Nissan, die tun was
Von Dieter Liechti. Aktualisiert am 03.07.2010
Plus 44,6 Prozent nach 5 Monaten: Nissan fährt in der Schweiz auf der Überholspur. Und das in erster Linie dank dem Qashqai, jenem Auto, das im März 2007 den biederen und erfolglosen Almera abgelöst hat. Über eine halbe Million des kompakten Crossovers haben die Japaner mittlerweile in Europa verkauft, und 80 Prozent der Qashqai-Käufer (bei uns 70 Prozent) sind dabei erstmals im Nissan-Portfolio fündig geworden.
Das macht Appetit. Appetit auf mehr. Mehr Modelle, mehr Segmente, mehr Verkäufe – und damit noch mehr Erfolg. Aus diesem Grund haben die Japaner diesen
Januar den schrägen Cityflitzer Cube auch in Europa lanciert, im März den Bestseller
Qashqai von A bis Z aufgewertet, und nun rollen sie einen weiteren «Querschläger» an den Start: den Juke – den ersten Junior-Crossover.
«Ein Schuss Abenteuergeist»
Was von hinten sportlich und hübsch, von der Seite interessant und von vorne eher gewöhnungsbedürftig aussieht, ist nicht etwa misslungenes Design. Sondern Kalkül. Wie mit dem Cube wollen die einst so durchschnittlichen Japaner Emotionen wecken, optisch für Aufsehen sorgen. Im wahrsten Sinne des Wortes. «Der Juke belebt den Markt durch einen Schuss Abenteuergeist», freut sich Pierre Loing von der Produktplanung bei Nissan Europe über den Neuling.
Und Vincent Wijnen ist überzeugt, mit dem Juke ein weiteres Erfolgsmodell am Start zu haben. «Er nutzt die besten Gene eines SUV und eines Sportwagens und fügt sie auf ideale Art zusammen», schwärmt der Vize-Marketingchef und fasst die Qualitäten des Junior-Crossovers zusammen: «Er ist geräumig und dennoch kompakt, robust und zugleich dynamisch sowie genauso praktisch wie spielerisch. Diese Tugenden verschmelzen im Juke zu einem einzigartigen Ensemble.»
Grosse Worte für ein verhältnismässig kleines Auto – 6,5 Zentimeter kürzer als ein neuer VW Golf –, weshalb wir den Juke bei den ersten Probefahrten in Deutschland vor allem bezüglich dieser Tugenden unter die Lupe genommen haben.
1. Geräumig und kompakt: Mit seinen effektiven Aussenmassen (siehe Daten rechts) ist der Nissan Juke im Vergleich zur bestehenden Crossover-Konkurrenz tatsächlich sehr kompakt. Optisch wirkt er wegen des akzentuierten Designs und der SUV-typischen Höhe eine Klasse grösser. Innen sieht es anders aus: Der Kofferraum des Topmodells mit Allradantrieb fasst nur 207 Liter – das ist nur gerade ein Liter mehr als ein Fiat Panda, der immerhin 60 Zentimeter kürzer ist. Fahrer und Beifahrer dürfen sich aber über fast schon fürstliche Platzverhältnisse und tolle Sitze freuen. In der 2. Reihe fährt man zu viert aber ohne Gepäck sehr bequem.
2. Robust und dynamisch: Ob innen oder aussen – der Juke ist kein Joke und macht einen sehr robusten Eindruck. Obwohl das Basismodell nur 23?900 Franken kostet, sind Verarbeitung und Materialien überraschend hochwertig und gut. Im Topmodell macht sich dank dem straffen Ledergestühl sogar ein Hauch von Luxus breit. Und Dynamik. Vor allem die Allradvariante mit 190-Benziner-PS macht auch beim Fahren Spass. Selbst das stufenlose CVT-Getriebe – normalerweise ein Garant für spassfreie Fortbewegung – kann die Freude am Fahren im Juke nicht trüben. Das ist aber auch ein Verdienst des weiter überarbeiteten Fahrwerks. Allerdings: Wer den Juke 4x4 1.6 DIG-T sportlich bewegt, zahlt auch beim Tanken drauf. Dann werden aus den theoretischen 7,6 Litern rasch 10 Liter oder mehr.
3. Praktisch und spielerisch: Für zwei Personen oder eine kleine Familie ist der Nissan Juke praktisch. Denn dann brauchts keinen grossen Kofferraum, und Kinder stören sich nicht am engen Einstieg hinten. Dafür dürfen sich die Passagiere über das hervorragende Soundsystem freuen, das auf allen Plätzen Festivalatmosphäre bietet. Und für die «grossen Kinder» hat Nissan auch vorgesorgt: Auf Knopfdruck verwandeln sich Display und Schalter der Klimaanlage in das Nissan Dynamic Control System. Dort können Fahrer oder Beifahrer wählen, ob sie als Sportler, Sparer oder Normalo reisen wollen. Ihre Erfolge werden mittels Sternen im «Öko-Meter» oder Balken im G-Meter angezeigt.
Obwohl der Juke erst am 9. Oktober in die Schweiz rollt, will Nissan noch in diesem Jahr 400 Exemplare verkaufen. Wetten, dass die mutigen Japaner auch dieses Ziel schaffen?
*??Dieter Liechti fuhr den neuen Juke am
1./2. Juli auf Einladung von Nissan Schweiz
in Deutschland.
Nissan Juke
Masse: Kompakter Crossover mit 4 Türen
und 5 Plätzen. Länge 4,135 Meter. Breite
1,765 Meter. Höhe 1,57 Meter.
Motoren: Zum Marktstart im Oktober zwei Benziner mit 117 PS (86 kW) und 190 PS
(140 kW) und ein Diesel mit 110 PS (81 kW).
Fahrleistungen: Spurt von 0 auf 100 km/h in 8,0 bis 11,3 Sekunden, Spitze 175 bis 215 km/h.
Verbrauch: 5,1 bis 7,6 Liter (Werksangabe). CO2: 134 bis 175 g/km.
Preis: 23?900 (117-PS-Benziner mit Vorderradantrieb) bis 34?900 Franken (190-PS-Benziner mit Allradantrieb, Automatik und in der höchsten von drei Ausstattungsstufen).
Infos: www.nissan.ch (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.07.2010, 17:27 Uhr
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