Auto
Fisker eine Nummer kleiner
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Nur weil man vernünftig ist, muss man nicht dem Vergnügen entsagen. Nach diesem Prinzip hat der dänische Designer Henrik Fisker vor vier Jahren seine eigene Automarke aus der Taufe gehoben – «um Luxus ohne schlechtes Gewissen zu verkaufen». Dafür steht neben dem atemberaubenden Design und den Fahrleistungen auf Panamera-Niveau vor allem der Elektroantrieb mit Range Extender, der den Kunden die Angst vor dem Ende der Reichweite nimmt und den Verbrauch trotzdem unter drei Liter drückt.
Sein erstes Auto war der Karma, der zu Preisen ab 129 900 Franken für das Modell Eco Standard gegen Mercedes CLS und Audi A7 antritt und deshalb nur eine kleine Nische bedient. Doch die oberen Zehntausend sind dem Dänen nicht genug. Wenige Monate nach dem Verkaufsstart des Karma hat er deshalb jetzt Stufe zwei seiner kleinen Revolution gezündet und in New York den Atlantic enthüllt.
Deutsche Mittelklasse im Visier
Noch ist das Auto ein Prototyp mit einem Reifegrad von 90 Prozent. Doch voraussichtlich in zwei Jahren will Fisker damit zu Preisen unter 50000 Dollar in den Massenmarkt einsteigen und Fahrzeugen wie dem Audi A5 oder dem BMW 3er Paroli bieten: «Kein anderes Auto in dieser Klasse wird so schnell sein wie unseres, und keines wird weniger verbrauchen», verspricht der Firmenchef.
Aber vor allem sieht keines so gut aus wie der Atlantic: Etwa 4,5 Meter lang, ist der 4-Türer eher Coupé als Limousine und bietet trotzdem bequem Platz für vier Personen samt Gepäck. Er hat ein dynamisches «Gesicht» mit Scheinwerfern, in denen LED-Elemente flunkern wie Eiswürfel in einem Glas. Er hat eine schlanke Flanke mit einem faszinierenden Spiel von Falten und Kanten. Und er hat ein kurzes, knackiges Heck. Ausserdem überrascht er mit einem fantasievoll verglasten Dach, das Fisker wegen seiner spinnenbeinförmigen Streben «Spider Roof» nennt. So geniessen die Passagiere einen besseren Ausblick und mehr Kopffreiheit. Und Passanten sehen auf den ersten Blick, wie nobel und elegant der Atlantic innen ausgeschlagen ist.
Der Antrieb funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie beim Karma oder wie es General Motors bei Opel Ampera und Chevrolet Volt nutzt. Es gibt einen E-Motor an der Hinterund auf Wunsch auch an der Vorderachse, der den Wagen mit dem Strom aus einem Lithium-Ionen-Akku im Mitteltunnel voranbringt. Gehen die Akkus nach wohl etwa 50 Kilometern zur Neige, muss der Atlantic nicht an die Steckdose. Sondern dann startet ein Benziner und produziert über einen Generator den Strom für weitere Strecken. Hat Fisker beim Karma noch einen Opel-Motor eingebaut, bedient er sich jetzt bei der erklärten Konkurrenz: Ausgerechnet BMW liefert ihm den 4-Zylinder.
Mittelfristig 100 000 Atlantic
Während Fisker vom Karma bei Valmet in Finnland pro Jahr nur wenige Tausend Autos bauen lässt, hat er mit dem Atlantic deutlich mehr vor: Eigens für dieses Modell hat Fisker eine alte GM-Fabrik im US-Staat Delaware übernommen, die gerade für die Produktion vorbereitet wird. «Das Werk hat eine Kapazität von 100 000 Autos, die wir mittelfristig auch ausreizen wollen.» Zweifel daran, dass er gegen die grossen Autohersteller nicht bestehen könnte, lässt Fisker nicht gelten. Und die ersten 700 Karma-Auslieferungen in den USA sowie die Vorbestellungen aus Europa geben ihm recht. In Holland beispielsweise hat der Karma bereits Konkurrenten wie den Jaguar XJ und den BMW 7er abgehängt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.04.2012, 13:09 Uhr
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