Auto
French Connection
David und Cathy Guetta: Im Namen des Renault Twizy auf PR-Tour. (Bild: Renault)
Renault Twizy
Kategorie: Quad mit Elektromotor und zwei hintereinander platzierten Sitzen.
Masse: Länge 2338 mm, Breite 1396 mm, Höhe 1451 mm, Radstand 1686 mm. Leergewicht: 473 Kilogramm ohne Fahrer, inklusive Batterie.
Wendekreis: 6,8 Meter.?
Kofferraum: 31 Liter Staufach.?
Motor: Elektromotor mit 18 PS (13 kW). Maximales Drehmoment von 57 Newtonmetern.
Batterie: Lithium-Ionen mit einer Kapazität?von 6,1 kWh. Reichweite maximal 100 Kilometer (Angaben des Herstellers).?
Fahrleistungen: 0 bis 45 km/h in 6,1 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 80 km/h.
CO2-Ausstoss: kein lokaler CO2-Ausstoss.
Markteinführung: April 2012.?
Preis: ab 9600 Franken (Modell Urban), ab ?10 000 (Color) und 10 900 (Technic).
Batteriemiete: ab 59 bis 86 Franken (Monat).
Infos: www.renault.ch.
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Eines muss man den Franzosen lassen: In Sachen Elektromobilität geben sie den Ton an. Während die Konkurrenz noch immer über Sinn und Unsinn von Elektrofahrzeugen sinniert, macht Renault Nägel mit Köpfen. Oder eben Stromer. So wie den Twizy, der im April ab 9600 Franken in die Schweiz rollt. «Unser drittes Elektrofahrzeug», hiess es stolz bei der Präsentation auf der Partyinsel Ibiza. Denn seit ein paar Monaten rollen bereits der Fluence und der Kangoo lautlos als Z.E. durch die Welt. Z.E. steht bei Renault für «Zero Emission».
Mit diesem Trio erinnern die Franzosen an ihren einstigen Slogan – «Createur d’Automobiles» —, den man 2008 leicht beschämt aus dem Firmennamen gestrichen und durch «Drive the Change» ersetzt hat. Was damals von der Konkurrenz belächelt wurde, macht heute Sinn. Vor allem dank dem Twizy.
Für die Generation iPhone
Denn während die elektrischen Fluence und Kangoo eher als fahrende Verzichtserklärungen denn als Trendsetter taxiert werden, geht der Twizy trotz schmalem Aufbau von knapp 1,4 Metern (inklusive Aussenspiegel) mit breiter Brust an den Start: «Mit dem Twizy begründen wir wie einst mit dem kleinen Twingo oder dem geräumigen Espace ein völlig neues Segment», frohlockt Renault. Und beschreibt auch gleich, welche Zielgruppe man mit dem E-Flitzer primär im Visier hat: «Junge urbane Menschen, die ein kompaktes und wendiges Fahrzeug für die Stadt suchen. Sie fühlen sich als Trendsetter und besitzen gerne die neusten technischen Geräte wie Smartphones und Tablets.» Also Generation iPhone.
Da passt es bestens, dass die Franzosen nicht etwa einen Wissenschafter zum Botschafter für den Twizy ernannt haben, sondern einen Soundtüftler – DJSuperstar David Guetta. Der zweifache Grammy-Gewinner steht mit seinem Namen und seinem Sound für den kleinen Stromer ein. Ob er ihn aber privat fahren wird, scheint eher fraglich. Denn Guetta lässt sich nicht nur aus PR-Gründen gerne im Privatjet, Helikopter, in grossen Limousinen oder auf fetten Bikes filmen und fotografieren. Er hinterlässt tatsächlich einen gewaltigen CO2-Footprint. Aber wie heisst doch die erfolgreiche Partyreihe des Franzosen im legendären Pacha auf Ibiza: «Fuck Me I’m Famous». Und wenn Guetta tatsächlich junge Leute zum Kauf eines Renault Twizy mobilisiert, dann kann man das ja durchaus als CO2-Kompensation bezeichnen.
Und überhaupt. In Sachen Twizy sollte man nicht moralisieren, sondern frohlocken. Denn für die mindestens 9600 Franken – ohne Batteriemiete – bekommt man tatsächlich ein Spassmobil. Zwar tönen die 18 PS alles andere als verheissungsvoll, aber weil der Twizy laut den Franzosen «vier Räder hat, aber kein Auto ist», sondern ein Quad, bleibt das Gewicht ohne Fahrer unter 500 Kilogramm. So spurtet der Stromer ziemlich locker in 6,1 Sekunden auf – nein, natürlich nicht Tempo 100, sondern Tempo 45. Da können laut den Franzosen nicht einmal die meisten Roller mithalten. Doch damit beschäftigt man sich im Twizy sowieso nicht. Wer sich für den Kauf eines derartigen Fahrzeuges entscheidet, hat ganz sicher keine Beschleunigungsorgien im Sinn. Oder ein richtiges Auto in der Garage. Denn auch für Renault steht fest: «Der Twizy ist ein Zweitoder Drittfahrzeug.» Und darum ist es auch nur halb so schlimm, dass der Twizy – wie alle anderen Elektrofahrzeuge auch – die versprochene und theoretisch berechnete Reichweite wohl nie erreicht. Bei unseren Probefahrten auf Ibiza war der unter dem Sitz versteckte Lithium-Ionen-Akku bereits nach weniger als 30 Kilometern bei 50 Prozent angelangt. Allerdings wurde der Twizy bei den Fahrten im Konvoi vom Airport zur Cala Bassa auch ordentlich gefordert.
Spass für Einzelgänger
Denn das Wägelchen macht Spass und ist im dichten Stadtverkehr genauso in seinem Element wie auf engen, kurvigen Strassen. Und gibt man im Twizy mal zu viel Gas – Pardon: Strom —, so schiebt der Renault leicht beherrschbar über alle vier Räder. Sitzt allerdings ein Mitfahrer auf dem eher engen und harten Platz hinter dem Fahrer, so sinkt nicht nur die Reichweite des Stromers, sondern auch der sonst so hohe Spassfaktor. Wer den Twizy so richtig geniessen will, ist also am besten alleine unterwegs. Dann gibts auch kein Problem nach dem Einkaufsbummel, wenn man beim besten Willen nicht weiss, wo und wie man die Einkaufstaschen verstauen soll.
Und sonst? Das eher lieblos designte Lenkrad mit Airbag liegt wie in einem ganz normalen Auto vor dem Fahrer, gebremst und Strom gegeben wird mit dem rechten Fuss. Doch links und rechts der Insassen begrenzen im besten Fall halbhohe, teils durchsichtige Flügeltüren den Passagierraum. Und das auch nur gegen einen Aufpreis von 800 Franken. So säuselt immer Frischluft durchs Cockpit. Was auf Ibiza Freude macht, dürfte in der Schweiz ein paar Käufer abschrecken. Zumal gegen einen veritablen Gewitterregen nur eine Pellerine schützt und eine Heizung gar nicht erst vorgesehen ist.
Dieter Liechti fuhr den Twizy am 4. April auf Einladung der Renault Suisse SA auf der Baleareninsel. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.04.2012, 08:49 Uhr
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