Spätzünder Audi RS3
Von Peter Hegetschweiler. Aktualisiert am 22.03.2011
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Was lange währt, wird endlich gut. Sagt der Volksmund. Audi ( 565 0.00%) – und insbesondere dessen Edelschmiede, die Quattro GmbH – würden es wohl so ausdrücken: Was lange währt, das wird perfekt. Im Fall des RS3 trifft das zu. Seit 1996 wird die A3-Reihe, auf welcher der Kompaktsportler basiert, gebaut. Doch auch als 2003 die zweite Generation des «Premium-Golf» auf den Markt kam, war von einer RS-Version analog zu A4 und A6 keine Rede. Im Gegenteil: In Neckarsulm, wo die sportlichen Audis auf noch höhere Leistung getrimmt und optisch dynamisiert werden, winkte man cool ab: «Kein Thema», gab Chefentwickler Stefan Reil stets zu verstehen.
«Mehr Premium geht nicht»
Erst jetzt, da Audi bereits die dritte A3-Generation angekündigt hat, und am Genfer Salon mit einem attraktiven Conceptcar einen Vorgeschmack darauf gab (siehe unten), kommt er doch noch, der RS3. Und zwar mit allem, was Audi in Zusammenarbeit mit der Quattro GmbH zu bieten hat. «Mehr Premium in Sachen Technik geht nicht», sagte Audi-Entwicklungsvorstand Michael Dick in Genf. Den Beweis dafür liefert Audi derzeit bei der Fahrpräsentation des RS3 in Monaco.
Natürlich wird nicht auf dem Formel-1-Rundkurs gefahren. Obwohl: Auch dort würde der RS3 keine schlechte Figur machen. In 4,6 Sekunden beschleunigt er aus dem Stand auf 100 km/h. Und stürmt danach so vehement und dennoch locker weiter, dass man die vom Werk gesetzte, elektronische Grenze von 250 km/h sehr wohl übertreffen könnte.
Ein Trick für mehr Grip
Doch eigentlich ist das heute alles Theorie. Gedankenspielerei. Und um den dynamischen Fahrspass zu geniessen, den einem der RS3 zu bieten hat, auch gar nicht nötig. Seine Performance spielt der alltagstaugliche 5-Plätzer auch im Rahmen gängiger Limiten überzeugend aus. Auf nasser, kurvenreicher Strasse beispielsweise. Das straff, aber nicht (zu) hart abgestimmte Fahrwerk lässt einem das Auto wie auf Schienen lenken, selbst im Grenzbereich ist kaum ein Untersteuern zu provozieren. Für dieses hohe Mass an Neutralität und Stabilität mitverantwortlich ist eine Massnahme, welche die Quattro GmbH erstmals bei einem RS-Modell trifft: Um das Gripniveau an der Vorderachse zu erhöhen sind vorne breitere Reifen aufgezogen als hinten.
Sieht man von dieser spezifischen Innovation ab, war es für die Quattro-Truppe vergleichsweise ein Leichtes, die erste RS3-Version auf die Räder zu stellen. Denn der Antrieb stammt 1:1 aus dem vor zwei Jahren lancierten TT RS. Von dort haben die Entwickler nicht nur den Quattroantrieb mit Haldex-Kupplung und das Doppelkupplungsgetriebe mit 7 Stufen übernommen. Sondern – und dies vor allem – den 2,5 Liter grossen 5-Zylinder. Der aufgeladene Direkteinspritzer mit dem kehligen Sound leistet 340 PS und brilliert mit 450 Newtonmeter.
Im Konzern ist dieses Aggregat eine Legende. In den 80er-Jahren galt Audi als die 5-Zylinder-Marke schlechthin. So war der Ur-Quattro, den der heutige Porsche-Werksfahrer Walter Röhrl einst zu Rennerfolgen pilotierte, ebenfalls mit diesem Aggregat bestückt. Genauso wie der RS2 von 1994, auch Audi-Porsche genannt, der die RS-Reihe begründete. Stefan Reil hat bei der Entwicklung des ebenfalls sehr kompakten TT RS darauf zurückgegriffen. Mit nachvollziehbarem Grund: «Der 5-Zylinder verbindet die Sparsamkeit eines 4-Zylinders mit der Kultiviertheit und der Potenz eines 6-Zylinders», erklärt der Chefentwickler. Apropos sparsam: Im Schnitt soll sich der RS3 mit 9,1 Liter auf 100 Kilometer begnügen. Fährt man den Kompaktsportler auch so, wie er sich nennt, so sind es wohl eher 12 Liter. Oder mehr.
In der Schweiz ausverkauft
Dank diesen Synergien, die man in Neckarsulm nutzen konnte, lässt sich teilweise erklären, warum es zum Abschluss der zweiten A3-Gerneration und nach langen 15 Jahren nun doch noch einen RS3 gibt. Aber seine späte Realisierung hat auch Gründe. Einer davon: Hauptkonkurrent BMW bringt fast gleichzeitig – im Mai – die M-Version des 1er-Coupés an den Start, ebenfalls 340 PS stark und ausstattungsmässig auf gleich hohem Niveau. Premium eben. Dann gibt es die Expansionspläne der Quattro GmbH, die laut Betriebsvorstand Peter Schwarzenbauer ihren Umsatz bis ins Jahr 2015 verdoppeln will. Und natürlich ist bei Audi selbst das Interesse gross, jede sich bietende Nische zu besetzen. Mit sehr schönen wirtschaftlichen Perspektiven übrigens: Die ersten 300 RS3, die noch dieses Jahr zu einem Preis von 79?900 Franken in die Schweiz kommen, sind alle schon verkauft.
*?Peter Hegetschweiler fuhr den neuen RS3 am 16./17. März auf Einladung von Audi-Importeur Amag in Monaco.
Audi RS3
Masse: Länge 4,30 Meter. Breite 1,79 Meter.Höhe 1,40 Meter. Gewicht: Leergewicht 1650 Kilogramm. Kofferraum: 302 bis 1032 Liter. Motor: 2,5-Liter-5-Zylinder-Benziner FSI mit 340 PS PS (251 kW). Maximales Drehmoment 450 Nm ab 1600 U/Min. Getriebe: 7-Gang-DSG. Antrieb: Quattro-Allradantrieb. Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 4,6 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 250 km/h. Verbrauch: 9,1 Liter auf 100 Kilometer (offizielle Werksangabe). CO2: 212 Gramm pro Kilometer. Preis: ab 79?900 Franken. Markteinführung: Mai 2011. Infos: www.audi.ch (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.03.2011, 00:46 Uhr
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