Auto
Ein Schönling für den perfekten Sommer
Von Peter Hegetschweiler. Aktualisiert am 05.02.2011
Eine passendere, auch stilgerechtere Affiche als Kapstadt hätte BMW (BMW 70.88 -0.84%) für die Präsentation seines neuen, grossen Cabrios mitten im kalten, europäischen Winter kaum finden können. Die südliche Spitze Afrikas bietet derzeit alles, was man sich an luxuriösem Lifestyle erträumen kann: ideale Temperaturen und herrliche Badestrände an der exklusiven Camps Bay am Fusse des Tafelberges, auch Corniche von Cape Town genannt. Es soll die teuerste Wohnlage von ganz Südafrika sein – auch das passt bestens zum neuen und edlen 6er-Cabrio, das zum «Inbegriff für Ästhetik, Dynamik und Luxus im Premiumsegment» werden soll.
70 Jahre Cabriolet-Tradition
So jedenfalls formulierte es diese Woche in Kapstadt Herbert Diess. Für das Vorstandsmitglied der Bayrischen Motorenwerke AG hat der offene 2+2-Plätzer nicht nur eine anspruchsvolle 70-jährige Cabriolet-Tradition der Münchner fortzusetzen, er soll auch zum neuen Imageträger der Marke werden. Mit gutem Grund: «Im offenen Sechser steckt alles drin, was wir derzeit zu bieten haben», so Diess in seinem emotionalen Statement. Deshalb auch dieser grosse Auftritt in Südafrika. Und deshalb auch – eine Ausnahme bei BMW, die bestenfalls die Regel bestätigt – der Start einer neuen Modellgeneration mit einem Cabrio. Die geschlossene Version, das Coupé, wird erst im Herbst folgen. Und der Viertürer im Stil eines Grand Coupé, das auch bei anderen Luxusmarken hoch im Kurs steht, dürfte bis 2012 auf sich warten lassen. Mindestens.
Dass BMW bei der Lancierung der neuen 6er-Reihe ganz bewusst auf das Cabrio setzt, ist das gerechtfertigt? Wir meinen Ja. Denn der Neue ist nicht bloss eleganter, sportlicher und dynamischer als der eher schwerblütige 7er, der den Ausdruck Flaggschiff vor allem deshalb noch immer rechtfertigt, weil er als (beflaggte) Staatslimousine vor dem Kanzleramt vorfahren darf. Als Frischluftversion bringt er die geschmeidige Eleganz, die ihm Designer Adrian van Hooydonk aufs Blech gezeichnet (oder besser: gezaubert) hat, zweifellos noch besser zur Geltung. Man kann es nicht anders sagen: Das neue 6er-Cabrio ist ein Schönling. Auch oder gerade bei geschlossenem Stoff-Faltdach in seiner coupéhaften Form. Das muss den Bayern erst einmal jemand nachmachen.
Die Konsequenz eines 2+2-Sitzers
Doch das Auto hat auch in anderen Belangen zugelegt. Und das nicht zu knapp. So ist der neue 6er um 74 Millimeter in der Länge und um 39 Millimeter in der Breite gewachsen. Vorne sitzt man, umgeben von dunklem Lack und hellem Leder, genauso komfortabel wie im 7er, die Passagiere im Fond allerdings haben auch weiterhin mit den Konsequenzen eines schön geformten 2+2-Sitzers zu leben – also mit eingeschränkter Reisetauglichkeit. Was auch für das Ladevolumen des 4,9 Meter langen Luxusliners gilt. Es erreicht knapp 350 Liter, bei geschlossenem Finndeck reduziert es sich auf 300 Liter. Apropos Stoffdach: Es öffnet und schliesst bis Tempo 40 km/h per Tastendruck in 19 beziehungsweise 24 Sekunden. Ein kleines Heer von Elektromotörchen machts möglich.
Alimentiert wird der neue 6er aus dem Baukasten von 5er und 7er. Und genauso wie der grössere und der kleinere Bruder wird er im Werk Dingolfing gefertigt, verfügt ebenfalls über ein aktives Fahrwerk mit variablen Dämpfern, Komfort- oder Sportmodus und bietet zudem auf Wunsch für nochmals gesteigerten Kurvenspass eine Aktivlenkung. Dazu kommt eine so perfekte 8-Gang-Automatik, dass die beiden Schaltwippen am Lenkrad völlig überflüssig sind.
Sanfter Cruiser, agiler Roadster
Solchermassen fahrdynamisch aufgerüstet, vermittelte das Cabriolet bei den ersten Probefahrten in Südafrika genau so viel Fahrspass wie angesagt. Obwohl der neuste Bayer über zwei Tonnen auf die Waage bringt, verwandelt er sich im Bruchteil einer Schaltsekunde vom sanften Cruiser in einen agilen Sportwagen. In Sachen Handling und Fahrgefühl gehört der grosse BMW-Roadster in diesem Segment zurzeit zur absoluten Elite.
Dazu befähigen ihn auch seine Motoren. Zum Start im Frühling in den neuen Cabrio-Sommer (in der Schweiz am 2. April) stehen allerdings erst zwei Aggregate zur Auswahl: Der 4,4 Liter grosse V8 mit 408 PS und ein Reihen-6-Zylinder, der aus seinen 3 Liter Hubraum 320 PS schöpft. Beide Autos sollen eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreichen, dann wird elektronisch abgeregelt. Für den Spurt von 0 auf 100 km/h gibt das Werk für den 8-Zylinder 5,0 Sekunden an. Das scheint realistisch.
Weit weniger realistisch dürfte da der von BMW berechnete Durchschnittsverbrauch des Topmodells sein. Für den V8 nennt das Werk 10,7 Liter. Das ist trotz aller BMW-spezifischer Effizienzmassnahmen, die auch dem 6er zuteil werden, eher utopisch. 15 Liter dürften wohl den Tatsachen entsprechen. Bei sportlicher Fahrweise sind es aber (noch) mehr.
Topversion ab 141?500 Franken
Doch das soll die Vorfreude auf den bayrischen Schönling genauso wenig trüben wie sein Preis. Ab 122?100 Franken kommt das 6er-Cabrio als 640i in den Handel, die Preisspanne beim 8-Zylinder (650i) beginnt bei 141?500 Franken. Ein 3,0-Liter- Diesel, der zumindest beim Verbrauch sparsamer sein wird, soll noch in diesem Jahr folgen.
*??Peter Hegetschweiler fuhr das 6er-Cabrio Anfang Woche auf Einladung von BMW Schweiz in Südafrika.
BMW 6er-Cabrio
Masse: Länge 4,89 Meter. Breite 1,90 Meter. Höhe 1,36 Meter. Motoren: Reihen-6-Zylinder mit 320 PS, V8 mit 408 PS. Fahrleistungen: Spurt von 0 auf 100 km/h in 5,0 bis 5,7 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (elektronisch abgeregelt). Verbrauch: 7,9 bis 10,7 Liter (Werksangabe). CO2: 185 bis 249 g/km. Preis: 640 i ab 122?100 Franken, 650i ab 141?500 Franken. Markteinführung: 2. April 2011.
Infos: www.bmw.ch (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.02.2011, 13:51 Uhr
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