Drive-by-Shopping mit Scheich Mohammed

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 11.01.2010

Ein Besuch im grössten Rolls-Royce-Showroom der Welt in Qatar zeigt: Auch wenn die Briten weltweit ein Minus von knapp 20 Prozent wegstecken müssen – zumindest im Nahen Osten ist die Welt für die Briten noch in Ordnung.

1/7 Das Engagement in Arabien kommt nicht von ungefähr: In Europa und Amerika lahmt das Geschäft mit dem Luxus, doch rund um den Persischen Golf schwelgen die Scheichs weiter im Reichtum.
Bild: Rolls-Royce

   

Video

Scheich Mohammed hat funkelnde Augen. Fast schon zärtlich streicheln seine Blicke die schillernde Figur, die über dem Kühler des Rolls-Royce thront: Nur noch ein paar Wochen, dann beginnt auch für den Endzwanziger aus Doha im Emirat Qatar die Liaison mit der silbernen Lady. Denn der junge Mann ist einer der ersten, der dort im neuen Ghost durch die Wüste und die modernen Hochhausschluchten am Persischen Golf gleiten wird.

«Ich kann es kaum erwarten, bis es endlich soweit ist», sagt Mohammed, der bislang einen Mercedes S-Klasse fährt und mehrmals im Monat in die neue Ausstellungslandschaft kommt, die die Briten vor wenigen Wochen auf der künstlichen Luxusinsel «The Pearl» zwischen Gucci-Boutiquen, Gourmet-Restaurants, Yachtanlegern und Luxus-Appartements eröffnet haben. Geräumig wie eine Tennishalle und edel wie ein Fünfsternehotel ist das Reich von Verkaufsleiter Joseph Tayyar, der zurzeit grösste Showroom der Marke, die weltweit gerade mal 83 Händler hat.

Jeder fünfte Rolls fährt im Mittleren Osten  

Das Engagement in Arabien kommt nicht von ungefähr: In Europa und Amerika lahmt das Geschäft mit dem Luxus, doch rund um den Persischen Golf schwelgen die Scheichs weiter im Reichtum, sagt Rolls-Royce-Chef Tom Purves: «So hat sich für uns die Weltkarte ein wenig verschoben und der Mittlere Osten gewinnt zusehends an Bedeutung: Jeder fünfte Rolls-Royce wird mittlerweile in diese Region ausgeliefert», sagt Purves mit Blick auf die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien und Katar und rechtfertigt damit die millionenschweren Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung des Händlernetzes.

Die Begeisterung von Menschen wie Scheich Mohammed ist für den Schotten wie Balsam. Denn weltweit muss er einen herben Rückschlag verkraften: Hatte Rolls-Royce 2008 mit 1212 Auslieferungen das beste Jahr in der Firmengeschichte, sind die Verkäufe im letzten Jahr um fast 20% auf etwa 1000 Autos abgestürzt. Doch ist es nicht nur der gute Ruf rund um den Golf, der Purves optimistisch stimmt. Auch der neue Ghost, der selbst mit viel Understatement kaum als «Einstiegsmodell» geführt werden kann, stimmt den Firmenchef optimistisch.

Geisterstunde ab 397'800 Franken

Das Auto gilt ihm als erster Rolls-Royce für Selbstfahrer, soll vorne links genauso viel Lust und Luxus bieten wie hinten rechts, ist kleiner aber kräftiger als der grosse Bruder Phantom, mit einem Preis von 397'800 Franken aufwärts noch immer hinreichend teuer und kommt bei den Kunden ausgesprochen gut an: «Als wir das Auto geplant haben und die Zeiten noch rosig waren, liefen unsere Schätzungen auf 1200 Vorbestellungen hinaus,» erinnert sich Purves. «Und jetzt, mitten in der Krise, haben wir über 1700 ernsthafte Interessenten in den Büchern und sind weit über das erste Jahr ausverkauft. Ganz so falsch kann die Entscheidung also nicht gewesen sein», sagt der Chef mit typisch britischer Ironie.

Zwar werden die meisten Rolls-Royce noch immer «daheim» in London verkauft. «Doch in der Weltrangliste sind wir mittlerweile unter den ersten zehn weit vorn», sagt Hausherr Tayyar in Doha und freut sich, dass er endlich genügend Platz hat in seinem neuen Reich. Bis vor der Neueröffnung waren er und seine Autos Gaststars beim örtlichen BMW-Händler. Das war zwar gut fürs Geschäft der Kollegen, weil die Scheichs zum Phantom für sich selbst gerne auch mal ein paar Fünfer für die Familie gekauft haben, sagt Tayyar. «Doch hier auf The Pearl präsentieren wir uns genau im richtigen Umfeld», freut sich der smarte Mittdreissiger über deutlich mehr Publikumsverkehr.

