so modern. Besser, so Stadler, könne man dem Slogan der Marke nicht nachleben: Vorsprung durch Technik.

Gleiter oder Sportler

Dass sich der Wagen trotz seines feudalen Formats so sportlich fahren lässt, wenn man denn wirklich will, verdankt er dem Audi Drive Select. Auf Knopfdruck kann man damit die Härte der Luftfederung variieren, die Schaltpunkte der neuen 8-Stufen-Automatik verändern oder das Drehzahlniveau anheben. So wird der Audi A8, der sich auf der Autobahn eben noch als gediegener Raumgleiter erwiesen hat, im Handumdrehen zum zwar nicht mehr so zahmen, aber locker beherrschbaren Sportwagen auf kurvigem Kurs.

Dazu befähigt den Luxusliner natürlich auch seine Motorisierung. Zwar geht der A8 nach seinem ersten, europäischen Auftritt am Genfer Salon vorerst nur mit zwei V8-Motoren an den Start. Doch beide, entsprechend modifiziert, haben es in sich und bieten mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Der 4.2 FSI mit 372 PS schafft die 100-km/h-Marke trotz der (fast) zwei Tonnen, die er zu beschleunigen hat, in 5,7 Sekunden, der Durchschnittsverbrauch soll dennoch nicht mehr als 9,5 Liter betragen. Noch eindrücklicher in der Leistung gibt sich der 4.2 TDI – und noch beeindruckender beim Verbrauch: Mit 7,6 Liter auf 100 Kilometer ist er momentan der einzige 8-Zylinder-Diesel, der die Schadstoffgrenze von 200 g/km unterschreitet.

«Serienmässige Effizienz»

Der neue Stolz der Audi-Sparer ist jedoch der 6-Zylinder-Diesel, der für die Schweiz bis im Sommer «nachgeliefert» werden soll. Mit 250 PS und einem Drehmoment von 550 Newtonmeter ausgerüstet, schafft der 3.0 TDI ebenfalls Bestwerte, soll aber dank der serienmässigen Start-Stopp-Automatik nicht mehr als 6,6 Liter verbrauchen. Rupert Stadler, der sich klar für Diesel als zurzeit adäquate Spritspar-Technologie ausspricht, nennt dies stolz «serienmässige Effizienz».

Sie soll Leitschiene bei allen Modellreihen sein – und beim neuen Flaggschiff schon sehr bald eine weitere Steigerung erfahren. Stadler spricht dabei eine auf 204 PS reduzierte Diesel-Version an, die als erster A8 mit Frontantrieb bloss noch 6 Liter verbrauchen soll. Bei diesem sparsamen Spritkonsum würde der CO2 unter 160 g/km sinken. Bislang unvorstellbar in der automobilen Oberklasse.

Doch eigentlich ist beim neuen Flaggschiff nicht primär Abspecken und Sparen angesagt, sondern das Gegenteil: Aufrüsten und Aufwerten. Das gilt denn auch für das edle Interieur, das in seiner perfekten Verarbeitung kaum mehr zu toppen ist. Und es gilt erst recht für die geballte Intelligenz neuer Assistenzsysteme. So bekommt der A8 nicht nur wie die Konkurrenz Kameras und Sensoren, welche Verkehrszeichen und selbst dunkel gekleidete Fussgänger in der Nacht erkennen können.

Erstmals machen sich die Audi-Ingenieure die Ortskenntnisse des Navigationssystems zunutze und programmieren dank der elektronischen Kartendaten die adaptiven Scheinwerfer so, dass sie in eine Kreuzung oder in eine Autobahnausfahrt hineinleuchten, noch bevor der Fahrer das Auto tatsächlich dorthin lenkt. Und noch etwas: Erstmals kann man im A8 das Navi mit seiner Handschrift «bedienen» – das System erkennt sogar chinesische Schriftzeichen.

Das mit der chinesischen Schrift ist kein Gag. Es hat System. Für Stadler ist klar: Wenn Audi wie bereits einmal – 2008 mit 1'003'469 verkauften Autos – auch 2010 die Millionengrenze schaffen will, dann geht das nicht ohne den Wachstumsmarkt Nummer 1, China. Letztes Jahr legte Audi im Reich der Mitte mit 159'000 Premium-Fahrzeugen gleich um 32,9 Prozent zu, Tendenz weiter steigend.

Da kommt wohl auch der neue A8 gerade rechtzeitig, um gegen die S-Klasse von Mercedes und den neuen 7er von BMW den Rückstand endlich wettzumachen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.05.2010, 09:42 Uhr

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