Nissan Cube: Quadratisch, praktisch – aber auch gut?
Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 07.07.2009 1 Kommentar
Quadratisch, praktisch, gut – das gilt nicht nur für Schokolade. Sondern nach dem gleichen Prinzip ist auch der Nissan Cube zum Erfolg geworden. Bisher aber nur in Japan. Denn für den Rest der Welt war der Kleinwagen nicht entwickelt. Weil die Verkäufer in den USA und Europa immer lauter nach dem kultigen Kasten gerufen haben, sind jetzt die Würfel in der richtigen Richtung gefallen: Der zweite Cube ist fit für den Export und kommt Ende Jahr auch nach Europa.
Zwar muss sich das Original bei seinem späten Start mit Nachahmern wie dem Kia Soul oder dem Daihatsu Materia messen. Doch das Warten hat sich gelohnt, wie erste Testfahrten in den USA beweisen: Selten war ein Kleinwagen so auffällig und vollkommen anders als Polo, Corsa und Konsorten. Kein Wunder: Die Designer waren bei keinem anderen Nissan-Projekt – ausser dem Supersporler GT-R – mit so viel Herzblut bei der Sache wie beim Cube, berichten die Japaner stolz.
«Bulldogge mit Sonnenbrille»
Als hätten sie versucht, ihren iPod auf Räder zu stellen, haben sie den Cube mit Ecken und Kanten aus dem Blech gefaltet und danach die Übergänge rund geschliffen. Ausserdem haben sie Fenster in den Würfel geschnitten, wie man sie bei keinem anderen Auto findet: Sie sehen aus wie eine Mischung aus Schiessscharten, Bilderrahmen und Bullaugen, laufen wie ein Lichtband ums ganze Fahrzeug herum und lassen das Dach optisch auf dem Wagen schweben.
Eine «Bulldogge mit Sonnenbrille» erklären die Designer das Leitmotiv für die gedrungene Statur, die ungewöhnlichen Proportionen und die dunklen Glasflächen, die den Cube ein bisschen böse aussehen lassen und ihn trotzdem sympathisch machen. Der eigentliche Clou ist allerdings die seitlich angeschlagene Heckklappe, die man öffnet wie eine Kühlschranktüre. Sie ist nicht nur praktisch, weil man so auch in engen Parklücken gut einladen kann. Sondern weil die Karosserie am Anschlag mit Lack und auf der anderen Seite mit Glas bedeckt ist, sprengt sie zugleich die Symmetrie des Hecks und macht den Cube wirklich unverwechselbar.
Zum unkonventionellen Design gibt es einen passenden Innenraum, der wie ein modernes Clubzimmer gestaltet wurde. Zwar bleibt die durchgehende Sitzbank in der ersten Reihe den Kunden in Japan vorbehalten. Doch zumindest im Fond bekommt der spleenige Nissan ein bequemes Sofa, das zugunsten der besseren Aussicht etwas höher montiert wird und sich mit wenigen Handgriffen zur Spielwiese für allerlei Parkplatzfreuden umgestalten lässt: Man kann die Bank nicht nur längs verschieben, sondern auch die Neigung der Lehne verstellen und in drei Positionen arretieren.
Disco-Beleuchtung inklusive
Aufgebaut auf der künftigen Plattform von Nissan Note und Renault Clio misst der Cube 3,98 Meter und bietet mit seinen weit in die Ecken gerückten Rädern und einem Achsabstand von 2,53 Metern innen überraschend viel Platz: Vorn wie hinten können auch grosse Menschen bequem sitzen. Das Kofferraumvolumen ist bei umgelegter Rückbank allemal gross genug für einen üppigen Wochenendeinkauf samt Zwischenstopp im Möbelhaus. Bei voller Bestuhlung passen noch rund 250 Liter hinter die Klappe.
Für Stimmung sorgen dabei stilistische Details wie das weich geschwungene Armaturenbrett oder das immer wiederkehrende Muster, das ein Regentropfen erzeugt, wenn er in eine Pfütze fällt: Konzentrische Kreise, die man im Cube in den Türen ebenso finden kann wie rund um die Deckenleuchte oder am Boden der Becherhalter. Zudem wechselt der Cube die Innenraumbeleuchtung auf Knopfdruck wie in der Disco fliessend zwischen 20 Farben und taucht Cupholder und Fussraum in ein buntes Wechselbad. Und in den Türen gibt es farbige Gummibänder, mit denen man Karten, Tickets und vieles mehr fixieren kann, bevor sie im Nirgendwo des Fussraums verschwinden. Und schliesslich liegt – zumindest in der US-Version – auf dem Armaturenbrett ein tellergrosser Teppichkreis, in dem das iPhone so tief versinkt, dass es selbst in schnellen Kurven nicht durch den Wagen fliegt.
In den USA 13'990 Dollar
Allerdings kann die Vielzahl dieser hübschen Details nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Designer auch auf den Preis achten mussten. In den USA kostet der günstigste Cube 13'990 Dollar. Da bleibt nicht viel Luft für eine vornehmere Materialauswahl, die von den Amerikanern ohnehin nicht goutiert wird. Billige Kunststoffe und eine Gummimatte als Gepäckraumabdeckung muss man in Kauf nehmen. Aber vielleicht bessert Nissan auf dem Weg nach Europa nach. Denn der witzige Würfel dürfte bei uns eher 30'000 als 20'000 Franken kosten.
In den USA gibt es den Cube nur mit einem 1,8 Liter grossen Vierzylinder mit 122 PS, der im Stadtverkehr gut mithalten kann. Zumal der Cube trotz eines überraschend grossen Wendekreises sehr handlich und übersichtlich ist. 170 Nm und ein angenehmes 6-Gang-Getriebe bringen den Würfel in unter zehn Sekunden auf Tempo 100 und machen ihn schneller, als es die Polizei erlaubt. Mit den 70 Meilen pro Stunde hat er kein Problem, und mit den 120 km/h bei uns auch nicht. Allerdings gibt es für Europa eigene Motoren aus dem biederen Vetter Nissan Note. Zur Wahl stehen dann ein 1,6 Liter grosser Benziner mit 110 PS und ein Diesel mit 1,5 Litern Hubraum und 106 PS. Ihr Verbrauch wird wohl knapp unter 7 und etwa über 5 Liter liegen. Die spannendste Motorvariante kommt erst 2011. Denn dann gibt es den Cube auch mit Elektromotor. Aber das Warten sind die Würfelfreunde bei Nissan ja schon gewohnt.
* Thomas Geiger ist freier Journalist und fuhr den Nissan Cube im Juni in den USA. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.07.2009, 08:39 Uhr
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1 Kommentar
Dieses Fahrzeug ist genial. Auf meinen Japanreisen hatte ich das Vergnügen, damit zu fahren. Im japanischen Alltag findet man den Nissan Cube an jeder Ecke. Ich sage nur, quadratisch, praktisch, gut. Einziger Wehrmutstropfen: wie immer ist ein Auto viel zu teuer in der Schweiz. Speziell ein solches, dass dann über 20'000 Franken kostet, für mich einfach nicht nachvollziehbar. Schade... Antworten
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