Weitere Ghost-Varianten möglich

Auch wenn selbst Ölscheichs keinen Rolls-Royce im Vorbeigehen kaufen wie ein T-Shirt oder ein paar neue Schuhe, ist jetzt immer was los in seinem vornehmen Laden. Ausserdem hat er nun genügend Platz für die gesamte Modellpalette. Sie ist mit den vier Spielarten des Phantom schon heute grösser als je zuvor in der Rolls-Royce-Geschichte und wird künftig noch weiter wachsen, deutet Purves an: «Die beiden Phantom-Limousinen mit normalem und langem Radstand, das Coupé und das Cabrio kommen sehr gut an. Gut möglich, dass wir diese Strategie für den Ghost übernehmen.»  

Das könnte auch Scheich Mohammed gefallen. Denn während er noch auf seine Ghost-Limousine wartet, geniesst er die Sitzprobe im Phantom Drophead Coupé und entdeckt den Reiz des offenen Fahrens – schliesslich ist es in der Wüste auch im Winter warm genug für ein Cabrio. Und dass ein Scheich gleich mehrere Rolls-Royce kauft, ist hier nichts besonderes, sagt Tayyar: «Ein Kunde hat drei Fahrzeuge auf einmal bestellt», erinnert er sich an seinen grössten Deal.

Der jüngste Qunde in Katar ist Neunzehn  

Dabei sind Kunden wie Scheich Mohammed, der ganz selbstverständlich die traditionelle Disch-Dasch trägt und gleichzeitig mit dem neuesten Smart-Phone hantiert, typisch für das neue Image von Rolls-Royce. «Die Marke ist nicht mehr verknöchert, verstockt und bieder, sondern modern und aufgeschlossen», sagt Purves und erklärt die Ära des Chauffeurs mit Mütze so langsam für beendet. Nicht umsonst montieren sie in Goodwood im Interieur immer häufiger Karbon statt Kirchholz, nicht umsonst reicht die Farbpalette vom schillernd goldenen Lack bis zum pinken Leder und nicht umsonst ist Tayyars jüngster Kunde gerade einmal 19 Jahr alt.  

Den Stimmungswandel erkennt man auch am neuen Showroom: Tayyars Reich ist keine plüschige Kopie des Buckingham Palace, sondern eine moderne Lounge, die auch als Lobby eines Designhotels durchgehen würde: Italienischer Marmor, asiatische Kunst, britische Hölzer und eine international bestückte Bistro-Ecke mit Kaffee aus Italien, Wasser aus Frankreich, The aus Englang und einem Barkeeper aus Pakistan, der jedem Kunden Fruchtcocktails nach dem individuellen Geschmack aus dem Handgelenk schüttelt – natürlich wie immer bei den Muslimen nur ohne Alkohol.  

Auch bei Rolls-Royce wird gefeilscht

«Hier sollen sich die Kunden wohl fühlen», sagt Tayyar, «schliesslich dauert die Beratung oft mehrere Tage». Denn bis aus hunderten von Hölzern, Lacken und Ledern die richtige Kombination gefunden ist, braucht es schon ein wenig Zeit. Und auch die Preisverhandlungen sind offenbar kein Kinderspiel. Dabei geht es zwar weniger ums Geld als ums Prinzip: «Aber egal ob im Autohaus oder in der Apotheke – wenn die Araber nicht feilschen, sind sie nicht zufrieden», lächelt Tayyar mit einem Schulterzucken über die Marotten seiner Kunden.  

Zwar sind am Persischen Golf Zahlen wie der Verbrauch vollkommen egal. Schliesslich kostet ein Liter Benzin weniger als eine Dose Cola, und für umgerechnet 15 Euro hat man den 100-Liter-Tank des Phantom neu gefüllt. Doch Firmenchef Tom Purves macht sich darüber sehr wohl Gedanken. «Unsere Fahrzeuge markieren in jeder Disziplin die Spitze: Im Luxus, im Komfort, und im Verbrauch», sagt der Chef, der freilich nur Maybach und Bentley als Referenzmodelle an der Tanksäule heranzieht. Auch wenn sparen in der Liga jenseits von 15 Litern Durchschnittsverbrauch selbst mit konventionellen Techniken leicht fällt, schliesst er alternative Antriebe nicht aus: Ein Hybridmodell sei durchaus denkbar, und was besser würde zum gediegenen Gleiten in einem Ghost passen als die geräuschlose Stille eines Elektromotors? «All das ist möglich», sagt Purves und freut sich über den grossen Baukasten der bayerischen Konzernmutter: «Wenn wir solche Technologien einsetzen wollen, müssen wir nur zugreifen. Das ist der Vorteil einer grossen Familie.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.01.2010, 14:15 Uhr

[Alt-Text]
Aktuelle Autos auf car4you

Auto

Populär auf Facebook Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Auto

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Telefonbuch

Marktplatz

Gratis ePaper für «Bund»-Abonnenten